Der Start der Formel-1-Saison 2026 rückt immer näher und damit wird auch die Diskussion um den Mercedes-Motor immer heißer. Wie Motorsport-Magazin.com berichtete, fanden die Silberpfeile einen Trick, um das festgelegte geometrische Verdichtungsverhältnis zu umgehen und mehr Leistung aus der Power Unit zu holen. Die Konkurrenz drängt auf ein Verbot, die FIA befindet sich in der Zwickmühle. Sie möchte das Problem noch vor dem Saisonstart aus der Welt schaffen, eine kurzfristige Regeländerung ist nicht ausgeschlossen.

Das wäre nicht nur ein Supergau für Mercedes, sondern auch für die drei Kundenteams des deutschen Rennstalls. McLaren, Alpine und Williams beziehen Motoren aus Brixworth und laufen Gefahr, beim Großen Preis von Australien nicht antreten zu dürfen. Für Williams-Teamchef James Vowles ist die Frage der Legalität ganz klar: "Die Power Unit, die wir in unserem Auto haben, ist komplett konform mit dem Reglement."

Die Konkurrenz sieht das anders und drohte sogar mit Protesten in Melbourne, sollte der Mercedes-Motor in seiner jetzigen Form zugelassen werden. Dieser Aufstand geht für Vowles gegen die Prinzipien der Formel 1. "Wir sind keine BOP-Serie, sondern eine Meritokratie, in der das beste Ingenieurs-Ergebnis belohnt wird. Wir dürfen die beste Lösung nicht bestrafen. Wir müssen sicherstellen, dass wir immer noch als Sport agieren und Innovation belohnen", appellierte der Teamchef am ersten Testtag in Bahrain.

Andere Teams sind stinksauer – Vowles: Beste Lösung sollte gewinnen!

Vowles hat Verständnis für die Frustration der anderen Motorenhersteller, ermahnte sie aber, noch keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. "Ich bin mir sicher, dass die anderen Teams stinksauer sind. Sie konnten nicht reproduzieren, was Mercedes geschafft hat. Aber niemand in der Boxengasse kann derzeit sagen, welche die beste Power Unit ist. Wir konzentrieren uns alle nur auf dieses eine kleine Detail", so der Brite. Ein ernstzunehmender Anwärter könnte der DM01 von Red Bull und Ford sein. Mercedes-Boss Toto Wolff lobte den ersten eigenen Antrieb der Bullen in Bahrain und bezeichnete ihn als Maßstab.

Nichtsdestotrotz spüre Vowles den Druck des Motorenstreits und dessen potenzielle Auswirkungen. "Aber ich und Mercedes sind auf einer Linie. Wir sind uns einig in den Hauptpunkten und ich bin zufrieden mit der Legalität. Die Mannschaft hat in den letzten zwei Jahren hervorragende Arbeit geleistet", verteidigte er seinen ehemaligen Arbeitgeber. Vowles war fast 15 Jahre Chefstratege bei Mercedes und hat noch heute eine enge Verbundenheit zu den Silberpfeilen.

Als er 2023 das Amt des Teamchefs bei Williams übernahm, verlängerte er die seit 2014 bestehende Motorenpartnerschaft an seinem ersten Arbeitstag. "Mercedes ist unglaublich gut bei Regulationsänderungen. Sie lesen die Regeln exakt so, wie sie sind, und pushen die Grenzen des Ingenieurswesens. Das ist genau das, was die aktuelle Power Unit repräsentiert", erklärte Vowles. "Meine Hoffnung ist nun, dass Verstand siegt und wir als Sport erkennen, dass die beste Lösung gewinnen sollte."

Vowles skeptisch: Messänderung? Viel Glück!

Um den Mercedes-Trick zu unterbinden, könnte die FIA das Messverfahren anpassen. Derzeit werden die Motoren bei Umgebungstemperatur getestet. Es wird vermutet, dass der Kniff es möglich macht, dass das Verhältnis unter diesen Bedingungen den erlaubten Wert von 16:1 erreicht. Kommt der Motor auf Betriebstemperatur, verändert sich das Verhältnis auf 18:1. Das könnte dem Mercedes-'Antrieb schätzungsweise 15 PS mehr verschaffen. Der derzeitige Vorschlag ist, dass der Motor vor der Messung erhitzt wird.

James Vowles steht diesem Plan skeptisch gegenüber: "Viel Glück damit. Jeder, der sich mit Verdichtungsverhältnissen auskennt, weiß, dass du das bei Umgebungstemperatur überprüfst." Sollte das Messverfahren angepasst werden, habe das verheerende Folgen für den Sport, ist sich der ehemalige Ingenieur sicher. Schließlich müsste Mercedes innerhalb weniger Wochen den Motor anpassen, die neuen Tests bestehen und genügend Exemplare plus Reserven für sich und seine Kunden anfertigen – eine so gut wie unmögliche Herkulesaufgabe. "Was machst du, wenn du die Regeln geändert hast? Sollten wir nicht legal sein, nehmen acht Autos nicht am Rennen teil. Wir müssen als Sport überlegen, welche Implikationen diese Änderungen haben", warnte Vowles.

Williams-Teamchef lobt FIA: Lärm kommt nur von Konkurrenz

Der FIA, die die Regellücke offen ließ und die nun eine Änderung in Betracht zieht, gibt der Teamchef aber keine Schuld an der Misere. Es seien die Teams, die das Drama vorantreiben. "Der ganze Lärm, den man hört, kommt nicht von der FIA, sondern von den Teams. Die FIA hat nichts direkt falsch gemacht, sie haben einen schweren Job. Du hast Teams mit Tausend Leuten, die nur darüber nachdenken, wie man die Regeln auf gefinkelte Weise interpretieren kann. Das ist, was Teams machen. Darum lieben wir diesen Sport."

Obwohl die Kontrollorganisation letztens keine Mercedes-positive Stellung einnahm, komplimentierte Vowles die bisherige Vorgehensweise. "Die FIA versucht, eine Grenze zwischen cleverer Interpretation und dem Schritt nach vorne zu finden. Das darf nicht von Teams mit politischer Motivation, die nicht die clevere Lösung gefunden haben, entschieden werden. Die Aufgabe der FIA ist es, die korrekte Handlungsweise zu finden, und ich glaube, das machen sie generell sehr gut." Um die Regeln so kurzfristig zu ändern, braucht es die Zustimmung der Formel 1, vier der fünf Motorenhersteller und der FIA.

Im Video erklärt euch Christian alle Details zum Motorenzoff und noch mehr! Einfach anschauen:

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