Max Verstappens letztes Heimrennen in Zandvoort nahm ein bitteres Ende. In Runde eins erwischte er eine feuchte Stelle, verlor die Kontrolle über seinen RB22 und crashte mit hoher Geschwindigkeit in die Wand. Eine Szene, die noch vor wenigen Jahren die Nachricht des Wochenendes gewesen wäre, ist in der Formel-1-Saison 2026 zu einem beinahe gewohnten Bild geworden.

Ferrari-Blindflug! Hamilton als Versuchskaninchen? - Zandvoort Tops & Flops (42:36 Min.)

Formel 1 2026: Max Verstappens Crash-Serie

Grand PrixSessionVorfall
AustralienQualifying – Q1Abflug
MiamiRennen – Runde 1Dreher
ÖsterreichQualifying – Q3Abflug
GroßbritannienRennen – Runde 46Abflug
UngarnQualifying – Q3Dreher
NiederlandeRennen – Runde 1Abflug

Der dominanteste Fahrer der Formel 1 hat sich in diesem Jahr bereits mehrere Vorfälle geleistet. Der problematische RB22 ist schwer zu bändigen, ja, aber das waren auch seine Vorgänger. So crashanfällig wie 2026 war Verstappen jedoch zuletzt vor seiner ersten WM-Saison, als er noch für seinen unfallreichen Fahrstil bekannt war. Wie viel liegt also wirklich am Auto – und wie viel geht auf Verstappens Kappe? Motorsport-Magazin.com klärt die Schuldfrage.

Kinderkrankheiten in Australien & Miami

Im Qualifying für den Australien GP eröffnete Verstappen seine allererste fliegende Runde. Als er vor Kurve eins anbremste, verlor er von einem Moment auf den anderen die Hinterachse. Er war nur noch Passagier in seinem RB22, der einen Dreher durch den Kies hinlegte und frontal mit der Wand kollidierte.

Der Abflug stellte Red Bull zunächst vor ein Rätsel. "Ich trat auf die Bremse und die Hinterachse blockierte plötzlich komplett. Das ist sehr komisch, vor allem bei diesen Formel-1-Autos. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nie erlebt", meinte ein verblüffter Verstappen danach.

Dass sich der Kontrollverlust so früh in der Bremsphase ereignete, ist sehr untypisch und sorgte für Fragezeichen bei Red Bull. Zunächst meinte Chefingenieur Paul Monaghan, dass das Auto keinen Fehler habe. Aber Technik-Chef Pierre Wache löste nach genauerer Untersuchung auf: "Der Grund für den Unfall war eine fehlerhafte Software. Sie hat bewirkt, dass in jenem Moment an der Hinterachse zu viel Energie gesammelt wurde, was zum Blockieren geführt hat."

Wenn die Batterie zu aggressiv auf die Leistung des Hecks zugreift, ist das ähnlich, wie wenn bei hoher Geschwindigkeit die Handbremse angezogen wird. Verstappen hatte keine Chance, seinen RB22 abzufangen. Das Einzige, was er in diesem Moment falsch machte, war, die Hände nicht vom Lenkrad zu nehmen.

Max Verstappen fliegt über den Kies
Verstappen flog in Australien durch den Kies, Foto: IMAGO / Xinhua

Der Abflug in Melbourne ging also nicht auf Verstappens Kappe – der Dreher beim Rennstart in Miami hingegen schon. Er nahm in Kurve zwei beim Duell mit Charles Leclerc zu viel Kerb mit, verlor den Grip am Heck und legte eine 360-Grad-Drehung hin. Dass er die Schuld für seinen misslungenen Versuch, an der Spitze zu bleiben, nur sich selbst zuschreiben konnte, war sich Verstappen bewusst. Er entschuldigte sich gleich am Funk und meinte nach dem Rennen zum ORF: "Ich habe einen Fehler gemacht. Ich hatte Übersteuern und machte einen 360. Das war natürlich schade, aber ich bin auch nur ein Mensch."

Macarena-Drama in Österreich & Silverstone

Die nächsten beiden Unfälle sind von außen etwas schwieriger zu beurteilen. Sie liefen genau gleich ab: In Österreich jagte der vierfache Weltmeister die Pole Position, als er in Kurve neun abflog. Beim Großbritannien GP war er auf Podiumskurs, bevor er sich kurz vor Schluss in Stowe von der Strecke drehte.

In beiden Highspeed-Kurven verlor der Niederländer auf einmal und unerklärlich wieder den Grip an der Hinterachse. "Sobald ich das Lenkrad bewegt habe, ist das Auto einfach abgeflogen", beschrieb Verstappen in Spielberg. "Das hat sich wie fehlender Abtrieb angefühlt." In den Daten war zunächst nichts Auffälliges zu finden.

Erst nach dem Qualifying in Österreich lokalisierte Red Bull das Problem: der Macarena-Flügel. Kurz vor beiden Unfallstellen war die Straight-Mode-Zone zu Ende und die aktive Aerodynamik schloss sich. Laut dem Team soll ein technischer Defekt bei Verstappen dazu geführt haben, dass der Schließmechanismus nicht einwandfrei funktionierte. Ob er sich zu langsam oder nicht vollständig schloss, wurde nicht kommuniziert. Der dadurch plötzliche und ungleichmäßige Downforce-Anstieg könnte die Balance des RB22 so beeinträchtigt haben, dass der Anpressdruck hinten schlagartig abriss.

Als Verstappen in Silverstone auf die gleiche Weise abflog, wurde der rotierende Heckflügel für zwei Rennen zurück in die Fabrik geschickt. Seit Ungarn ist der Macarena wieder am RB22 verbaut, dieses Mal mit neuer Flap-Geometrie, geänderter Wölbung, geänderter Sehnenlänge und einer kleinen Anpassung an der unteren Verstrebung. Seither machte er keine Probleme mehr – er war nämlich nicht für den Crash im Qualifying verantwortlich.

Ungarn & Zandvoort: Auf der Suche nach dem Limit

Auf den ersten Blick wirkte die Szene im Q3 in Budapest wie eine Kopie von Verstappens Abflügen in Österreich und Großbritannien: Das Heck ging in der Kurveneinfahrt ohne sichtbaren Grund verloren. Doch mit dem Heckflügel hat das dieses Mal nichts zu tun. Die Straight-Mode-Zone ist schon lange vorbei, der Flügel geschlossen. Was – oder wer – war also schuld? Da scheiden sich die Geister.

Experte Jolyon Palmer meinte bei F1TV, dass der Red-Bull-Pilot schlicht zu viel Speed in die mittelschnelle Kurve mitnahm. Für Ralf Schumacher sah der Abflug merkwürdig aus. Nach dem Crash wurde beim Asphalt an genau dieser Stelle nachgebessert. Schon am Freitag brach die Strecke dort teilweise auf. Das Team verzeichnete im Verlauf der Session jedenfalls einen Verlust an aerodynamischer Leistung. Ob es sich um einen Fahrfehler, ein Problem mit der Strecke, den – Zitat Verstappen – "Autoverschleiß" oder um eine Kombination davon handelt, ist schwer zu sagen.

In seiner Heimat machte Verstappen klar einen Fahrfehler. Er überschätzte die Trockenheit der Strecke, ging zu viel Risiko ein und nahm die überhöhte Kurve 14 zu eng. Beim Versuch, nach einem schlechten Qualifying auf der überholfeindlichen Strecke Positionen gutzumachen, brachte ihn seine aggressive Linie auf den inneren, noch rutschigen Kerb, wodurch das Heck ausbrach. Er kollidierte mit der Streckenbegrenzung, schlitterte über die Strecke und kam schließlich vor der Boxeneinfahrt zu stehen.

Fahrer oder Technik: Wer ist an Verstappens Crashs schuld?

Grand PrixSessionVorfallGrund
AustralienQualifying – Q1AbflugSystemfehler
MiamiRennen – Runde 1DreherFahrfehler
ÖsterreichQualifying – Q3AbflugHeckflügel-Defekt
GroßbritannienRennen – Runde 46AbflugHeckflügel-Defekt
UngarnQualifying – Q3Dreherunklar
NiederlandeRennen – Runde 1AbflugFahrfehler
Der kaputte Red Bull von Max Verstappen am Sonntag bei der Formel 1 in den Niederlanden
Verstappens RB22 war nach dem Einschlag zum Wegschmeißen, Foto: IMAGO / PsnewZ

Fazit zur fehleranfälligen Verstappen-Saison

Am Ende bleibt die Frage: Wer trägt die Verantwortung für Verstappens Crash-Serie? Der Fahrer oder die Technik? Die Antwort: eine Mischung aus beidem. Der RB22 macht vor allem im Bereich Aerodynamik wiederholt Probleme und hat seinen Fahrer dadurch mehrfach im Stich gelassen. Gleichzeitig muss sich Verstappen an die eigene Nase fassen. Auf der Suche nach dem Limit eines schwierigen und unterlegenen Boliden ging er bereits einige Male darüber hinaus. Die Häufung der Unfälle ist deshalb weder nur ein Red-Bull-Problem noch allein Verstappens Schuld. Sie ist das Ergebnis eines schwer beherrschbaren Autos und eines Fahrers, der trotzdem versucht, das Maximum herauszuholen.