Es waren die letzten Sekunden des Formel-1-Qualifyings. Die Entscheidung um die Pole Position stand kurz bevor, doch dann plötzlich gelbe Flagge in der letzten Kurve! Kennen wir dieses Spiel nicht schon? Genau so lief es in Österreich ab. Und in Budapest war es auch der gleiche Auslöser: Max Verstappen flog beim Versuch, noch einmal das letzte Fünkchen Performance aus seinem Boliden zu quetschen, von der Strecke.

Dieses Mal ist aber nicht der 'Macarena'-Flügel schuld, denn der war seit der Geraden vor Kurve zwölf geschlossen. "Das Auto ist aerodynamisch einfach komplett kaputt. Es wird immer schlimmer und schlimmer. Was für ein Witz. Ehrlich, was für ein beschissenes Wochenende", wütete Verstappen direkt nach seinem Dreher am Funk.

Einen Einschlag in die Streckenbegrenzung konnte er dank der Auslaufzone verhindern, doch das ist wohl nur ein kleiner Wermutstropfen. Ebenso dürfte es ihn wenig freuen, dass er durch die Strafen von Kimi Antonelli und Lewis Hamilton statt von Platz sechs von Platz vier ins Rennen gehen wird. Nach dem Qualifying, außerhalb des Cockpits, lässt Verstappen kein gutes Haar am RB22. "Wir haben keinen Reifenverschleiß, wir haben Autoverschleiß", schimpfte er. "Das ganze Wochenende war schon schwierig, aber wenn dein Auto verfällt, dann hast du ein großes Problem."

Strafen für Hamilton & Antonelli! Mercedes geschlagen - aber nicht von Ferrari! (09:57 Min.)

Verstappen prophezeit Abflug am Funk vorher

Die Probleme mit dem Red-Bull-Boliden fingen nicht erst im letzten Qualifying-Abschnitt an. Schon davor beschwerte sich Verstappen über einen unberechenbaren RB22. "Das Auto ist plötzlich unglaublich spitz. Was zur Hölle?", funkte er nach Q2. "Der dritte Sektor fühlt sich an, als würde ich mich von der Strecke drehen." Oh, die Ironie des Schicksals. "Könnt ihr bitte checken, ob ich einen Schaden oder irgendetwas habe?" Mit dem Auto war aber alles so weit in Ordnung.

"Ich verstehe es wirklich nicht", so Verstappen am Samstagabend. "Das Auto wurde immer schlimmer und schlimmer. Je mehr ich gefahren bin, desto schwieriger wurde es, eine Runde zu fahren. Normalerweise wird es besser, der Grip wird stärker. Aber mein Auto hat einfach immer mehr übersteuert." Das führte dazu, dass der Red Bull in den Kurven teils unkontrollierbar war, schilderte Verstappen.

Auf seinem ersten Q3-Run musste er das Auto mehrmals abfangen. "Ich drifte im letzten Sektor sehr viel am Heck. Heilige Scheiße", meinte er noch zu seinem Renningenieur GianPiero Lambiase. Beim zweiten Anlauf wurde es nur schlimmer: Einen Abflug in Kurve zwei konnte Verstappen verhindern, dann verlor er es in Kurve 13 fast wieder. In der letzten Kurve war es dann vorbei: Als er auf die Bremse ging, vertschüsste sich das Heck.

Verstappen am Limit: Red Bull ist unfahrbar

"Ich habe eingelenkt und das Auto hat sich verhalten, als würde das Heck nicht existieren. Das ist verrückt", ist Verstappen fassungslos über die Performance. Dass die Probleme hauptsächlich am hinteren Teil des RB22 auftraten, ist in der Hinsicht interessant, dass die Bullen dort Updates gebracht haben. Die Halterungen des Heckflügels wurden aerodynamisch optimiert, außerdem wurde der Diffusor überarbeitet. Das alles sollte eigentlich zu mehr Downforce-Generation beitragen, nicht zu weniger.

Ob es die Updates sind, muss Red Bull erst über Nacht herausfinden. "Ich muss mir die Daten ansehen. Das Team konnte einen Verlust von aerodynamischer Leistung sehen und es ist immer schlimmer geworden. Das ist nicht gut", warnte Verstappen. "Für Sonntag müssen wir das reparieren, weil so ist das Auto unfahrbar, wie man in der letzten Kurve sehen konnte."

Die Problemlösung stellt sich aber als durchaus knifflig heraus, weil die Ursachen immer unterschiedlich zu sein scheinen. "Ich habe das Gefühl, dass es immer ein anderes Problem ist. Deswegen ist es so schwer zu kontrollieren", zeigte sich der Vierfach-Champion frustriert. "Ich glaube, ich bin ziemlich gut darin, zu verstehen, wenn es Probleme gibt oder wenn etwas nicht richtig funktioniert. Dieses Gefühl, dass das Auto nicht richtig am Asphalt klebt, hatte ich schon einmal. Jetzt wieder, das ist nicht gut", wiederholte er.

Isack Hadjar frustriert: Wir sind im Nirgendwo

Auch auf der anderen Garagenseite überwiegt der Frust. Auch Isack Hadjar drehte sich im Qualifying: Im Q2 nahm er zu viel Speed in die Schikane mit, kam auf den Kies und drehte sich ins Gras. Er musste einen zweiten Anlauf auf dem Soft-Reifen schaffen – und war damit sogar schneller als Verstappen. Das ist aber nur ein kleiner Trost. "Es ist sehr enttäuschend. Es gibt nichts zu sagen. Wir haben dieses Wochenende keinen Fortschritt gemacht. Das ist das Ergebnis, das uns unser Auto im Moment ermöglicht. Das viertschnellste Auto", sagte der junge Franzose entgeistert.

Hadjar hatte sich auf dem Hungaroring eigentlich mehr erwartet. Schließlich war man auch in Monaco, einer sehr ähnlichen Strecke, konkurrenzfähig. Doch jetzt hat ihn die Realität eingeholt. "Das ist wahrscheinlich eines unserer schlechtesten Wochenenden", sieht er kein Licht am Ende des Tunnels. "Wir sind im Nirgendwo. Das ist hart, weil wir jetzt bei der Saisonhalbzeit sind und es ist schwer, gerade einen großen Fortschritt zu machen."

Das aktuelle Paket hat zu viele Limitationen, in Ungarn fällt das vor allem bei der Fahrhöhe auf. "Ich sehe, wie die anderen Fahrer die Kerbs nehmen. Das ist mit dem, was wir haben, unmöglich", so Hadjar. Das führt dazu, dass das Auto sehr steif ist und auf der kurvenreichen Strecke schwer zu lenken. Eine Einschätzung für das Rennen traut er sich nicht zu: "Wir fragen uns selbst, wie wir die Performance unseres Autos vorhersagen sollen." Anders als sein Teamkollege profitiert er nicht von den Strafverschiebungen und wird das Rennen auf dem überholarmen Kurs von Platz acht starten.

Auch für Mercedes war das Qualifying in Ungarn keine gute Partie: Zum ersten Mal in diesem Jahr holten die Silberpfeile nicht die Pole Position! Woher kommt die schlechte Form? In diesem Artikel haben wir die Erklärungen der Protagonisten zusammengefasst: