Nachdem Alpine schon am Sonntagabend nach dem Monaco-GP angekündigt hatte, gegen die Tempolimit-Strafen im Rennen vorzugehen, geht das Verfahren jetzt offiziell los. Vor dem anstehenden Formel-1-Wochenende in Barcelona wird es die erste Anhörung geben.
Es geht um die zahlreichen Fünf-Sekunden-Strafen, die im Monaco-Rennen gegen fünf Fahrer für das Übertreten des Boxengassen-Tempolimits ausgesprochen worden. Darunter waren sowohl Pierre Gasly als auch Franco Colapinto. Gasly erhielt sogar zwei Strafen und verlor dadurch ultimativ ein Podest.
Da die Strafen alle Übertretungen zwischen 0,1 und 0,4 km/h betrafen, gehen viele im Fahrerlager aktuell davon aus, dass die Betroffenen in Wahrheit gar nicht zu schnell fuhren, sondern Opfer des Messverfahrens wurden. Das Tempolimit in der Formel-1-Boxengasse wird nämlich nicht per Radar oder Kameras kontrolliert, sondern von Zeitnahmeschleifen.
Diese unterteilen die Boxengasse in mehrere Segmente. Wenn ein Auto zu wenig Zeit in einem dieser Segmente braucht, wird es als zu schnell eingestuft. In Monaco kürzten nur viele Fahrer die von weißen Linien definierte Boxengasse am Ein- und Ausgang ab. Dann könnte das System die dadurch reduzierte Zeit im respektiven Segment als Tempoverstoß interpretieren, obwohl das Auto nie das 60-km/h-Limit übertrat.
Anhörung in Barcelona am Donnerstag: Welche Beweise hat Alpine?
Alpine versucht, das mit einem 'Right of Review' zu beweisen. Dieses Recht auf Neubeurteilung ist im Internationalen Sportkodex der FIA geregelt und kann bis zu 96 Stunden nach dem Rennen eingereicht werden. Diesen ersten Schritt hat Alpine nun definitiv erledigt. Die FIA hat nun bestätigt, dass am Donnerstag vor dem nächsten Rennwochenende in Barcelona um 13:00 Uhr eine virtuelle Anhörung abgehalten wird.
Bei dieser Anhörung muss Alpine zuerst einmal beweisen, dass das Right of Review überhaupt zulässig ist. Dafür muss man Beweise vorlegen, die zum einen neu sind und den Stewards zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht zur Verfügung standen, und zum anderen für den Fall signifikante und relevante Informationen enthalten.
Vermutlich wird Alpine die internen Telemetriedaten des Autos vorlegen. Traditionell versuchen Right-of-Review-Nutzer auch alle anderen auch nur ansatzweise potenziell interessanten Informationen in diese erste Anhörung mitzubringen. So wurden Alpine-Vertreter am Sonntagabend noch beim Messen der Boxengassenlänge beobachtet.
Kann Pierre Gasly ein Monaco-Podium bekommen?
Bei der ersten Anhörung am Donnerstag werden die FIA-Stewards dann entscheiden, ob die oben genannten Kriterien überhaupt zutreffen. Basierend auf den letzten Right-of-Review-Fällen ist es wahrscheinlich, dass sie - sofern sie es bejahen - dann sofort die zweite Anhörung anhängen und entscheiden, ob diese Beweise eine Änderung des Ergebnisses notwendig machen.
Theoretisch könnte man Gaslys 10 Strafsekunden wieder vom Ergebnis subtrahieren und ihm das Podium nachträglich anerkennen, denn Alpine hatte die Strafen im Rennen nicht abgesessen und sie erst nachträglich addiert bekommen. Das unterscheidet den Fall etwa vom letztjährigen Right of Review von Williams wegen einer Strafe für Carlos Sainz.
Diesen Fall hatte Williams gewonnen, aber da Sainz eine 10-Sekunden-Strafe schon im Rennen abgesessen hatte, wurden lediglich die nicht ergebnisrelevanten Strafpunkte zurückgenommen. Was die Legitimität von Alpines Beschwerden angeht, da hat F1-Experte Christian Danner nur seine Zweifel:



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