Die Formel-1-Weltmeisterschaft hat mit dem Großen Preis von Italien den europäischen Kontinent hinter sich gelassen. Das bedeutet, dass die Hospitalities für das restliche Jahr wieder weggeräumt werden und es zunächst nach Baku und dann nach Übersee geht. In der WM geht es jetzt erst in die heiße Phase, aber die Europameisterschaft ist damit schon Geschichte.

Europameisterschaft? Nun, wir geben zu, so etwas gibt es offiziell natürlich nicht. Titel wird dafür keiner vergeben. Aber was wäre, wenn doch? Wir haben uns einmal den Spaß erlaubt und nachgerechnet, welcher Fahrer bei den Europa-Rennen der Formel 1 am besten abgeschnitten hat. Und natürlich auch welches Team. Aber sind wir mal ehrlich: Dass McLaren die Konstrukteurs-Wertung für sich entscheidet, das hätte man auch ohne Nachrechnen erraten können.

Fahrer-EM: Oscar Piastri holt ersten 'Formel-1-Titel'

Wie zu erwarten ist, gab es auch im Laufe der neun Europarennen (und einem Sprint) ein direktes Duell zwischen den beiden McLaren-Fahrern Oscar Piastri und Lando Norris. Norris sammelte mit den Erfolgen in Monaco, Österreich, Großbritannien und Ungarn vier Siege gegenüber jenen drei von Oscar Piastri (Spanien, Belgien, Niederlande). Doch der Australier sammelte 181 Punkte gegenüber 178 von Norris. Für die Entscheidung sorgte dabei der Ausfall von Norris in Zandvoort, ohne diesen hätte er alle Trümpfe in der Hand gehabt.

Erst mit reichlich Abstand dahinter folgt Max Verstappen, der sein eigenes Privatduell gegen Charles Leclerc durch den Sieg in Monza für sich entschied. Zuvor waren er und der Ferrari-Pilot punktegleich gewesen. Letztendlich setzt sich Verstappen mit 113:100 Zählern durch. Auf den weiteren Positionen folgen George Russell und Lewis Hamilton. Die Spitze des Formel-1-Mittelfelds bildet Alex Albon im Williams vor den beiden Sensations-Podestfahrern Isack Hadjar und Nico Hülkenberg.

Formel 1 2025: 'Europameisterschaft' Fahrerwertung (Top-10)

FahrerTeamPunkte
1PiastriMcLaren181
2NorrisMcLaren178
3VerstappenRed Bull113
4LeclercFerrari100
5RussellMercedes76
6HamiltonFerrari68
7AlbonWilliams40
8HadjarRacing Bulls33
9HülkenbergSauber27
10AlonsoAston Martin24

Schneckenrennen zwischen Red-Bull- und Mercedes-Problemfahrern

Am untersten Ende der Skala landete wenig überraschend Franco Colapinto, der nicht nur in Europa sondern in der gesamten Formel-1-Saison 2025 noch auf Punkte wartet. Im Kampf um den vorletzten Platz lieferten sich aber zwei Fahrer ein Schneckenrennen, die angesichts ihrer Autos eigentlich nicht dorthin gehören.

Andrea Kimi Antonelli und Yuki Tsunoda kamen beide in den Europa-Rennen auf gerade einmal drei Punkte. Der Japaner rangiert dank der besseren Rennplatzierung außerhalb der Punkte auf P18 und somit vor dem Mercedes-Fahrer. Vor allem bei Antonelli sticht das schlechte Abschneiden ins Auge. Denn außerhalb Europas fuhr der Italiener in sieben Rennen und zwei Sprints insgesamt 63 Punkte ein. Also im Durchschnitt neun Zähler pro Wochenende. In Europa liegt diese Quote bei 0,33 Punkten pro GP.

Formel 1 2025: 'Europameisterschaft' Fahrerwertung (P 11-20)

11LawsonRacing Bulls20
12BortoletoSauber18
13StrollAston Martin18
14GaslyAlpine13
15OconHaas12
16BearmanHaas10
17SainzWilliams8
18TsunodaRed Bull3
19AntonelliMercedes3
20ColapintoAlpine0

Als Europa-Experten traten hingegen die beiden Rookies Gabriel Bortoleto und Liam Lawson auf. Beide sammelten alle ihre Formel-1-Zähler 2025 in Europa. Wobei natürlich der Kontinent mitnichten der Grund ist. Der Sauber wurde erst nach Upgrades ab dem Spanien-GP punktefähig, Lawson hatte zu Saisonbeginn im Red Bull einen schweren Stand und fand auch nach seiner Degradierung zu den Racing Bulls erst langsam wieder in die Spur.

FahrerØ PunkteØ Europa
Piastri20,320,11
Norris18,319,8
Verstappen14,412,6
Russell12,18,4
Leclerc10,211,1
Hamilton7,317,56
Albon4,384,44
Antonelli4,130,33
Hadjar2,383,67
Hülkenberg2,313,00
Stroll2,002,00
Alonso1,882,67
Ocon1,751,33
Gasly1,251,44
Lawson1,252,22
Bortoleto1,132,00
Bearman1,001,11
Sainz1,000,89
Tsunoda0,750,33
Colapinto0,000,00

Auch im Kampf um die besten Qualifying-Ergebnisse setzt sich Oscar Piastri gegen Lando Norris durch. Vier Poles sowie sämtliche Formel-1-Qualifikationen in den Top-3 zu beenden macht schließlich den knappen Unterschied gegen Norris, der seinerseits Max Verstappen und Charles Leclerc auf Distanz hält.

Überraschungen gibt es erst im Mittelfeld. Nico Hülkenberg, der vor allem in den frühen Sommermonaten nicht zuletzt durch sein Podium in Silverstone einer der Shooting-Stars der Formel 1 war, erlebte gemessen am Qualifying mit dem durchschnittlichen Ergebnis von 16,4 in Europa einen Absturz und wird nur von Franco Colapinto unterboten. Für Hülkenberg ist es vor allem deshalb eine kleine Blamage, wenn man bedenkt, dass Teamkollege Bortoleto im selben Zeitraum der neuntbeste Qualifier der Königsklasse war.

Führungsrunden sammelten im Laufe der Europa-Saison der Formel 1 nur drei verschiedene Teams, beziehungsweise fünf verschiedene Fahrer. Das Gros teilten sich die beiden McLaren-Fahrer untereinander auf, wobei Piastri allerdings deutlich die Nase vorne hat. Obwohl er der siegreichste Pilot der letzten Monate war, kam Lando Norris nur auf genausoviele Führungsrunden wie Max Verstappen, der zwei Siege feierte. Bei der Anzahl der Führungskilometer liegt er sogar hinter dem Niederländer. Charles Leclerc in Ungarn und Lewis Hamilton in Österreich sorgten für die einzigen Ferrari-Führungsrunden.

Die Konstrukteurs-Meisterschaft ist bei den neun Europa-GPs natürlich ein klarer Fall für McLaren, die ähnlich dominant abschnitten wie ohnehin in der Konstrukteurs-Wertung und mehr als doppelt so viele Formel-1-Punkte einfuhren als Ferrari. Gute Nachrichten gibt es aber auch für die Scuderia, die bei den Europarennen die weiteren Verfolger klar abschütteln konnte.

Das liegt vor allem daran, dass nicht nur Red Bull sondern auch Mercedes quasi als 1-Mann-Team agierte. Gleichzeitig fielen auch die Ergebnisse von George Russell deutlich schlechter aus als der Saisonschnitt des Kanada-Siegers, wodurch das Team von Toto Wolff weit hinter den Bullen rangiert. Im extrem engen Mittelfeld setzten sich die Racing Bulls durch. Haas und Alpine landeten abgeschlagen auf den letzten beiden Positionen.

PunkteØ Qualifying-Platz
1McLaren3592,05
2Ferrari1686,7
3Red Bull1168,75
4Mercedes799,25
5Racing Bulls5310,7
6Williams4812,25
7Sauber4513,95
8Aston Martin4212,6
9Haas2213,8
10Alpine1314,95

Bonus: Warum wir den Aserbaidschan-GP nicht zur Europa-Saison zählen

Falls sich nach diesem Artikel einige von euch wundern: Aber Moment, der Aserbaidschan-GP ist ja noch ausständig und immerhin ging das Rennen in Baku bei seinem Debüt einst sogar als Europa-GP über die Bühne. Also warum soll die Europa-Saison schon vorbei sein? Hier die Erklärung: Im Formel-1-Jargon bezeichnet man üblicherweise jene Rennen als Europa-Saison, bei denen die Teams auch mit ihren eigenen Trucks und Hospitalities anreisen. Und dies war eben beim Italien-GP in Monza das letzte Mal in diesem Jahr der Fall. Der Transport nach Baku erfolgt wieder über Luft- bzw. Seefracht.

Zweitens gibt es aber auch geographisch genügend Anlass, den Aserbaidschan-GP nicht als Europa-Rennen zu deklarieren. Denn laut der gängigsten Definition verläuft die Grenze zwischen Europa und Asien entlang des Hauptkammes im Kaukasus-Gebirge. Dieses reicht bis nach Aserbaidschan, ehe es abflacht und nördlich von Baku in das Kaspische Meer übergeht. Der nordöstlichste Teil von Aserbaidschan befindet sich also zweifelsohne in Europa, die Hauptstadt Baku liegt aber in Asien.