Die Geschichte um den neuen Frontflügel von McLaren ging am letzten Wochenende der Formel 1 in Monaco in ihre zweite Runde. Nachdem das Team ihn in Kanada nicht wagte einzusetzen, wurde er in Monaco noch einmal getestet und wieder abgebaut. Andrea Stella verteidigt die Umstände und weigert sich, von einem Fehlschlag zu sprechen.
In Sachen Performance war der McLaren in Monaco generell ein ziemliches Desaster. Die Strecke stellte das fundamentale Fehlen von Abtrieb bloß. Das multiplizierte sich damit, dass das Auto die Reifen generell sehr wenig belastet. Dadurch schafft es der MCL40 besonders auf sanften Strecken nicht, die Reifen in ein passables Arbeitsfenster zu bringen und sie dort zu halten.
"Zugleich liegen wir mit unserem Auto hinter unserem Zeitplan", muss Stella allerdings einräumen. Das Team vertraut weiter auf das Potenzial von Plattform und übergeordnetem Konzept, doch die Fortschritte sind mühsamer als gedacht. Das bringt sofort wieder die zweite Ausbaustufe des Frontflügels ins Spiel.
In Kanada war dieser neue Frontflügel, der laut dem Team eine größere konzeptuelle Änderung in diesem Bereich darstellt, im Rahmen der über zwei Rennen verteilten ersten großen Revision des MCL40 erstmals gefahren worden. Lando Norris und Oscar Piastri äußerten sich allerdings nach einem Training direkt negativ über eine plötzlich unberechenbare Balance des Autos.
McLaren testet Frontflügel in Monaco: Weg richtig, nur erste Version zu schwach?
Das restliche Wochenende in Kanada wurde daher mit dem alten Flügel gefahren. Für Monaco modifizierte das Team den Flügel leicht und fuhr in allen drei Trainings noch einmal Vergleichstests. Und auch Tests zur Datenkorrelation mit Windkanal und Simulationen. Die hatte bei der ersten Ausfahrt in Kanada nämlich auch nicht zusammengepasst.
"Diese Arbeit am Frontflügel rührt sicherlich daher, dass wir das Verhalten des Flügels auf der Strecke versus in unseren Entwicklungstools klarer verstehen wollen", sagt Stella am Samstagabend in Monaco zu Motorsport-Magazin.com. Davor hatte man sich entschlossen, den Flügel zum zweiten Mal in Folge nicht für die Wettbewerbssessions zu montieren und wieder mit dem alten zu fahren.
"Wir wollten, besonders nach Kanada, ausreichend Zeit damit verbringen, ein paar Dinge auszusortieren, aber hier war er sehr nah an den Erwartungen dran", dämpft Stella den Alarm, dass McLaren sein Update-Mojo der letzten Jahre verloren hätte. Da hatte bekanntlich fast jedes Update gesessen. Vielmehr hat Monaco, obwohl man den Flügel wieder nicht einsetzte, das Team darin bestärkt, dieses Konzept weiterzuverfolgen.

"Es braucht noch etwas mehr Arbeit, aber ihr werdet diesen Frontflügel definitiv in den kommenden Events sehen", stellt Stella klar. "Es ist auch wichtig, dass wir diese Charakterisierung sehr gut machen, denn basierend auf diesem Frontflügel wird es mehrere Entwicklungen geben. Und der Flügel selbst hätte nie in Sachen Performance ein großer Schritt sein sollen. Viel mehr ein Startpunkt eines neuen Konzepts."
Keine perfekten McLaren-Updates mehr - ein Risiko neuer F1-Regeln?
Ein Ende des McLaren-Update-Mythos will Stella vor allem vor dem Hintergrund des ersten Jahres mit einem neuen Chassis- und Aero-Reglements nicht sehen. Der Update-Mythos war ab einem Punkt entstanden, an dem die alten Ground-Effect-Regeln bereits die erste Hürde hinter sich hatten. Die grundsätzliche Korrelation der Systeme war aussortiert, ebenso die Konzepte. Man konnte sich viel mehr auf das reine Addieren von Abtrieb fokussieren.
"Aber hier gibt es so viel Spielraum bei der Entwicklung, dass wir neue Komponenten sofort am Auto haben wollen, wenn sie bereit sind, weil wir so viel wie möglich über die neuen Komponenten und ihr Verhalten lernen wollen", erklärt Stella ein nötiges Adaptieren der Philosophie für das erste Jahr eines neuen Aero-Reglements, wie eben 2026. "Die Aerodynamik des Autos ist als Konzept noch nicht sehr ausgereift."
"Wir werden also öfter mehr Einzelteile austauschen, anstatt einzelne Pakete bei spezifischen Events zu bringen", so Stella. Dass ein Frontflügel am Beginn seines konzeptuellen Zyklus einmal nicht sofort innerhalb von 60 Minuten perfekt mit den Simulationen korreliert, sei da nicht weiter schlimm. "Ich denke immer noch, dass rigorose und effektive Auto-Entwicklung eine Stärke unseres Teams ist."
Diese Entwicklung braucht McLaren jetzt aber dringend. Dass die Zeit drängt, ist nach der Monaco-Pleite und bei einem Rückstand von 126 Punkten auf den Konstrukteurs-WM-Führenden Mercedes klar. "Wir verbleiben bei dem Mindset, dass es in Sachen Aufholjagd immer noch wie 2024 sein könnte", verweist Stella auf seine erste Konstrukteurs-WM als Teamchef vor zwei Jahren, die nach einem Super-Update damals in Miami begann. "Aber 2024 war unsere Fahrtrichtung bei Zuverlässigkeit und Performance überzeugender. Um in der Meisterschaft zu bleiben, brauchen wir einen Turnaround."
Bitter für McLaren wäre noch ein paar Punkte aus Monaco zu verlieren, wenn Alpine mit einem 'Right of Review' durchkommt. Dafür ist nach dem Drama um das Boxen-Tempolimit jetzt die erste Anhörung angesetzt.



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