Die letzten Testkilometer vor dem MotoGP-Saisonstart 2026 sind absolviert. Wo stehen die fünf Hersteller der Königklasse vor dem Thailand GP in einer Woche? Motorsport-Magazin.com liefert die Analyse des Tests in Buriram und darf berechtigte Hoffnung machen, dass es nicht erneut zu einer Dominanz von Ducati kommen wird.
MotoGP-Strecke in Thailand wird schneller: Sonntag als entscheidende Test-Referenz
Klären wir zunächst die Datengrundlage. Da sich die Strecke am Sonntag deutlich schneller präsentierte, ziehen wir die Zeiten des zweiten Tages heran. Sämtliche Piloten stellten ihre persönliche Bestzeit an diesem auf. Was Sprint- und Rennsimulationen angeht, gab es am Samstag ebenfalls wenig Ergiebiges. Einzig Francesco Bagnaia zeigte einen ernstzunehmenden Sprint. Da sonst kein Vergleichswert vom Samstag besteht, ist dieser leider sehr schwer zu bewerten. Im Schnitt war 'Pecco' dabei etwa zwei bis drei Zehntel langsamer als die Besten am Sonntag.
Wir beginnen unsere Analyse mit den absoluten Bestzeiten der Piloten. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass diese zu unterschiedlichen Zeitpunkten gefahren wurden. Die Mehrheit der Spitzenfahrer legte die beste Runde bereits am Vormittag hin, was auch dem tatsächlichen Zeitpunkt des Qualifyings am kommenden Rennwochenende entspricht. Einige Piloten legten dann aber in der Schlussphase der Nachmittagssession nochmal nach. Es ist anzunehmen, dass die Strecke dann durch mehr Gummi ein wenig schneller war. Im Folgenden nun die Rangliste der Tests.
MotoGP-Test: Die Bestzeiten der Piloten am Sonntag, und wann sie diese fuhren
| Position | Fahrer | Bike | Zeit/Rückstand | Zeit gefahren am |
|---|---|---|---|---|
| 1. | Marco Bezzecchi | Aprilia | 1:28.668 | Nachmittag |
| 2. | Ai Ogura | Aprilia | +0.097 | Nachmittag |
| 3. | Marc Marquez | Ducati | +0.168 | Vormittag |
| 4. | Francesco Bagnaia | Ducati | +0.215 | Vormittag |
| 5. | Alex Marquez | Ducati | +0.293 | Vormittag |
| 6. | Pedro Acosta | KTM | +0.353 | Vormittag |
| 7. | Franco Morbidelli | Ducati | +0.403 | Vormittag |
| 8. | Jorge Martin | Aprilia | +0.499 | Vormittag |
| 9. | Fabio Di Giannantonio | Ducati | +0.505 | Nachmittag |
| 10. | Joan Mir | Honda | +0.628 | Nachmittag |
| 11. | Raul Fernandez | Aprilia | +0.634 | Vormittag |
| 12. | Brad Binder | KTM | +0.724 | Nachmittag |
| 13. | Luca Marini | Honda | +0.783 | Vormittag |
| 14. | Maverick Vinales | KTM | +0.901 | Vormittag |
| 15. | Johann Zarco | Honda | +0.940 | Vormittag |
| 16. | Jack Miller | Yamaha | +1.004 | Nachmittag |
| 17. | Fabio Quartararo | Yamaha | +1.033 | Nachmittag |
| 18. | Enea Bastianini | KTM | +1.060 | Nachmittag |
| 19. | Diogo Moreira | Honda | +1.252 | Vormittag |
| 20. | Alex Rins | Yamaha | +1.454 | Nachmittag |
| 21. | Toprak Razgatlioglu | Yamaha | +2.104 | Nachmittag |
| 22. | Michele Pirro | Ducati | +3.109 | Nachmittag |
Italienische Bikes überlegen, Yamaha abgeschlagen
Beim Blick auf die Spitze zeigt sich ein klares Bild: Aprilia und Ducati sind geschlossen vorn. Einzig Pedro Acosta mischt in der Armada aus Italien mit. Die beiden Zeiten der Aprilias an der Spitze wurden erst nachmittags gefahren und schönen das Bild für Noale vermutlich ein wenig. Dennoch gilt es zu beachten, dass Marco Bezzecchi auch am Vormittag bereits weniger als zwei Zehntel auf die Zeit von Marc Marquez fehlten. Noch beeindruckender ist dies, wenn man bedenkt, dass der Buriram International Circuit stets als schwache Strecke für die RS-GP galt. Ducati hingegen feierte hier 2024 sogar einen Achtfachsieg im Sprint.

Bis auf den 'Hai' kann keiner mithalten. Honda fällt nach dem starken Eindruck aus Sepang um über eine halbe Sekunde zurück. Joan Mir versuchte es am Nachmittag mehrfach, doch konnte er nicht genug zulegen. Die anderen drei KTM-Piloten lagen weit hinter Acosta. Bei Brad Binder und Enea Bastianini ist dies allerdings über eine Runde mittlerweile ein bekanntes Dauerphänomen.
Die Lage bei Yamaha zeigt sich weiterhin desaströs. Alle Piloten weisen über eine Sekunde Rückstand auf. Neuling Toprak Razgatlioglu hängt weit zurück. Dabei stehen Jack Miller und Fabio Quartararo sogar noch etwas besser da, als es der Testeindruck vermittelte. Beide rückten in den Schlussminuten noch einmal für schnelle Runden aus und gelten als gute Qualifier. Der Franzose ist vielleicht sogar der beste im Feld. Dass sie trotzdem auf den Rängen 16 und 17 landen, sagt viel über den aktuellen Zustand der neuen M1 mit V4-Motor aus. Nicht umsonst liegen bei 'El Diablo' die Nerven blank. Mehr dazu in unserem Video:
Wer überzeugt in der Rennpace? Sprint- und Rennsimulationen am Sonntag
Noch aussagekräftiger als die Zeiten auf eine Runde, ist die Pace im Longrun. Diese wurde bis auf eine Ausnahme ausschließlich am Sonntagnachmittag erprobt. Dabei unterscheiden wir zwischen Sprint und Rennen. Der Sprint in Thailand umfasst 13 Runden, der Grand Prix 26. Wesentlich mehr Piloten haben sich in ihrer Rundenzahl auf die Sprint-Distanz oder gar weniger beschränkt. Auch bei den Fahrten, die einem Rennen nahekamen, absolvierte keiner die vollen 26 Umläufe. Dennoch ergeben sich gute Einsichten. Wir beginnen mit den Sprints.
MotoGP-Test in Buriram: Die Rangliste der Sprint-Simulationen
| Position | Fahrer | Bike | Runden | Zeit im Schnitt | Rückstand pro Runde |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Marc Marquez* | Ducati | 6 | 1:30.012 | |
| 2. | Ai Ogura | Aprilia | 12 | 1:30.101 | +0.089 |
| 3. | Alex Marquez** | Ducati | 10 | 1:30.441 | +0.429 |
| 4. | Jorge Martin | Aprilia | 12 | 1:30.497 | +0.485 |
| 5. | Raul Fernandez | Aprilia | 11 | 1:30.572 | +0.560 |
| 6. | Luca Marini | Honda | 14 | 1:30.582 | +0.582 |
| 7. | Maverick Vinales | KTM | 13 | 1:30.622 | +0.610 |
| 8. | Joan Mir | Honda | 10 | 1:30.624 | +0.612 |
| 9. | Francesco Bagnaia** | Ducati | 9 | 1:30.679 | +0.667 |
| 10. | Fabio Quartararo | Yamaha | 10 | 1:30.953 | +0.941 |
| 11. | Pedro Acosta | KTM | 13 | 1:30.977 | +0.965 |
| 12. | Alex Rins | Yamaha | 12 | 1:31.119 | +1.107 |
| 13. | Diogo Moreira | Honda | 11 | 1:31.463 | +1.451 |
| 14. | Jack Miller | Yamaha | 12 | 1:32.367 | +2.355 |
*Die Simulation vom Marc Marquez endete im Sturz nach 6 absolvierten Runden. Es ist davon auszugehen, dass der Schnitt aufgrund von Reifenverschleiß noch etwas langsamer geworden wäre.
**Sowohl Alex Marquez als auch Francesco Bagnaia waren vermutlich auf Rennsimulationen unterwegs, als diese Aufgrund von Sturz beziehungsweise roter Flagge verfrüht beendet wurden.
Hier bestätigt sich das Bild weiter. Ducati und Aprilia sind vorne, wobei die Zeiten der Desmosedicis mit Vorsicht zu genießen sind. Marc Marquez stürzte nach nur sechs Runden und war im Schnitt trotzdem nicht viel schneller als Ai Ogura mit der doppelten Distanz. Alex Marquez stürzte ebenfalls und Francesco Bagnaia musste seinen Run wegen Roter Flagge beenden. Bei beiden deuten die Runden zu Beginn des Stints aber auf eine Rennsimulation hin, welche dann nicht zu Ende gebracht werden konnte. Dennoch lägen sie auch in diesem Vergleich hinter der Bestmarke zurück, mehr dazu gleich.
Dahinter reiht sich dann Honda ein, mit weniger Rückstand als auf eine Runde. KTM ist schwer einzuschätzen. Acostas Run war schwach und der von Maverick Vinales enthielt zwei offensichtlich fehlerbehaftete Runden mit Zeiten über 1:34. Diese haben wir herausgerechnet. Ohne die Ausreißer liegt 'Topgun' immerhin auf Honda-Niveau. Des Weiteren zeigt sich, dass Yamaha nicht ganz so weit zurück liegt wie im Qualifying-Modus. Fabio Quartararo fährt gar schneller als Pedro Acosta, wenn auch mit drei Runden weniger. Der große Rückstand von Rookie Diogo Moreira unterstreicht, dass der Brasilianer noch einiges zu lernen hat. Immerhin fuhr er die Zeiten aber äußerst konstant. Blicken wir nun auf die längeren Simulationen.

MotoGP-Test in Buriram: Die Rangliste der Rennsimulationen
| Position | Fahrer | Bike | Runden | Zeit im Schnitt | Rückstand pro Runde |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Marco Bezzecchi | Aprilia | 20 | 1:30.454 | |
| 2. | Fabio Di Giannantonio | Ducati | 15 | 1:30.770 | +0.326 |
| 3. | Johann Zarco | Honda | 18 | 1:30.795 | +0.341 |
| 4. | Enea Bastianini | KTM | 18 | 1:31.494 | +1.040 |
| 5. | Brad Binder | KTM | 22 | 1:31.509 | +1.055 |
| 6. | Jack Miller* | Yamaha | 20 | 1:32.115 | +1.661 |
*Jack Miller fuhr seine Rennsimulation als einziger Pilot bereits in der Session am Vormittag, fand also andere Bedingungen vor.
Auch wenn wir leider nicht wissen, wie Alex Marquez und Bagnaia ihre Simulationen beendet hätten, so sendet Aprilia hier dennoch das große Ausrufezeichen. Die Simulation von Marco Bezzecchi war nichts anderes als überragend. Über 20 Runden ist er mit einem Schnitt von 1:30.454 sogar nur langsamer als drei der wesentlich kürzeren Sprint-Runs. Begonnen hatte er mit einigen mittleren 29er-Zeiten. Diese erreichten Alex Marquez und Bagnaia zu keinem Zeitpunkt. Selbst Marc Marquez lag nach seinen sechs Runden virtuell hinter 'Bezz'.

Während Fabio Di Giannantonio sich in etwa da einreiht, wo wir es mit einkalkuliertem Reifenverscheiß im Vergleich zu den kürzeren Ducati-Runs erwarten können, ist die Rennsimulation von Johann Zarco im Verhältnis ähnlich bemerkenswert wie jene von 'Bezz'. Der Franzose unterstreicht damit, dass die Honda im Renntrimm konkurrenzfähiger scheint als auf eine Runde. KTM kann da selbst mit Reifenstreichler Enea Bastianini nicht ansatzweise mithalten.

Die desolaten Zeiten von Jack Miller müssen wir trotz des offensichtlichen Yamaha-Rückstandes mit Vorsicht genießen. Als Einziger fuhr er seine Simulation bereits am Vormittag, also vermutlich mit weniger Grip. Das führt vor allem zu höherem Reifenverschleiß und genau dieser war in den Zeiten deutlich zu sehen. Begann der Australier noch im tiefen 1:31er-Bereich, so war er am Ende bei 1:33 angekommen. Einen solchen Abfall gab es sonst bei keinem Fahrer zu verzeichnen.
Fazit: Aprilia fordert Ducati ernsthaft heraus, Yamaha aussichtslos
Abschließend betrachtet können wir in der MotoGP vor dem Saisonstart eine Dreiklassengesellschaft ausmachen. Ducati und Aprilia sind vorne, und das eindeutig. Pedro Acosta bezeichnete den Abstand am Sonntag sogar als "furchterregend". Dabei beeindruckt Noale in jeglicher Hinsicht, während bei Ducati die Marquez-Brüder stürzten und uns so auch einen Vergleich mit Bagnaia nahmen. Die Rennsimulation von Bezzecchi war trotzdem eine noch viel größere Ansage als die spät gefahrene Bestzeit. Rechnen wir die Zeiten auf 26 Runden Renndistanz hoch, so wäre er Fabio Di Giannantonio um 8,5 Sekunden davongefahren.

Hinter den beiden italienischen Raketen liegen Honda und KTM. Weder scheinen sie nah genug für eine mögliche Überraschung, noch liegen sie weit abgeschlagen zurück. Dabei ist vor allem Pedro Acosta noch die große Unbekannte. Auf eine Runde scheint er der schnellste Mann der Verfolger. Im Renntrimm lief es deutlich schlechter für den Spanier. Hier hat Honda einen klar besseren Eindruck hinterlassen.
Kommen wir noch zum Schlusslicht. Dass Yamaha hinten liegt, war schon vor dem Test allen Beteiligten klar. Erschreckend ist jedoch das Ausmaß des Abstands und die Tatsache, dass seit Sepang keinerlei Fortschritte gelungen sind. Egal ob in Qualifying, Rennpace, Topspeed oder auch Zuverlässigkeit: Überall hängt das neue V4-Motorrad weit hinterher, fährt beinahe außer Konkurrenz. Nach derzeitigem Stand wäre selbst ein Pünktchen aus eigener Kraft ein kleiner Erfolg für Quartararo & Co.
Was meint ihr? Ist Aprilia wirklich bereit, Ducati zum Saisonauftakt zu schlagen? Sagt es uns in den Kommentaren.



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