Gut einen Monat vor dem Start der Saison 2026 tobt hinter den Kulissen der Formel 1 noch ein erbitterter Streit zwischen den Motorenherstellern. Ferrari, Audi und Honda glauben, dass Mercedes und Red Bull Powertrains einen Weg gefunden haben, das in diesem Jahr auf 16:1 herabgesetzte Verdichtungsverhältnis, im laufenden Betrieb zu umgehen. Motorsport-Magazin.com hatte zuerst darüber berichtet.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff findet nach monatelangen Diskussionen klare Worte für die Konkurrenz: "Die Regularien sind völlig klar und waren mit der FIA so vereinbart. Dass sie sich das einfach nicht eingestehen und da immer wieder die Nörgler um die Ecke kommen, das gefällt uns nicht."

"Und dann gibt es geheime Treffen und es werden Briefe gesendet", ärgert sich Wolff und fordert die Konkurrenz auf: "Macht eure Arbeit! Das ist etwas, das ich hier die letzten Jahre stark propagiere. Wir konzentrieren uns nicht mehr darauf, was die anderen machen. Wir beklagen uns nicht mehr ständig, sondern wir versuchen, das bestmögliche aus unserem Paket zu machen."

Der Mercedes-Boss hat aber einen Verdacht, wieso die Konkurrenz nicht aufhört, der Thematik nachzugehen: "Sie kommen jede Woche mit einer neuen Initiative, und versuchen etwas zu argumentieren, was nicht argumentierbar ist. Vielleicht suchen sie nach Ausreden, um ihre Bosse bei Laune zu halten und argumentieren deshalb, dass etwas nicht legal ist, was hundertprozentig legal ist."

Höheres Verdichtungsverhältnis bringt mehr Leistung

Das F1-Reglement schreibt seit der neuen Motorengeneration 2026 ein maximales geometrisches Verdichtungsverhältnis von 16:1 vor. Zuvor lag es bei 18:1. Das Messprozedere ist in einem Zusatz des Technischen Reglements bei Umgebungstemperatur genau definiert. Die Mercedes-Konkurrenz ist sich aber sicher, dass man in Brixworth einen Weg gefunden hat, das Verdichtungsverhältnis im Betrieb zu erhöhen.

Ein höheres Verdichtungsverhältnis ermöglicht eine effizientere Verbrennung. Weil der Benzinfluss limitiert ist, ist eine effizientere Verbrennung mit mehr Leistung gleichzusetzen. Die Konkurrenz argumentiert, dass das Auto zu jedem Zeitpunkt dem Reglement entsprechen muss.

Durch thermische Verhältnisse und unterschiedliche Ausdehnungen verschiedener Materialien und die hohen Beschleunigungskräfte im Motor verändert sich das Verdichtungsverhältnis im Betrieb aber automatisch. Die Mercedes-Gegner argumentieren, dass das geometrische Verdichtungsverhältnis aber in der Regel niedriger wird.

FIA zum Motoren-Streit: Anpassungen möglich

Obwohl der Streit schon seit Monaten schwelt, hat die FIA noch keine klare Lösung für das Problem. In einem Statement gegenüber Motorsport-Magazin.com hieß es lediglich: "Das Thema wird derzeit noch in technischen Foren mit den Motorherstellern diskutiert. Die FIA überprüft solche Angelegenheiten kontinuierlich, um Fairness und Klarheit zu gewährleisten. Anpassungen der Vorschriften oder Messverfahren können für die Zukunft in Betracht gezogen werden."

Allerdings ist es längst zu spät, um eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden. Bleibt der Trick erlaubt, kann die Konkurrenz in der Kürzer der Zeit nicht nachziehen. Bei einem Verbot stünden Mercedes und alle Kundenteams ohne Motor da.

Hat es die FIA versäumt, rechtzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen? "Nein", meint Wolff. "Die Regeln sind seit langen Zeit schwarz auf weiß geschrieben. Und die Art und Weise, wie man das Verdichtungsverhältnis misst, ist ein wohlbekannter Prozess quer über die Industrien. Das geht auch gar nicht anders. Alles andere sind Erfindungen."

Den Automobilweltverband nimmt Wolff ausdrücklich in Schutz: "Der Prozess, die Kommunikation zwischen der FIA und uns ist einwandfrei. Das ist eine positive Entwicklung, denn es geht nicht nur um dieses eine Motorenthema. Es gibt grundsätzlich eine wechselseitige, offene und transparente Kommunikation."

Die Testfahrten in Barcelona liefen für Mercedes erfreulich. Erst am letzten Tag konnten die Bestzeiten von George Russell und Kimi Antonelli geknackt werden. Alle Infos dazu gibt's im Video:

F1 Stotter-Start: Audi schlägt zurück, Hamilton stürzt Mercedes (10:44 Min.)