Audis Bilanz vor dem Formel-1-Restart in Miami fällt ordentlich aus. Die Kombination aus dem ehemaligen Sauber-Team mit dem in Neuburg an der Donau neu entwickelten Motor erweist sich als brauchbarer Mittelfeld-Kämpfer, wobei allerdings die Punkteausbeute mit nur zwei Zählern noch zu wünschen übrig lässt.

Das liegt vor allem an zwei Schwachstellen, die Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto wie ein roter Faden durch die bisherige Saison begleiteten. Einerseits der Motor, andererseits die Starts. Kein PU-Hersteller kam bisher so schlecht von der Linie weg wie Audi. Bei einem Filmtag im April arbeitete man viel an dem Problem und entwickelte erste Lösungen.

Audi wird Startproblem nicht ganz los: Es liegt auch an der Hardware

Doch Teamchef Mattia Binotto gab vor dem Miami-Wochenende zu, dass das Problem zu tief sitzt, um komplett ausradiert zu werden. Er sagte in der offiziellen Formel-1-Pressekonferenz am Freitag: "Ich denke nicht, dass unser Start mit der aktuellen Hardware jemals großartig sein wird." Weitere Details ließ er sich nicht entlocken. Logisch ist, dass es entweder an der Power Unit oder am Getriebe liegen könnte.

Beide dürfen im Laufe der Saison grundsätzlich nicht verändert werden - von ein paar Ausnahmen abgesehen -, wobei Anpassungen an Motor und Getriebe ohnehin eine lange Vorlaufzeit benötigen und im Gegensatz zur Aerodynamik nicht innerhalb von ein paar Rennen passieren können. Gerüchten zufolge soll Audi über den größten Turbokompressor im Feld verfügen, was eine Ursache für die Startprobleme sein könnte.

Doch dass offenbar ein grundlegendes Start-Problem in die Architektur des Audis integriert ist, bedeutet nicht, dass das Team dieses Thema einfach abschenkt. "Je mehr Übung wir haben, umso wichtiger wird es sein, dass wir einen Standard-Start hinkriegen, wie ich es nennen würde. Nicht, dass wir uns in Q3 qualifizieren und die erste Runde auf P19 beenden. Es gibt viel Verbesserungspotenzial", erklärte Binotto. Im Durchschnitt gingen in diesem Jahr bei den Audi-Fahrern 3,33 Positionen pro Start pro Fahrer verloren.

Das lag nicht nur an der Hardware, sondern auch an der Software. Im Falle von Japan hatten beispielsweise beide Fahrer mit durchdrehenden Rädern zu kämpfen. Binotto schob das auch zum Teil auf den Erfahrungsrückstand der noch jungen Motorschmiede: "Unsere Kalibrierungen, unsere Einstellungen der Software und der Strategien sind noch etwas grün. Unsere Fähigkeit, die Software zu kontrollieren, ist eine kontinuierliche Entwicklung." Die Fahrer hätten deshalb noch kein "stabiles System" erhalten, auf das sie sich einstellen könnten.

Mattia Binotto: Haben einen riesigen Motor-Rückstand

Die Starts sind nur ein Problem, der Motor ist, wie bereits erwähnt, das andere. Binotto hatte das Defizit des Antriebs vor ein paar Rennen auf eine Sekunde beziffert und ihn zur größten Schwachstelle erkoren. Eine Sekunde ist jede Menge Holz, vor allem in Anbetracht dessen, dass Audis durchschnittlicher Qualifying-Rückstand 2026 bisher nur bei etwa 1,3 Sekunden liegt.

In Miami wiederholte Binotto: "Wenn man die Performance an der Strecke einschätzt, dann ist die offensichtlichste Lücke, die wir haben, bei der Power Unit. Das ist für uns keine Überraschung, da wir ein komplett neuer Motorhersteller sind. Da kann man solch einen Abstand selbst bei der besten Organisation erwarten. Es ist eine große, eine riesige Lücke, glauben wir. Aber wir haben einen Entwicklungsplan für die Zukunft und sind auf diesen fokussiert."

Für den Sprint der Formel 1 in Miami erreichten die beiden Audi-Fahrer die Startränge 11 und 12. Die Punktechancen sind damit auf den ersten Blick intakt, aber es sind wohl eher nur Außenseiter-Chancen. Hier könnt ihr alles zum Sprint-Qualifying von Bortoleto und Hülkenberg lesen: