"Das Auto verfällt. So ist es unfahrbar", wütete Max Verstappen noch nach dem Qualifying am Samstag, nur um dann einen Tag später auf dem Formel-1-Podium zu stehen – nach dem dritten Platz in Spa sein zweites Top-3-Ergebnis in Folge. Wie er es schaffte, als Zweiter über die Ziellinie zu fahren, weiß er selbst nicht. Motorsport-Magazin.com hilft ihm auf die Sprünge.
Verstappens erster Ungarn-Stint: Traumstart schlägt Ferrari
"Ich verstehe noch immer nicht ganz, wie wir auf Platz zwei sind", meint Verstappen in der Pressekonferenz nach dem Ungarn GP. Den ersten Baustein für das 301. Red-Bull-Podium legte der Vierfach-Champion auf den ersten Metern des Rennens. Mit einem traumhaften Start platzierte er sich in der ersten Kurve auf der Innenseite neben Charles Leclerc, der dieses Mal nicht von Ferraris Raketenstarts profitierte.
Damit schob er sich von P4 gestartet auf P3 vor. "Dass wir beim Start nach vorne gekommen sind, hat unseren ersten Stint möglich gemacht", so Verstappen. In Kurve zwei war dann plötzlich Lewis Hamilton auf seiner Innenseite, doch Verstappen hielt seine Linie und gab nicht nach. In Kurve drei touchierte Hamiltons linker Vorderreifen seinen rechten Hinterreifen, die Kollision blieb aber ohne weitere Folgen.
Sein alter Erzfeind ließ sich aber nicht so leicht abhängen. Den ganzen ersten Stint hing er im Heck des RB22 und war konstant im Overtake-Fenster. Doch Verstappen machte sich breit und ließ Hamilton keine Chance für ein Manöver. Das war für den siebenfachen Weltmeister besonders frustrierend, weil der auf dem Soft-Reifen startete und hinter dem langsameren Red Bull seinen Vorteil verlor.
Hamilton-Divebomb rettet zweiten Stint nach Undercut
In Runde 14 zog Hamilton dann die Reißleine und bog in die Box ab. Die Bullen reagierten sofort, doch Ferrari schaffte den Undercut. Der Niederländer kam eine Sekunde hinter seinem Titelrivalen von 2021 aus der Boxengasse. "Welchen verfickten Sinn hatte das? Ich hätte noch länger draußen bleiben können", beschwerte er sich gleich explizit am Funk.
Seine Chance ergab sich aber bereits, als er das nächste Mal die Ziellinie überquerte: Hamilton überholte Liam Lawson in der letzten Kurve und begann auf halbem Weg zu Kurve eins, seine Batterie zu laden. Verstappen schoss bei der Boxenausfahrt am Racing Bull vorbei und bremste unglaublich spät in die erste Kurve. Mit einer mutigen "Divebomb" drückte er sich innen am Ferrari vorbei, der auch etwas mitspielte, um eine Kollision zu vermeiden.
"Das war ziemlich besonders", lobte Gianpiero Lambiase seinen Fahrer am Funk. "Ich wusste, dass das meine einzige Möglichkeit war, weil sie [Ferrari, Anm. d. Red.] keine schlechte Pace haben", erklärt Verstappen im Nachhinein. "Als ich die Öffnung gesehen habe, habe ich die Chance ergriffen. Es war ein gutes Manöver. Das hat unseren zweiten Stint klarer gestaltet." Dass er Hamilton am Funk noch halbherzig des Spurwechselns im Bremsbereich bezichtigte, war nach der schwarz-weiß karierten Flagge schon wieder vergessen.
Reifen & VSC: Riskante Strategie macht sich bezahlt
Nachdem sich Hamilton wieder einige Runden mit dem Heck des RB22 bekanntmachte, baute sich ein Abstand zwischen den beiden auf. In Runde 31 kam der Ferrari mit 3,5 Sekunden Rückstand auf Verstappen ein zweites Mal zum Reifenwechsel. Dieses Mal reagierten die Bullen nicht. Verstappen blieb noch zehn Runden draußen, obwohl sich seine Zeiten mit jedem Umlauf um den Hungaroring verschlechterten.
Red Bull plante, ihm für den letzten Stint die weichste Mischung aufzuschnallen. In Runde 41, mit noch 30 Runden zu fahren, holte ihn das Team zum Wechsel. "Das ist jetzt leichter gesagt als getan", bereitete Lambiase seinen Fahrer schon auf den bevorstehenden Stint vor, denn dies war sein letzter Boxenstopp. "Gibt es irgendeinen Beweis um mich herum, dass der Soft so lange halten kann?" war sich Verstappen am Funk auch ganz unsicher über die Strategie. Das Team bejahte, doch tatsächlich war bis dorthin nur Fernando Alonso außerhalb der Top-10 für 34 Runden auf dem roten Reifen unterwegs gewesen.
Verstappen kam mit acht Sekunden Rückstand auf Hamilton wieder auf die Strecke und holte in den folgenden Runden bis auf zwei Sekunden auf. Als in Runde 56 Oscar Piastris Getriebedefekt ein virtuelles Safety Car auslöste, zitierte Ferrari beide Fahrer an die Box. Verstappen übernahm auf dem 17 Runden alten Pneu die zweite Streckenposition. "Das Team hat einige riskante Strategie-Entscheidungen in diesem Rennen getroffen", weiß auch Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies. "Aber wie immer haben sie genau das Richtige gemacht."
Trotz P2 unzufrieden: Podium überdeckt schlechte Performance
Kimi Antonelli kommt auf dem frischen Hard-Reifen am Schluss zwar näher, kann Verstappen, der noch zwei Runden vor Schluss seine persönliche Bestzeit fährt, aber nicht einholen. Mit 32 Runden alten Soft-Reifen kam er 3,6 Sekunden vor Antonelli und 15 Sekunden hinter Sieger Lando Norris über die Ziellinie. "Das war ein exzellentes Rennen. Wirklich, perfekt. Du kannst auf den letzten Stint echt stolz sein. Und ein paar fantastische Manöver", funkt Lambiase.
"Wie zur Hölle sind wir heute auf Platz zwei gelandet?" kann Verstappen das Ergebnis auf der Ehrenrunde nicht glauben. "Plötzlich waren wir da. Gute Arbeit." Lambiase hat die Antwort: "Mit diesem finalen Stint hast du das geschafft. Der war magisch." Auch Mekies meldet sich bei seinem Podiums-Piloten: "Nicht viele Autos hatten heute deine Pace und nicht viele Leute können überholen wie du. Das war sehr stark."
Trotz des Top-Ergebnisses ist nicht alles eitel Wonne im Hause Red Bull. Denn das Ergebnis spiegelt nicht das Gefühl wider. "Ich hatte immer noch die genau gleichen Probleme wie gestern", verschönte Verstappen nichts. "Das Auto hatte extrem viel Übersteuern. Wir haben über unseren Erwartungen performt, was gut ist. Aber es war eines der härtesten Rennen des Jahres in Bezug darauf, wie ich mich im Auto gefühlt habe."
"Wir haben Max und Isack an diesem Wochenende nie Autos gegeben, mit denen sie pushen konnten", sieht Mekies die Verantwortung beim Team. Nach der Sommerpause gibt es für Red Bull also viel Arbeit. "Wir müssen einfach mehr Performance finden", so Verstappen. "Dann können wir die Probleme angehen, die uns über ein Wochenende Performance kosten, manchmal sogar erst ab dem Rennstart. Das ist die Priorität."
Verstappen regte sich während des Rennens nicht nur über sein Auto und die Strategie auf, sondern steckte am Schluss auch bei Überholungen der Racing Bulls fest - zu seiner extremen Aufregung. Wieso die ihn nicht vorbeiließen und was Toto Wolff zur allgemeinen Blauen-Flaggen-Farce in Ungarn sagt, könnt ihr im folgenden Artikel lesen:



diese Formel 1 Nachricht