Max Verstappen auf der Nürburgring-Nordschleife: Für viele Motorsport-Fans schon jetzt die Geschichte des Jahres. Der viermalige Formel-1-Weltmeister absolviert an diesem Wochenende seine notwendige Permit, um künftig beim legendären 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring antreten zu können. Man kann sich kaum ausmalen, wie groß die weltweite Begeisterung wäre.
Schon Verstappens Permit-Fahrt am heutigen Samstag sorgt für ordentlich Interesse, unter anderem im Fahrerlager der DTM, die an diesem Wochenende auf dem Red Bull Ring gastiert. Viele der DTM-Piloten sind seit Jahren auch eng mit der Nordschleife, der NLS-Serie oder dem 24h-Rennen verbandelt.
Timo Glock: "Verstappen ist ein Aushängeschild für den Sport"
Darunter auch Timo Glock, der im vergangenen Jahr sein Renndebüt beim Eifel-Klassiker gab und im GT4-BMW an der Seite von Kumpel sowie Teamkollege Timo Scheider auf Anhieb einen Klassensieg feierte. "Max Verstappen ist ein Aushängeschild für den Motorsport", sagte Glock am Freitag in Spielberg zu Motorsport-Magazin.com. "Da können sich ein paar Herren eine Scheibe von abschneiden, wenn man sieht, wie viel Energie und Liebe er in den Sport reinsteckt. Ich bewundere das."
Ob ein Mega-Star wie Verstappen wie alle anderen Rennfahrer auch zwingend die Permit erlangen muss, um Rennen auf der Nordschleife fahren zu können, darüber wurde in den vergangenen Tagen heiß diskutiert. Glock kennt sich aus: Der frühere Formel-1-Fahrer und heutige DTM-Rückkehrer drehte selbst seine Pflichtrunden in einem kleinen BMW M240i, um den 'Nordschleifen-Führerschein' zu bekommen.
Mit Blick auf den Fall Verstappen meinte Glock: "Wenn man einmal anfängt mit Ausnahmen, stehen sie alle da. Fakt ist: Die Nordschleife ist anders, auch die Rennen sind anders. Ich finde es gut, dass man den harten Weg einschlägt und sagt, dass für alle das Gleiche gilt. Ich hatte mir diese Frage auch gestellt, als ich meine Permit gemacht habe. Ich habe danach verstanden, dass das Sinn ergibt. Wenn ich es selbst nicht gemacht hätte, hätte ich das vielleicht auch anders gesehen."
Zum Permit-Prozess zählt nicht allein der Nachweis, ein Auto schnell um die Ecken fahren zu können, sondern vor allem das Verständnis für Multiklassen-Rennen mit stark unterschiedlichen Leistungsklassen. Ein Szenario, mit dem Formel-Piloten wie Verstappen überhaupt nicht vertraut sind. Glock dazu: "Du siehst beide Seiten, das ist ein Vorteil. Die Fahrer in den kleinen Klassen fahren auch Rennen und gehen mit ihren Autos genauso ans Limit. Danach hatte ich das richtig verstanden."
Nürburgring: Fahrlehrer für Max Verstappen
Verstappen wird an diesem Samstag deshalb einen Porsche Cayman der GT4-Klasse steuern, bevor er in Zukunft auf die schnellste Kategorie, die GT3-Fahrzeuge, wechseln könnte. Auf die nicht zwingend vorgeschriebene Testmöglichkeit am Freitagvormittag auf der Grand-Prix-Strecke verzichtete Verstappen noch. Nach der Mittagpause drückte er wie vorgesehen die Schulbank, um an einem vorgeschriebenen Pflichttraining (Theorie und Praxis) teilzunehmen.
Während der zweistündigen Sitzung von 14:00 bis 16:00 Uhr nahm der 27-Jährgie auch die Nordschleife unter die Räder, allerdings nicht im Renntempo, sondern hinter seinem Fahrlehrer Andreas Gülden, Profirennfahrer sowie Chefinstruktor und Leiter der Driving Academy am Nürburgring. Der 43-Jährige zeigte ausgerechnet dem amtierenden Champion in der Königsklasse, wo sich die Ideallinie auf der 20,832 km langen Nordschleife befindet.
Ab 16:00 Uhr konnte Verstappen dann in einem Rennauto (Porsche Cayman GT4) sein Können in einem nicht gezeiteten Training unter Beweis stellen.

Riesengroßer Rummel um Max Verstappen
Der erwartete Rummel um den Superstar war schon am Freitag riesengroß. Im Fahrerlager wurde die Verstappen-Box 24 von seinen Fans umlagert und von Security-Personal "bewacht" wie ein Gefängnis. Kein Zugang von vorne und hinten. Der war nämlich nur mit ausdrücklicher Genehmigung gestattet. Auch von den beiden Nachbarboxen 23 und 25 konnte man wegen Sichtschutz keinen Blick in die Red-Bull-Box werfen! Sobald Verstappen die Box zu Fuß verließ, wurde er vom Sicherheitspersonal begleitet und abgeschirmt. Auch der Truck seines Bad Homburger Teams Lionspeed GP war mit Stahlgittern eingezäunt, ein deutlicher Hinweis, dass ein Besuch in diesem Bereich auch nicht erwünscht war.
Der Protagonist selbst gab sich locker und souverän, auch weil Fans keine Chance hatten, ein begehrtes Autogramm von ihm zu erhalten. Verstappen genoss das Abschotten sichtlich, denn dadurch konnte er sich auf seine Aufgabe im Rennauto konzentrieren.
Verstappen kann sich übrigens auf viele Zaungäste aus seinem Heimatland freuen. Sie wurden mit holländischen Kennzeichen an PKW, Wohnmobilen und Wohnwagen schon zahlreich bei ihrer Anreise in der Eifel gesichtet...

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