Seit der Rückkehr der Ground-Effect-Ära kämpft Mercedes mit Problemen. Besonders das starke "Porpoising" machte Lewis Hamilton und George Russell in der Anfangsphase des neuen Reglementzyklus 2022 zu schaffen. Obwohl das Problem weitgehend behoben wurde, ist das Team auch in Jahr vier dieses Regelwerks nur zweite bis vierte Kraft im Formel-1-Feld - je nach Strecke und Aufhängungswahl.

Mit dem neuen Reglement ab der Saison 2026 kommt ein gewaltiger Umbruch auf die Teams zu. Autos und Motoren werden von Grund auf neu konzipiert, Audi steigt bei Sauber ein und mit Cadillac kommt ein elftes Team ins F1-Starterfeld hinzu. Mercedes-Pilot George Russell blickt der Grunderneuerung der Königsklasse positiv entgegen - aller Kritik, vor allem an den neuen Power Units, zum Trotz.

Was kommt mit der Regel-Revolution 2026 auf die Formel 1 zu?

"Es wird ganz natürlich eine große Veränderung geben. Es wird eine ganz andere Art von Racing sein - ohne DRS, dafür mit einer Art Batterie-Unterstützung, die beim Zweikampf hilft", meint Russell.

Die Abschaffung des DRS wird durch die Einführung des Override-Modes kompensiert. Der Hinterherfahrende kann dabei bei höherer Geschwindigkeit mehr Elektro-Leistung nutzen und sich so durch den Überschuss an Speed an seinem Vordermann vorbeiziehen.

Die Autos an sich werden um 30 Kilogramm leichter und wesentlich kleiner. Die Unterböden müssen wieder flacher werden und verlieren 15 Zentimeter ihrer Breite. Vereinfacht bedeutet die neue Aerodynamik einen Abtriebsverlust von rund 30 Prozent. FIA-Technikchef Nikolas Tombazis bestätigte, dass aktuelle Simulationen Rundenzeiten prognostizieren, die knapp 1,5 Sekunden langsamer ausfallen.

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George Russell nimmt neue Regeln gelassen: Erst fahren, dann reden

Trotz all den vorliegenden Zahlen und Fakten bleibt Russell gelassen und lässt die Neuerungen einfach auf sich zukommen. "Ich gehe mit einer sehr offenen Einstellung ran [an die neuen Regeln, d.Red.], denn ich glaube, es wäre naiv, wenn wir Kritik üben, bevor wir überhaupt damit gefahren sind", erklärt Russell.

Er verweist dabei auf die V6-Hybrid-Motoren 2014, die zu Anfangszeiten ebenfalls aufgrund der minimierten Geschwindigkeit kritisiert wurden. Damals hatten die Motoren 850 PS. Die heutige Leistung der PU liegt bei über 1.000 PS.

"Wir haben im Moment fast die schnellsten Autos der Welt, nur in der Ära um 2020 herum waren die Rundenzeiten noch schneller. Aber am Ende geht es mir mehr ums Gewinnen als darum, das schnellste Auto der Welt zu fahren", sagt der Mercedes-Pilot.

Simulator-Arbeit essenzieller Teil der Entwicklung

"Ich denke, die Welt der Simulationen ist immer eine Herausforderung. Wir bauen zwar ein Rennauto, haben aber bei den Reifen nur sehr begrenzten Zugang", erklärt der Brite.

Die Reifen verändern sich mit der Revolution 2026 ebenfalls. Während die 18-Zoll-Reifen beibehalten werden, müssen diese jedoch um 8 Prozent schmaler werden. Die Hinterreifen-Breite schrumpft von 405 auf 375 Millimeter, die des Vorderreifens von 305 auf 280 Millimeter. Das neue Maximalgewicht der Räder beträgt nurmehr 46 Kilogramm.

"Wir können keine eigenen Tests durchführen, wir können die Reifen nicht aufschneiden, analysieren und wirklich in unsere Simulationen einbauen. Das hat großen Einfluss auf die Genauigkeit dieser Simulationen. Und deshalb hört man oft von einer Fehlkorrelation bei vielen Teams", so Russell. "Ich glaube aber nicht, dass man jemals eine perfekte Korrelation haben wird."

Enttäuschung bei Mercedes: Vergebliche Suche nach der silbernen Wunderwaffe

Nur sechs Siege konnte der einstige Seriensieger Mercedes in den bislang 84 Grands Prix der modernen Ground-Effect-Ära erzielen. "Ich denke, es ist natürlich, dass sich Teams jedes Jahr weiterentwickeln und man lernt, was die Stärken und Schwächen waren. Wenn Leute innovativ sind und großartige Dinge machen, inspiriert das andere, ihr eigenes Niveau anzuheben. Aber es kann auch eine Ablenkung sein", sagt Russell.

Zwar optimierte Mercedes den W16 kontinuierlich, doch bisher gelang den Silberpfeilen nur beim Grand Prix von Kanada ein Sieg.

"Ich denke, wir haben viel darüber gelernt, wie man damit umgeht, wenn man, sagen wir mal, ins Hintertreffen gerät. Und hätten wir die letzten drei Jahre noch einmal, würden wir wahrscheinlich ganz andere Entscheidungen treffen und vielleicht bestimmte Dinge nicht überstürzen, nur um diese eine Wunderwaffe zu finden", verriet er rückblickend.

Für 2026 hat das Team aus Brackley genau diese Möglichkeit, denn mit dem neuen Reglement starten alle Teams von null.

Für Russell ist also klar: Das Team, das der Realität im Simulator am nächsten kommt, ist höchstwahrscheinlich auch das Team, das am Ende die Nase vorn hat.

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