Williams in der Formel-1-Saison 2022

Die Saison 2021 war für das krisengebeutelte Williams-Team die beste seit drei Jahren. Nach dem Absturz und dem Verkauf an Dorilton Capital geht der britische Traditionsrennstall im Aufwind in die neu Ära der Formel 1. Mit finanzieller Stabilität und neuen personellen Strukturen hat Williams alle Voraussetzungen, um sein Schattendasein endgültig hinter sich zu lassen. Einzig der Verlust von George Russell wird für das Fahrerduo Alexander Albon und Nicholas Latifi schwer zu kompensieren sein.

Die Geschichte von Williams in der Formel 1

Der erste Rennstall von Gründer Frank Williams firmierte unter dem Namen Frank Williams Racing Cars und trat erstmals im Jahr 1966 in Erscheinung. Unter diesem Banner setzte der 1942 geborene Brite zwischen 1969 und 1976 hauptsächlich Kundenchassis in der Formel 1 ein. Das Unternehmen geriet in finanzielle Schieflage und wurde an Walter Wolf verkauft und trat in Folge als Walter Wolf Racing an.

Williams kehrte bereits am 8. Mai 1977 beim Saisonauftakt in Jarama in die Königsklasse zurück. Als Williams Grand Prix Engineering Limited trat die Mannschaft ab 1978 mit dem FW06 erstmals als vollwertiger Konstrukteur in Erscheinung. Es war der Beginn der großen Erfolgsgeschichte von Williams als Konstrukteur in der Formel 1. Schon im darauffolgenden Jahr gewann das Team fünf Rennen und schloss die Weltmeisterschaft auf dem zweiten Platz ab.

In der Saison 1980 wurde Alan Jones mit Williams Weltmeister, wobei der Rennstall auch die Konstrukteurswertung erstmals gewann. Bis Ende 1983 trat Williams mit dem legendären Cosworth DFV an und feierte einen weiteren Fahrertitel durch Keke Rosberg sowie einen weiteren Konstrukteurstitel. In der darauffolgenden Turboära bildete die Truppe aus Grove eine schlagkräftige Allianz mit Honda. Zwei Konstrukteurstitel in den Jahren 1986 und 1987 sowie der WM-Titel durch Nelson Piquet etablierten Williams endgültig als Top-Team.

Nachdem die Japaner ausgerechnet zu Erzrivale McLaren abgewandert waren, musste Williams erneut Aufbauarbeit leisten. Auf ein enttäuschendes Übergangsjahr Motorenlieferant Judd als Notnagel wurde 1989 eine neue Partnerschaft mit Renault ins Leben gerufen. Die Kooperation mit den Franzosen war bis einschließlich 1997 die erfolgreichste des Teams. Nigel Mansell, Alain Prost, Damon Hill und Jacques Villeneuve gewannen allesamt WM-Titel mit Williams Renault. Der Konstrukteurstitel ging in dieser Zeit fünf Mal nach Grove.

Ab 2000 bandelte Williams mit BMW an, doch anders als mit Honda und Renault blieb der ganz große Erfolg aus. Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya gewannen lediglich zehn Rennen für die britisch-bayrische Konstellation. Der ausgebliebene Durchbruch sorgte für Spannungen in der Beziehung, die nach der Saison 2005 nicht fortgeführt wurde. Mit der Trennung von BMW gehörte Williams als Top-Team der Vergangenheit an.

In klassischer Fahrstuhlmanier bewegte sich der Rennstall Jahr um Jahr im Mittelfeld. Vereinzelte Podien sowie Pastor Maldonados sensationeller Sieg 2012 in Barcelona waren das höchste der Gefühle. In der V8-Ära zwischen 2006 und 2013 hatte Williams mit Cosworth, Toyota, und Renault drei unterschiedliche Motorenlieferanten. Das Hybrid-Zeitalter gab den Startschuss zu einer Partnerschaft mit Mercedes, die für einen bemerkenswerten Aufschwung sorgte.

2014 wurde Williams mit Felipe Massa und Valtteri Bottas auf Anhieb Dritter in der Weltmeisterschaft. Im Folgejahr gelang es diesen Erfolg zu wiederholen, doch der Vorteil durch die dominanten Power Units aus Brixworth schmolz zusehends. Zur Saison 2017 wurde Lance Stroll verpflichtet, der die Mitgift seines einflussreichen Vaters Lawrence Stroll ins Team einbrachte.

Als dem jungen Kanadier 2018 mit Sergey Sirotkin ein weiterer Paydriver zur Seite gestellt wurde, stürzte Williams sportlich endgültig ab. Der Verlust von Stroll und dessen Budget warf das Team weiter zurück. Mercedes-Talent George Russell sorgte fahrerisch für frischen Wind, doch der Absturz war nicht mehr aufzuhalten. Ende 2020 musste die Gründerfamilie rund um Frank Williams und seine Tochter Claire Williams das Team verkaufen, um es vor dem Aus zu bewahren.