Die ersten zwei Trainings bei der Formel 1 in Ungarn waren 2026 von unzähligen Querstehern in den letzten Kurven und Verbremsern zu Beginn der Runde gezeichnet. Wie sich im Laufe des Tages herausstellte steckt dahinter mehr als nur ein simples Problem von Fahrfehlern oder überhitzenden Reifen. Der Asphalt bricht auf. Und es wird schlimmer.

Wer genau hinschaute, konnte das in den Trainings schon im TV-Bild und auf den Onboards erahnen. Besonders in den letzten Kurven begann die Ideallinie im Laufe des Tages ihren Grauton immer weiter zu verändern. Das ging einher mit stets viel Dreck auf der Außenbahn. Fahrer rutschten schon auf der Ideallinie aus, und kamen dann erst recht in Bedrängnis, wenn sie erst einmal draußen waren.

"Sie haben ein Drittel der Strecke neu asphaltiert und dabei leider einen richtig schlechten Job gemacht", beklagte sich George Russell am Abend. "Es ist richtig wellig, die ganze Zeit haben sich Leute in der ersten Kurve verbremst, und in der letzten Kurve bricht die Strecke auf. Alle fahren dort jetzt irgendwie in der Mitte herum, anstatt den Scheitelpunkt zu treffen, etwas komisch."

An diesen Stellen bricht in Ungarn der Asphalt auf

Nach dem 2. Freien Training inspizierte Motorsport-Magazin.com die Stelle selbst und konnte Russells Feststellung aus nächster Nähe bestätigen. Auf der Ideallinie scheinen die Autos den Belag sukzessive zu lockern. Die Stellen, die am häufigsten überfahren werden, sind inzwischen um einiges rauer, und es tun sich bereits richtige Löcher auf, wo immer mehr Steine herausgerissen werden.

Der Asphalt in Kurve 14 auf dem Hungaroring
Die Ideallinie wird sichtbar dunkler, weil immer unebener, Foto: Motorsport-Magazin.com
Der Asphalt in Budapest
Eine der Problemstellen in der letzten Kurve, Foto: Motorsport-Magazin.com
Der Asphalt in Ungarn
Zum Vergleich eine abseits davon liegende noch glatte Stelle, Foto: Motorsport-Magazin.com
Christian begutachtet den rauen Asphalt in Ungarn
Redakteur Christian Menath prüft eine der Stellen, Foto: Motorsport-Magazin.com

"Die Strecke hat uns schon vor dem Event vor ein paar Wochen informiert, dass der Asphalt aufzubrechen begann, nachdem andere Meisterschaften hier gefahren sind", berichtet Pirellis Chefingenieur Simone Berra. Das versuchten die Streckenbetreiber im Vorlauf bereits zu reparieren. Die Kurven 1 und 12 wurden teilasphaltiert, die beschädigten Bereiche durch neue Streifen ersetzt.

Das begeistert die Fahrer schon nicht. Diese Streifen sind wellig und haben ein völlig anderes Gripniveau als der reguläre Asphalt drumherum. "In den Bereichen ist der Grip niedrig, das macht die Autos instabil", so Berra. Aber das ist jetzt das kleinere Problem. Viel akuter ist, dass der Asphalt nun auch in Kurve 14 eben beginnt aufzubrechen.

FIA beobachtet Asphalt-Probleme in Ungarn: Sorgen für Rennen?

"Ich weiß, dass die FIA die Situation beobachtet", bestätigt Berra. Aktuell scheint die Lage noch nicht auszuufern. Ja, die Oberfläche in der Kurve wird zunehmend rauer, aber sie hat sich noch nicht komplett begonnen zu lösen. So wie man es etwa schon früher in diesem Jah in Monaco erlebt hatte, wo sich die oberste Schicht im Rennen schließlich komplett auflöste, unzählige Asphalttrümmer und eine Senke zurückließ und zwei Unfälle auslöste.

"Von einer Reifen-Perspektive sehe ich momentan kein Problem, keine Schnitte, nichts Dramatisches", sagt Berra. Aber das Ungarn-Wochenende hat auch gerade erst begonnen. "Es kann Runde für Runde schlechter werden, und besonders würde ich damit im Rennen rechnen, wo alle Autos gleichzeitig unterwegs sind, und die Temperaturen sollen an den nächsten Tagen auch steigen."

Sollte sich die Lage verschlimmern, so wären Notfall-Reparaturen auf jeden Fall machbar. 2022 wurde beispielsweise in Miami in der Nacht von Donnerstag auf Freitag eine Kurve neu asphaltiert, nachdem man im Vorlauf Schäden am Asphalt festgestellt hatte. "Wenn nötig, werden sie besonders im Hinblick auf die Fahrer-Sicherheit eingreifen", vertraut Berra auf die FIA. Aktuell sind aber keine Reparaturpläne bekannt.

In Sachen Performance sah am Freitag in Ungarn niemand so gut aus wie Ferrari. Wie gut es für die Scuderia relativ zur großen Konkurrenz von Mercedes läuft, gibt es hier in der Trainings-Analyse nachzulesen: