Götterdämmerung in der MotoGP! Zumindest könnte dieser Eindruck nach dem Thailand GP aufkommen. Nach 88 Grand Prix in Serie mit mindestens einem Ducati-Piloten auf dem Podium gelingt den Dominatoren der letzten Jahre zum Saisonauftakt 2026 nur Rang sechs. Was für andere ein normales Ergebnis darstellt, lässt in Borgo Panigale die Superhirne heiß laufen. Das Schlimmste ist: Es gibt keine Erklärung für den Formverlust.

Marc Marquez gibt zu: Auch ohne Felgen-Drama allerhöchstens Platz zwei

Einer hätte die unglaubliche Serie, die seit dem Rennen in Silverstone 2021 Bestand hatte, noch retten können. Natürlich war es Weltmeister Marc Marquez. Doch der Ausnahmekönner erlitt im Kampf um das Podium einen ungewöhnlichen Ausfall, als sich seine Felge beim Überfahren des Kerbs von Kurve 4 verbog und so für einen Reifenschaden sorgte. Mehr dazu in unserem neuesten Video:

MotoGP-Felgen schmelzen in Thai-Hitze! Marquez-Fehler zu viel (08:02 Min.)

Was wäre ohne den Schaden am Hinterrad möglich gewesen? "Wenn ich optimistisch bin, dann Platz drei. Und warum nicht auch Platz zwei?", meinte die Nummer 93. Raul Fernandez brachen gegen Rennende die Reifen ein und der neue WM-Leader Pedro Acosta war ebenfalls noch nicht zu weit weg. Vom Sieg war allerdings nicht einmal zu träumen. Diesen holte sich zum dritten Mal in Serie Marco Bezzecchi. Drei Rennen ohne Ducati-Triumph hatte es zuletzt 2021 gegeben.

"Vier Aprilias waren vorne dabei. Bezzecchi flog davon. Gestern [im Sprint, Anm. d. Red.] hat er einfach einen Fehler gemacht. Und Acosta fuhr ein großartiges Wochenende", lobte Marc Marquez die Konkurrenz. Da musste selbst der Dauersieger des letzten Jahres konstatieren: "Hier waren Aprilia und Acosta stärker."

Marc Marquez hatte auch vor seinem Ausfall zu kämpfen, Foto: IMAGO / Anadolu Agency
Marc Marquez hatte auch vor seinem Ausfall zu kämpfen, Foto: IMAGO / Anadolu Agency

Fabio Di Giannantonio von unbekanntem Problem eingebremst

Wenn das der beste Fahrer im Kader sagt, dann weiß man wie es den anderen Piloten erging. Fabio Di Giannantonio machte das gesamte Wochenende über noch den stärksten Eindruck und war am Ende auch mit Rang sechs der beste Pilot einer Desmosedici. Allerdings profitierte er dabei von den Ausfällen von Marquez und Honda-Pilot Joan Mir.

Di Giannantonio kam als Sechster ins Ziel, Foto: VR46 Media
Di Giannantonio kam als Sechster ins Ziel, Foto: VR46 Media

Doch auch 'Diggias' Rennen war nicht ohne besondere Umstände. Der Römer urteilte daher noch recht optimistisch: "Ich hatte leider ab Runde 7 ein technisches Problem. Da war das Glück nicht auf meiner Seite. Ich konnte daher nicht so pushen, wie ich es wollte. Ich denke, wir hätten schon um den letzten Podestplatz kämpfen können." Was genau ihn einbremste, wollte der VR46-Pilot nicht preisgeben. Doch letztlich gab auch er zu: "Aber wir wissen auch, dass Aprilia hier sehr stark war."

Ducati rätselt: Motorrad völlig anders als beim MotoGP-Test eine Woche zuvor

Auch Ducatis Team-Manager Davide Tardozzi zog den Hut vor dem Konkurrenten aus dem eigenen Land: "Aprilia hat sich stark gesteigert. Sie waren unglaublich schnell an diesem Wochenende, mit allen vier Fahrern. Chapeau! Sie waren fantastisch."

Die Gratulation an die Konkurrenz ehrt den Italiener. Doch damit eine solch unglaubliche Podiumsserie endet, braucht es immer Zwei. Nicht nur war Aprilia wie erwartet stark, Ducati war auch schwach wie seit Jahren nicht mehr. In Valencia 2020 gab es letztmals nur Rang sechs. Erklären konnte sich das niemand im Lager der Roten. "Es ist seltsam. Dieses Wochenende haben wir ein komplett anderes Motorrad vorgefunden als noch am Letzten beim Test. Wir verstehen es immer noch nicht", berichtete Tardozzi.

Bagnaia rätselte: Wo war die Test-Pace hin?, Foto: IMAGO / PsnewZ
Bagnaia rätselte: Wo war die Test-Pace hin?, Foto: IMAGO / PsnewZ

Francesco Bagnaia stimmte nach einem erneut durchwachsenen Wochenende zu: "Es war ziemlich hart. Ich habe es nicht wirklich verstanden. Es war viel komplizierter als im Test. Wenn mich nach dem Test jemand nach der Zielsetzung gefragt hätte, dann hätte ich Top Drei geantwortet. Dazu hatten wir die Pace. Sobald aber dieses Wochenende anfing, hatten wir Probleme."

Ai Ogura lässt Francesco Bagnaia stehen, Alex Marquez stürzt beim ersten Push

Vor allem die Reifen gingen den Desmosedicis ein. "Ich versuchte sehr, den Hinterreifen zu managen, aber bei noch acht zu fahrenden Runden drehte er auf den Geraden fast nur noch durch. Das ging hoch bis zum fünften Gang", vermeldete 'Pecco'. Wie viel besser das gehen kann, demonstrierte eine Aprilia vor seinen Augen: "Als Ogura [der durch einen schlechten Start zurückgefallen war, Anm. d. Red.] mich überholte, da ließ er mich einfach links liegen. Er beschleunigte von Kurve 3 zu Kurve 4 und fuhr allein da vier Zehntel weg."

Ein ähnliches Schicksal erlitt auch Vizemeister Alex Marquez, der gar keinen Punkt vom Auftakt mitnehmen konnte. "Ich musste mich das ganze Rennen zurückhalten, um nicht alles zu überhitzen. Am Ende wollte ich doch noch etwas pushen. Die Gruppe hinter mir war so groß und ich lief Gefahr, noch viele Positionen zu verlieren. Dann habe ich die Front auf merkwürdige Art und Weise verloren", berichtete der Gresini-Pilot nach seinem Sturz, bei dem er glücklicherweise unverletzt blieb. Dass ein Ducati-Pilot fürchtet, dass er gleich durchgereicht werden könnte, haben wir so ehrlichweise auch selten gehört in den letzten Jahren.

Besondere Reifen an Thailand-Schwäche schuld? Bagnaia winkt ab

Woher kam die akute Formschwäche? Die einzig realistische Spur führt eigentlich zu den besonderen Hinterreifen von Michelin. Für Hitzerennen wie am Buriram International Circuit bringt der Reifenhersteller zu wenigen ausgewählten Grands Prix eine verstärke Variante seiner Gummis. "Wir sehen, dass wir ein Problem haben. Den anderen ist ein Fortschritt gelungen und wir fahren mehr oder weniger dieselben Rundenzeiten wie letztes Jahr. Wir müssen das analysieren und unsere Schlüsse ziehen. Ich denke, dass uns diese Reifenkarkasse viele Probleme bereitet", meinte Alex Marquez. Diese Vermutung machte sich auch im Paddock breit.

Diesem Gedanken widersprach jedoch Bagnaia entschieden. Dabei argumentierte er nicht nur mit dem Test, bei dem Ducati auf gleichem Reifentyp noch gut aussah. Auch in der Vergangenheit habe es solche Probleme nicht gegeben: "Das stimmt nicht. Das hier ist eine sehr gute Strecke für uns. Wir haben hier immer gewonnen. Wir haben auch immer in Österreich gewonnen [dort kamen ebenfalls die speziellen Reifen zum Einsatz, Anm. d. Red.]. In der Theorie ist das also eine Strecke, die uns sehr entgegenkommt." Tatsächlich holte Ducati 2024 im Sprint sogar einen historischen Achtfachsieg. Damals konnten weder Hitze noch Reifen der Dominanz etwas anhaben.

Waren nur die Reifen schuld?, Foto: IMAGO / NurPhoto
Waren nur die Reifen schuld?, Foto: IMAGO / NurPhoto

Ducati-Boss ahnt: MotoGP-Titel 2026 wird harter Kampf für Marc Marquez

Wie innerhalb von einer Woche ein derartiger und kollektiver Formabfall zustande kam, bleibt also erstmal ein Rätsel. Marc Marquez hat aber genug Erfahrung in Titelkämpfen, um trotz des Endes der Podienserie zu beruhigen: "Wir müssen gut und hart arbeiten, aber es gibt keinen Grund zur Panik." Erstmal sollten weitere Rennen mit normalen Reifen abgewartet werden, so der Champion.

Boss Davide Tardozzi kennt seinen Schützling mittlerweile gut genug. "Er hat mit Sicherheit festgestellt, dass es dieses Jahr deutlich härter wird, die Meisterschaft zu gewinnen. Aber er vertraut auf Gigi [Dall'Igna] und seine Ingenieure", meinte der Italiener zur Mission Titelverteidigung. Wenn Marc Marquez für MotoGP-Titel Nummer acht härter kämpfen muss, dann kann das für den Sport allerdings nur gut sein.

Was meint ihr? Wird Ducati wieder mit alter Stärke zurückschlagen oder haben sie dieses Jahr wirklich zu kämpfen? Sagt es uns in den Kommentaren.