Es wird wieder ernst. Die MotoGP startet in die Saison 2026. Beim Thailand GP suchen wir den ersten Sieger des Jahres, doch im Vorfeld will sich kein Pilot offensiv positionieren. Wenigstens scheint klar, welche Motorräder für den Auftakterfolg in Frage kommen.

Honda rudert nach ersten Ansagen zurück: In Thailand kein Sieg möglich

Vor dem Rennen in Buriram nahmen sich bereits am Donnerstag drei Hersteller gleich einmal heraus aus den Siegkandidaten. Dass dieser Gedanke bei Sorgenkind Yamaha ohnehin illusorisch war, erklärt sich von selbst. Fabio Quartararo sieht schwarz für das erste Jahr mit dem V4-Motor. Mehr dazu hier:

Bei Honda hingegen hatte Teamboss Alberto Puig nach Bestzeit beim Test in Sepang von Siegen gesprochen. Auf der Strecke in Thailand wird das aber wohl nicht passieren. "Während des Tests hatten wir einige unerwartete Probleme mit dem Grip. Das hindert uns daran, dort zu sein, wo ich hinmöchte, und das Motorrad so zu pushen, wie ich es möchte. Der Unterschied im Vergleich zu Ducati und Aprilia ist größer [als im Sepang-Test, Anm. d. Red.]. Es wird schwierig werden, denn wir liegen in der Performance zurück", konstatierte Joan Mir nach der Erfahrung zweier Testtage auf dem Buriram International Circuit.

Pedro Acosta ehrlich: KTM braucht Fehler der MotoGP-Spitze

Aus dem Lager von KTM kommt ebenfalls keine Kampfansage. "Die Erwartung ist, unter den ersten Fünf zu landen. Die beiden italienischen Marken sind schneller als der Rest. Ducati ist hier sehr schnell, und Aprilia hat einen größeren Schritt nach vorne gemacht, als wir erwartet hatten. Es gibt fünf Ducatis [Fermin Aldeguer fehlt verletzt, Anm. d. Red.] unter den ersten Zehn und vielleicht drei Aprilias", meint Speerspitze Pedro Acosta.

Pedro Acosta muss auf Fehler der Konkurrenz hoffen, Foto: KTM Media
Pedro Acosta muss auf Fehler der Konkurrenz hoffen, Foto: KTM Media

Beim Wunsch nach dem ersehnten ersten MotoGP-Sieg kann der 'Hai' nur auf Fehler der Konkurrenz hoffen. "Dies ist nicht die beste Rennstrecke für unser Motorrad. Unter diesen Umständen ist es am besten, dranzubleiben, um von den Dingen zu profitieren, die vorne passieren können", lautet daher der Plan. Immerhin sieht er Fortschritte beim Reifenverschleiß, womit sich der Anschluss vielleicht länger halten lässt.

Ducati und Aprilia Favoriten, doch (noch) nicht Jorge Martin

Im Endeffekt sind sich alle einig: Der Sieger des Thailand Grand Prix wird auf einer Ducati oder einer Aprilia sitzen. Doch von den Spitzenpiloten aus Borgo Panigale und Noale will keiner das Wort 'Sieg' in den Mund nehmen.

Bei einem ist dies angesichts der Vorgeschichte äußerst verständlich. "Das Motorrad funktioniert gut. Wir waren wirklich konstant und hatten guten Speed im Test. Wir sind sicher nicht die Favoriten, aber ich fühle mich stark und bereit, loszulegen", blickt Jorge Martin dennoch optimistisch auf die neue Saison, in der er seinen Aprilia-Fluch ablegen möchte. Beim Test am vergangenen Wochenende bezifferte er seine realistische Zielsetzung nach eingeschränkter Vorbereitung im Bereich von Platz fünf bis sieben.

Jorge Martin ist (noch) nicht bereit für den Kampf um den Sieg, Foto: IMAGO / PsnewZ
Jorge Martin ist (noch) nicht bereit für den Kampf um den Sieg, Foto: IMAGO / PsnewZ

Francesco Bagnaia erinnert an Misere von 2025: Platz drei wäre ein Wunder

Ebenfalls aus harten Zeiten kommt Francesco Bagnaia. Daran erinnerte uns 'Pecco' nach durchaus erfreulich gelaufenen Testfahrten: "Ich fühle mich besser vorbereitet als letztes Jahr. Aber wir müssen abwarten, denn letztes Jahr war ich hier Dritter. Zum Ende der letzten Saison wäre ein dritter Platz dann wie ein Wunder gewesen." Seine Probleme mit dem Gefühl für die Front scheinen mit der Ducati GP26 aber behoben.

Francesco Bagnaia hofft, seine Krise ablegen zu können, Foto: IMAGO / PsnewZ
Francesco Bagnaia hofft, seine Krise ablegen zu können, Foto: IMAGO / PsnewZ

Außerdem verpflichtet die rote Kluft ihn eigentlich zu Resultaten, aber davon möchte der Italiener (noch) nichts wissen: "Ich bin im Werksteam von Ducati, das ist das beste Motorrad. Da musst du an jedem Wochenende unter die ersten Drei fahren. Das ist die Vorgabe, aber ich möchte jetzt einfach ruhig starten und versuchen, mich zu verbessern."

Marco Bezzecchi spielt Testform herunter: Fantastischer Grip sorgt für Rundenzeit

Bleiben noch die ersten Drei der Weltmeisterschaft 2025, welche gemeinsam in der Pressekonferenz Rede und Antwort standen. Nach starken Testeindrücken gilt Aprilias Marco Bezzecchi als großer Herausforderer der Ducatis. In unserer Analyse fuhr er ihnen gar davon, mehr dazu hier:

Doch wenig überraschend spielt 'Bezz' dies herunter: "In Sepang hatte ich nicht genug Pace, um die Spitze zu kämpfen. Alex [Marquez], Pecco [Bagnaia] und Marc [Marquez] waren sehr schnell, aber auch die VR46-Jungs und Pedro [Acosta]. Ich war dran, aber es war nicht genug. Hier sieht es vielleicht etwas besser aus, aber während des Tests baut die Strecke fantastischen Grip auf. Da ist es normal, dass du sehr schnelle Rundenzeiten fährst. Das Rennwochenende ist immer anders."

Alex Marquez und Marco Bezzecchi überzeugten bei den Tests, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Alex Marquez und Marco Bezzecchi überzeugten bei den Tests, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Vizemeister Alex Marquez hatte in Malaysia überzeugt. Das bestreitet er auch nicht: "Ich hatte zwei solide Tests in Sepang und hier. Niemand wird zu 100 Prozent glücklich sein, alle wollen mehr. Aber ich bin recht bereit für den Start." Dennoch gibt es auch von ihm keine Kampfansage. Abwarten und Tee trinken ist angesagt: "Das Rennwochenende wird allen zeigen, wo wir stehen. Der Test ist das eine, aber am Rennwochenende sehen wir die Realität, wenn alle 100 Prozent auf der Strecke lassen. Da geht es aber nicht nur um dieses Wochenende. Nach drei bis vier Rennen sehen wir, wo wir stehen und worum wir dieses Jahr kämpfen können."

Marc Marquez der klare Favorit? "Schnellste Fahrer der Tests sitzen neben mir"

Bleibt noch der offensichtliche Kandidat. Bezzecchi macht ihm gleich einmal Druck: "Marc [Marquez] ist ganz klar der Favorit. Er ist der Champion, hat die letzte Saison dominiert und die Meisterschaft viele Rennen vor Ende gewonnen." Teamkollege Jorge Martin stimmte ein: "Wir wissen, dass es Konkurrenten gibt, die sich verbessert haben und ihre Karten noch nicht auf den Tisch gelegt haben. Mehr als Ducati heißt der Gegner [Marc] Marquez."

Doch Marc Marquez ist nicht nur Weltmeister, sondern bekanntermaßen auch ein Experte im Tiefstapeln. "Du musst erstmal das Level der anderen sehen. Du kannst dich gut fühlen, aber das heißt ja nicht, dass du der Schnellste bist", lässt uns die Nummer 93 wissen. Dann ging der Wink zurück zu den beiden anderen: "Rechts von mir sitzt der schnellste Mann des Sepang-Tests [Alex Marquez] und links von mir der schnellste Mann im Buriram-Test [Marco Bezzecchi]. Die Saison fängt für alle neu an. Ich werde versuchen, von Beginn an gegen sie kämpfen zu können."

Marc Marquez beim MotoGP-Test in Thailand
Marc Marquez stapelt mal wieder tief, Foto: IMAGO / NurPhoto

Letztlich machte also auch er keine Ansage, sondern verwies auf das große Ganze: "Diese Meisterschaft dauert 22 Rennen an. Im ersten Rennen kannst du sie weder gewinnen, noch verlieren." Der sonst so siegessüchtige Spanier will einen anderen Aspekt betonen: "Es ist unmöglich in jeder Session und an jedem Wochenende der schnellste Fahrer zu sein. Mein Ziel ist es, gute Konstanz durch den gesamten Kalender hinzulegen, besonders in den ersten Rennen."

Für unseren MotoGP-Experten Tom Lüthi ist Marc Marquez natürlich trotz seiner Tiefstapelei der Favorit. In der ersten Ausgabe unseres Interwetten MotoGP-Magazins blicken wir voraus auf die Saison 2026:

Alphatier Marc Marquez - Tom Lüthi: Bagnaia musste weg! (28:42 Min.)