Was ist die NLS überhaupt?

Die Nürburgring Langstrecken Serie ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine Langstrecken-Meisterschaft, die zur Gänze auf dem Nürburgring ausgetragen wird. Die Bezeichnung NLS ist noch relativ neu, denn bis 2019 firmierte sie unter dem Namen VLN (Veranstalter Langstreckensport Nürburgring). Allgemein handelt es sich bei ihr um eine traditionsreiche Institution im deutschen Motorsportraum. Denn die Meisterschaft gibt es bereits seit 1977. Sie zielt vor allem auf den Breitensport ab, in der SP9-Topkategorie gehen dennoch regelmäßig Sportwagen-Stars in hochprofessionellen GT3-Teams an den Start. Das Fahrzeugfeld setzt sich in der Regel aus den ähnlichen Klassen zusammen, wie das berühmte 24h-Rennen am Nürburgring. Also neben der GT3 noch aus GT4-Autos, TCR-Tourenwagen, Porsche Cup und zahlreichen kleineren Kategorien. Gefahren wird dabei immer auf derselben Strecke, nämlich auf einer 24,358 Kilometer langen Variante, bestehend aus der Nordschleife und einer verkürzten Version des GP-Kurses (aber mit Mercedes-Arena). Die meisten Rennen gehen über eine Dauer von vier Stunden, so auch die beiden Läufe an diesem Wochenende.

Warum fährt Max Verstappen ein NLS-Rennen?

Wie erwähnt ist die NLS eine Breitensport-Serie, also würde man eigentlich kaum den Formel-1-Weltmeister dort vermuten. Doch Max Verstappen spricht schon seit Jahren davon, dass er eines Tages gerne am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teilnehmen würde - das übrigens im Gegensatz zu den beiden 24h-Qualifikationsrennen kein Teil der NLS ist. Doch das ist nicht ganz so einfach. Denn um daran teilzunehmen, benötigt er erst einmal eine Art Nordschleifen-Führerschein. Dadurch, dass er sich 2025 nicht im Formel-1-Titelkampf befindet, nutzt Verstappen die Gunst der Stunde, um sich nun diese 'Permit' zu sichern. Den ersten Schritt erledigte er im Mai, als er offiziell eine Kategorisierung bei der FIA beantragte - und wenig überraschend als Platin-Fahrer eingestuft wurde. Wenige Wochen zuvor hatte er unter dem Pseudonym Franz Hermann bei Testfahrten auf der Nürburgring-Nordschleife ein paar Runden in einem Ferrari 296 GT3 gedreht.

Permit: Was ist der Nordschleifen-Führerschein?

Auf der Nürburgring-Nordschleife darf ein Fahrer nicht einfach so mit schnellen Autos im Rennbetrieb fahren. Die Rennstrecke in der Eifel ist nicht nur eine der längsten und schwierigsten Kurse der Welt, sondern gilt aufgrund der kleinen Auslaufzonen auch als eine der gefährlichsten. Vor allem aber ist die Strecke ziemlich schmal. Seit einem Unfall 2015, bei dem ein Zuschauer zu Tode kam, müssen alle Rennfahrer einen Vorbereitungsprozess durchmachen, ehe sie in einem GT3-Auto in der Eifel an den Start gehen dürfen. Dazu gehört ein Lehrgang (dieses besucht Verstappen am Freitag) und Starts mit schwächeren Fahrzeugen. Diese erfüllen den Zweck, dass alle Fahrer - auch Profis - lernen, wie sich die Nordschleife im Verkehr anfühlt. Erst danach erhalten sie die 'Permit', also den Nordschleifen-Führerschein. Ausnahmen gibt es keine, auch für einen vierfachen Formel-1-Weltmeister nicht.

Was benötigt Verstappen für seinen Führerschein?

Konkret bedeuten die Permit-Vorgaben für Verstappen, dass er mit einem GT4-Auto die Nürburgring-Nordschleife in Angriff nimmt, nachdem er am Freitag den Lehrgang erfolgreich absolviert hat. Seine Vorgaben: Er muss zwei Rennergebnisse vorweisen und dabei 14 Rennrunden gefahren sein. Außerdem muss er 20 Prozent der gesamten zurückgelegten Distanz des Autos selbst am Steuer gesessen sein. Um auf zwei Starts zu kommen, benötigt Verstappen nicht unbedingt zwei verschiedene Rennen. Denn es ist ausreichend, wenn er als Doppel-Starter die entsprechenden Stints auf zwei verschiedenen Autos absolviert. Falls alles glatt läuft, hat Verstappen also schon am Samstag nach dem Rennen die Permit in der Tasche.

Mit wem fährt Max Verstappen das Rennen?

Verstappen nimmt das 4-Stunden-Rennen am Samstag für Lionspeed GP aus Bad Homburg in Angriff. Das Team ist neben der NLS auch mit GT3-Autos in der GT World Challenge Europe am Start. Das NLS-Rennen bestreitet der Rennstall mit zwei Porsche Cayman GT4. Auf beiden Autos sind in der vorläufigen Starterliste dieselben drei Fahrer genannt: Matisse Lismont, Chris Lulham und Kyle Tilley. Alle drei sind etatmäßige GT3-Fahrer aus diversen Serien. Lulham fährt für das Team von Max Verstappen in der GTWCE, während der ehemalige Motocross-Fahrer Lismont in derselben Rennserie eine Corvette fährt. Kyle Tilley hingegen kommt vorwiegend aus dem nordamerikanischen Motorsport, wo er neben Teilnahmen in der IMSA auch schon in der NASCAR am Start stand. 2025 fährt er vor allem in der 24h Series (Creventic).

Max Verstappen im Ferrari 296 GT3 (Emil Frey Racing) bei Probe- und Einstellfahrten der NLS/VLN auf Nürburgring-Nordschleife.
Max Verstappen beim GT3-Test im Mai, Foto: Imago / Gruppe C Photography

Franz Hermann oder Max Verstappen: Wer fährt denn nun?

Der Name Max Verstappen findet sich in der vorläufigen Starterliste für das NLS-Rennen übrigens gar nicht. Doch, dass er am Start stehen wird, ist kein Geheimnis mehr. Das Management des Niederländers ist darum bemüht, den Trubel um seine Teilnahme auf ein Minimum zu begrenzen. Deshalb ist davon auszugehen, dass sein Name wohl erst in der finalen Starterliste, die am Samstagvormittag veröffentlicht wird, aufscheinen wird. Dann wird dort aber definitiv von Max Verstappen die Rede sein und nicht von seinem Pseudonym Franz Hermann. Unter diesem Namen hatte er ja im Mai private Testfahrten am Nürburgring bestritten. Die Rennteilnahme an einer offiziellen Rennveranstaltung wird natürlich förmlicher über seine Rennlizenz abgewickelt, von daher auch unter seinem Klarnamen.

Wer fährt sonst noch das Rennen? Die Starterliste

Max Verstappen überstrahlt beim NLS-Rennen natürlich alles - gar keine Frage. Aktive Formel-1-Fahrer auf der Nordschleife, das ist eine sehr seltene Rarität und erst recht der amtierende Weltmeister. Dennoch gibt es eine Reihe an namhaften Fahrern im Feld. Allen voran Porsche-Werksfahrer Julien Andlauer, der im Falken-Porsche #3 an den Start geht. Genauso wie Sportwagen-Asse wie Frank Stippler, der im HRT-Mustang und im JUTA-Audi gemeldet ist, oder Nordschleifen-Spezialist Christian Krognes, der mit 7:49,578 den offiziellen GT3-Rekord hält. Der deutsche Rapper Smudo gehört inzwischen auch schon zum Stamm-Repertoire auf dem Nürburgring, er startet in einem Cup-Porsche. Etwas obskurer und aus Motorsport-Sicht interessanter liest sich die Teilnahme des amtierenden Super-Formula- und Super-GT-Champions Sho Tsuboi. Der Japaner ist auf zwei Toyota Supra Evo GT4 von KCMG gemeldet. Die gesamte vorläufige Starterliste findet ihr hier:

Wann beginnt das NLS-Rennen? Der Zeitplan

Das NLS-Rennen am Samstag besteht in Bezug auf die Action auf der Strecke aus zwei Programmpunkten. Zunächst einem 90-minütigen Zeittraining (Qualifying), das um 8:30 Uhr beginnt und bis 10 Uhr andauert. Ab 11:10 Uhr geht es in die Startaufstellung, ehe es ab 11:42 Uhr gestaffelt in Startblöcken auf die Einführungsrunde geht. Der Start für das 4-Stunden-Rennen ist auf 12 Uhr terminiert, dementsprechend findet der Zieleinlauf um 16 Uhr statt. Den kompletten Zeitplan könnt ihr hier nachlesen:

Was sagt Red Bull dazu?

Für Formel-1-Fahrer ist es eigentlich eher ungewöhnlich, dass sie in anderen Rennserien starten oder überhaupt starten dürfen. Vor allem während der Saison, und erst recht auf der Nordschleife. Dennoch hält sich Red Bull aus den Sportwagen-Aktivitäten seines Topstars heraus. Offiziell gibt es dazu keine Stellungnahme, aber die Bullen sind wohl in der durchwachsenen F1-Saison 2025 ohnehin darum bemüht, den vierfachen Weltmeister bei Laune zu halten. Das geht am besten, wenn man ihm seinen Freiraum gibt. In der Regel werden die Entscheidungsträger bei Red Bull über Verstappens Sportwagen-Abenteuer in Kenntnis gesetzt, aber ein Veto-Recht scheinen sie nicht zu haben. So stellte der Niederländer im Mai gegenüber der DPA klar: "Das ist meine Leidenschaft, und am Ende ist es mein Privatleben."

Wo wird das NLS-Rennen gezeigt?

Zu sehen gibt es das Rennen mit Max Verstappen im Livestream auf Motorsport-Magazin.com. Das Live-Timing mit allen Rundenzeiten und Zwischenständen gibt es auf der offiziellen Seite der NLS.