Die Strafe für Carlos Sainz für seine Kollision mit Liam Lawson in Zandvoort ist hinfällig – und das fast zwei Wochen nach dem Rennen. Wie die FIA am Samstag mitteilte, hatte der Protest von Sainz‘ Williams-Team auf Basis des sogenannten Right of Review Erfolg. Die Stewards sahen keinen der beiden Piloten als Hauptschuldigen für den Zwischenfall in Kurve 1 an, bei dem beide einen Reifenschaden erlitten. Somit ist die 10-Sekunden-Strafe von Sainz aus Zandvoort ebenso nichtig wie die zwei Strafpunkte, die er für den Vorfall erhielt.
Konkrete sportliche Folgen hat diese Entscheidung jedoch nicht, da Sainz die Strafe bereits während des Rennens absaß. Und obwohl der Spanier auf P13 im Ziel nicht einmal dreieinhalb Sekunden Rückstand auf die erste Position in den Punkterängen hatte, hätten die Stewards „keine Macht, diese abgesessene Strafe durch eine Anpassung der Klassifikation wieder auszugleichen“, hieß es in der Entscheidung der Sportkommissare.
Williams: Sind Stewards dankbar
Relevanter könnten hingegen die zurückgenommenen zwei Strafpunkte sein. Zwar hätte Sainz selbst mit der Zandvoort-Strafe lediglich vier Strafpunkte gehabt und wäre somit weit von einer Rennsperre entfernt gewesen. Doch wie zahlreiche Beispiele und nicht zuletzt die Sperre gegen Kevin Magnussen in der vergangenen Saison zeigten, kann es mit dem Strafpunktekontingent mit nur wenigen Vergehen schnell eng werden.
“Wir sind den Stewards dankbar, dass sie Carlos‘ Zandvoort-Strafe neu beurteilt haben und sind zufrieden, dass sie jetzt entschieden haben, dass er nicht schuldig und es ein Rennunfall war“, teilte Williams in Reaktion auf die Entscheidung mit. „Obwohl es frustrierend ist, dass unser Rennen durch die ursprüngliche Strafe beeinträchtigt wurde, sind Fehler Teil des Motorsports. Wir werden weiter konstruktiv mit der FIA zusammenarbeiten, um die Stewarding-Prozesse zu verbessern und die Racing Rules für die Zukunft zu verfeinern.“

F1-Protest: Darum wurde die Sainz-Strafe zurückgenommen
Doch warum wurde die Strafe überhaupt zurückgenommen? Der internationale Sportkodex der FIA macht eine Neubeurteilung nur dann möglich, wenn ein "signifikantes und relevantes neues Element" gefunden wird, das "zum Zeitpunkt der Entscheidung für die Parteien, die die Neubeurteilung beantragen, nicht verfügbar war". Diese Hürde erwies sich in der Vergangenheit für die meisten Neubeurteilungs-Anträge als zu hoch, weshalb viele erst gar nicht zum zweiten Teil übergingen.
In diesem Fall nannte Williams drei Elemente, welche diese Anforderungen erfüllen sollten. Dabei wurde neben der 360-Grad-Kamera von Sainz‘ Boliden auch die Heckkamera von Lawsons Auto sowie die Aussage von Sainz angeführt. Die genannten Kameraeinstellungen wurden während des Rennens noch nicht übertragen, sondern konnten erst nach Rennende heruntergeladen werden. Ebenso konnte Sainz während des Rennens offensichtlich nicht vor den Stewards aussagen. Folglich wurden diese Elemente als neu und relevant eingestuft.
Signifikant war insbesondere die Heckkamera Lawsons, die einen kurzzeitigen Kontrollverlust des Neuseeländers offenbarte, als sein Heck leicht ausbrach. Diese Erkenntnis wurde zusätzlich durch die Aussagen Sainz‘ untermauert, wenngleich dessen Aussagen im Gesamtkontext im Gegensatz zu den neuen Kamera-Perspektiven nicht als signifikant eingestuft wurden.
Was verursachte den Unfall? Stewards sehen Lawson als Auslöser
In der darauffolgenden neuen Hauptverhandlung räumte Sainz zwar ein, dass er grundsätzlich aber in der Lage gewesen wäre, Lawson auszuweichen. Sainz und Williams argumentierten folglich, der Kontakt wäre durch Lawsons plötzlichen Kontrollverlust zustande gekommen. Die Racing Bulls priesen derartige Ausreißer des Hecks hingegen als normale Bestandteile eines Zweikampfs an und machten Sainz‘ aggressive Angriffslinie verantwortlich.
Die Stewards waren schlussendlich aber von der Williams-Argumentation überzeugter und nahmen die Strafe zurück. Als Auslöser für die Kollision machten sie den temporären Kontrollverlust Lawsons verantwortlich. Dennoch befanden die Sportkommissare dies nicht als genug, um den Neuseeländer komplett oder überwiegend als Schuldigen auszumachen.
Trotz der ausbleibenden konkreten sportlichen Vorteile aus der Causa, dürfte sich Sainz zumindest moralisch als Sieger der Posse sehen. Der Spanier hatte sich im Nachgang seiner Strafe auffallend kritisch gegenüber den Stewards geäußert. Diesen verbalen Rundumschlag nahm auch MSM-Experte Christian Danner genauer unter die Lupe. Die Einordnung des ehemaligen Formel-1-Piloten könnt Ihr hier nachlesen:


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