Die Formel 1 versucht sich gerade an der Motoren-Front zu sortieren. Mehrere Hersteller liegen nach den ersten Rennen in Sachen Leistung zurück, im Fall von Honda sogar deutlich. Manche hoffen da nicht nur auf die schon vor Monaten im Reglement fixierten Entwicklungs-Joker, sondern auf weitere Zugeständnisse. Doch diese scheinen in die Ferne zu rücken.
Grundsätzlich ist die Joker-Regelung, als "Additional Development and Upgrade Opportunties" oder kurz ADUO bezeichnet, schon lange im Reglement fix verankert. Für sie wird von der FIA alle sechs Rennen ein Performance-Index der Verbrennungsmotoren erstellt. Wer über zwei Prozent zurückliegt, erhält Zugeständnisse durch zusätzliche Updates, Cost-Cap-Erleichterung, Prüfstandzeiten und so weiter. Wer über vier Prozent zurückliegt sogar noch mehr davon.
Formel 1 denkt über Motoren-Hilfe nach - doch nichts passiert
Der vermeintlich klaren regulativen Lage zum Trotz kam es in den letzten Wochen zu Bemühungen, das System aufzuweichen. Erst wollte man den Stichtag für die erste Chance auf ADUO-Verteilung vorziehen. Da im April zwei Rennen abgesagt wurden, hätte das die erste Deadline schließlich von nach Miami auf nach Monaco verschoben, einen Monat später als erwartet. Die Idee war das Verkürzen der Periode auf vier Rennen, um trotzdem schon nach Miami ADUO zu verteilen.
Das ist in mehrerlei Hinsicht wesentlich. Zum einen können Budget- und Prüfstands-Erleichterungen sofort genutzt werden. Zum anderen möchten Hersteller möglichst früh wissen, ab wann sie mit dem Entwickeln eines Zusatz-Updates beginnen dürfen. Im Motor-Bereich sind die Entwicklungszeiten lang. Doch inzwischen ist die Formel 1 in Miami angekommen, und von einer Einigung keine Spur.
Die Deadline ist dabei nicht das einzige Thema. In der Pause kam der Vorschlag hinzu, für völlig abgerissene Hersteller - sprich Honda - zusätzliche Erleichterungen einzuführen. Normalerweise kann man nur einmal pro Jahr ADUO erhalten. Wenn Honda jetzt schon nach der ersten Periode die maximale ADUO-Zuweisung erhielte, dann macht es nach aktuellen Regeln keinen Unterschied, wenn sie nach der zweiten und der dritten Periode immer noch über vier Prozent zurücklägen. Dann gibt es nichts mehr.
Der Vorschlag, über den 'The Race' anfangs der Woche berichtete, sah vor, Honda im Falle eines anhaltenden Rückstandes in den weiteren Perioden doch noch mehr ADUO zu erlauben. Die Gefahr dahinter wäre natürlich, dass ein Hersteller, der die Saison nach einem so vermurksten Start schon sportlich abgeschrieben hat, absichtlich mit schlechterem Material weiterfahren könnte, um mehr ADUO aufzusammeln.
Jedenfalls ist auch diese Idee in der Kommission der Power-Unit-Hersteller jetzt steckengeblieben. "Bis jetzt haben wir keine Einigung erzielt", bestätigt Audi-Teamchef Mattia Binotto. "Das heißt, dass wir einfach mit dem weitermachen, was wir momentan haben. Ich bin mir sicher, dass die FIA mit mehr Diskussionen zurückkommen wird, und diese Diskussionen werden wir auf jeden Fall unterstützten."
Keine Hilfe für Hondas Problem-Motor?
Audi und Ferrari sind diesbezüglich die beiden Hersteller, die unverhohlen damit kalkulieren, am ersten Stichtag - wann auch immer der sein mag - ADUO zu bekommen. Tatsächlich scheinen sie kein allzu großes Interesse zu haben, Honda groß entgegenzukommen. Schließlich wurden die ADUO-Regeln so, wie sie aktuell gültig sind, schon vor Ewigkeiten verabschiedet.
Was für einen Grund gäbe es jetzt also, allein für Honda diese Regeln plötzlich aufzuweichen? "Der Mechanismus, was du tun kannst, mit Prüfstandzeiten und so, der ist kristallklar", stellt Ferrari-Teamchef Fred Vasseur fest. "Die Parameter in Sachen Leistung waren vom ersten Tag an auch klar. Ich sehe kein Problem mit der aktuellen Situation."
"Der einzige Punkt ist vielleicht eben, ob wir es nach den sechs Rennen des neuen Kalenders machen oder den sechs Rennen, wie sie im originalen Kalender stehen", wäre Vasseur nur dafür bereit. Logischerweise - aktuell wähnen Ferrari und Audi sich im ADUO-Bereich. Je früher die Deadline kommt, desto früher können sie den 2026er-Bonus dann nutzen.
Wer denn einen Bonus erhalten soll, war in den letzten Tagen obendrauf eine zusätzliche sich aufheizende Debatte. Mercedes-Teamchef Toto Wolff dachte sogar laut darüber nach, ob andere Hersteller nicht womöglich im Hinblick auf die ADUO-Deadline Leistung verstecken, also Sandbagging betreiben. Mehr dazu, und wie die FIA die Motoren-Performance überhaupt einstuft, gibt es hier:



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