Höhepunkt eines jeden Rennens der Formel 1 ist der Start. Seit der Regel-Revolution 2026 ist auf den ersten Metern der Rennen mehr los als je zuvor. Das neue F1-Reglement sorgt für große Unterschiede zwischen den Herstellern und größerer Varianz bei den einzelnen Starts. Motorsport-Magazin.com hat sich die ersten drei Starts des Jahres genauer angesehen und liefert die Zahlen.

Grundsätzlich gilt hier: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Die Datenlage ist etwas ungenau. Die Telemetrie der Fahrzeuge lieferte teilweise falsche Daten. Deshalb macht es keinen Sinn, nur auf die Beschleunigungswerte zu blicken.

Gewonnene oder verlorene Positionen hinken freilich. Mercedes fuhr bei allen drei Rennen aus der ersten Startreihe los. Da ist es logisch, dass man nur verlieren kann. Für Cadillac und Aston Martin hingegen gilt das fast genauso andersrum.

Die offiziellen Statistiken erfassen außerdem nur Positionen auf der Ziellinie. Die Aussagekraft der Positionsveränderungen in der gesamten Startrunde ist für das Beschleunigungsverhalten nicht wirklich groß. Deshalb wurden für diesen Artikel die Onboard-Aufnahme aller Fahrer aller drei Starts ausgewertet. Gezählt wurden nur Positionsveränderungen vor dem ersten Bremspunkt.

Die Start-Gewinner 2026

Die meisten Positionen auf den ersten Metern hat tatsächlich Carlos Sainz im Williams mit Mercedes-Motor gutgemacht. Insgesamt 10 Plätze machte der Spanier gut. Der Sieger der Wertung überrascht, allerdings ging Sainz von den Plätzen 17, 17 und 21 in die Rennen.

Interessanter wird es dahinter: Esteban Ocon im Haas-Ferrari belegt mit acht gewonnen Plätzen Platz zwei vor den beiden Ferrari-Fahrern. Lewis Hamilton und Charles Leclerc gewannen jeweils sechs Plätze. Dass drei Ferrari-befeuerte Fahrer auf den ersten vier Plätzen landen, verwundert nicht. Auch beide Cadillac-Piloten liegen in den Top-10.

Start-Gewinner: Die Fahrer

POSFahrerTeamMotorPlätze gewonnen
1SainzWilliamsMercedes10
2OconHaasFerrari8
3HamiltonFerrariFerrari6
3LeclercFerrariFerrari6
5AlonsoAston MartinHonda5
5LindbladRacing BullRed Bull5
7GaslyAlpineMercedes4
7PerezCadillacFerrari4
9BottasCadillacFerrari3
9AlbonWilliamsMercedes3
11ColapintoAlpineMercedes2
11StrollAston MartinHonda2
13NorrisMcLarenMercedes1
14PiastriMcLarenMercedes0

Start-Gewinner: Die Teams

POSTeamMotorPlätze gewonnen
1WilliamsMercedes13
2FerrariFerrari12
3Aston MartinHonda7
3CadillacFerrari7
5AlpineMercedes6
5HaasFerrari6

Start-Gewinner: Die Motoren

MotorherstellerPlätze/Fahrer/Start gewonnen
Ferrari1,39
Honda1,17
Mercedes0,3

Dem Verbrennungsmotor kommt 2026 beim Start mehr Bedeutung zu. Durch den Entfall der MGU-H (Elektromotor am Turbolader) haben die Formel-1-Motoren wieder ein spürbares Turboloch. Die 1,6 Liter kleinen Verbrennungsmotoren dürfen nur von einem einzigen Turbolader zwangsbeatmet werden. Variable Turbinengeometrie ist verboten.

Der Elektromotor an der Kurbelwelle darf am Start erst ab 50 km/h anschieben. Wer einen Verbrennungsmotor mit guter Fahrbarkeit hat, hat deshalb am Start einen großen Vorteil. Ferrari wird nachgesagt, einen verhältnismäßig kleinen Turbolader zu haben. Dadurch ist das Ansprechverhalten besser. Die Start-Statistik untermauert diese Theorie.

Auch die beiden Aston Martins kommen am Start regelmäßig gut weg. "Weil da unsere Batterie vollgeladen ist", meint Fernando Alonso, der verspätet nach Japan reist. Das stimmt zum Teil. Der Performance-Nachteil des schwachen Honda-Verbrenners wiegt am Start nicht so stark. Unterhalb von 50 km/h ist die Fahrbarkeit entscheidend, oberhalb der Grenze schiebt bei voller Batterie die MGU-K mit vollen 350 kW an.

Dazu kommt der eingangs angeführte Faktor der Startpositionen: Wer hinten startet, kann kaum verlieren. Trotzdem: Honda und Aston Martin haben viele Probleme, die Starts gehören aber nicht dazu.

Die Start-Verlierer 2026

Ferrari und Honda sind die großen Start-Gewinner auf Motoren-Seite, Mercedes findet sich im Mittelfeld wieder. Bleiben zwei deutliche Verlierer: Audi und Red Bull Powertrains. Hier kommt ein weiterer Faktor hinzu, der auch für Honda gilt: Audi beliefert nur das eigene Werksteam, Red Bull Powertrains immerhin zwei.

Mercedes und Ferrari beliefern aber vier, respektive drei Teams. Je weniger Autos, desto weniger aussagekräftig sind die Statistiken. Dazu kommt auch noch das Chassis, das ebenfalls nicht unwesentlich beim Start ist.

Start-Verlierer: Die Fahrer

POSFahrerTeamMotorPlätze verloren
15BearmanHaasFerrari2
15RussellMercedesMercedes2
15HadjarRed BullRed Bull2
18BortoletoAudiAudi4
19HülkenbergAudiAudi6
20LawsonRacing BullRed Bull8
21AntonelliMercedesMercedes12
22VerstappenRed BullRed Bull23

Start-Verlierer: Die Teams

POSTeamMotorPlätze verloren
8Racing BullRed Bull3
9AudiAudi10
10MercedesMercedes14
11Red BullRed Bull25

Start-Verlierer: Die Motoren

MotorherstellerPlätze/Fahrer/Start verloren
Red Bull2,33
Audi2,5

Bei Audi hört man auf den Onboard-Aufnahmen, wie schwer es die Piloten haben, genau das richtige Drehmoment abzurufen. Bei der Fahrbarkeit scheinen die Ingolstädter der Konkurrenz noch deutlich hinterherzuhinken.

Bei Red Bull lässt sich ebenfalls gut erkennen, wo das Problem liegt. Liam Lawson startete in Australien katastrophal, Max Verstappen bei beiden Starts in China. Dabei verloren beide exorbitant. Gelingen die Starts mit dem Red-Bull-Motor, sind sie ganz ordentlich.

Die Daten verraten, dass bei den drei verpatzten Red-Bull-Starts die magische 50 km/h-Marke das Problem war. Die Drehzahl des Verbrenners ging in allen Fällen zu weit in den Keller und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sich der V6 wieder erholte.

In China gab es leider Probleme mit der Telemetrie, weshalb die Daten nicht korrekt sind, aber immerhin Indizien liefern.

Durch den Entfall der MGU-H gilt es, die Drehzahl deutlich höher zu halten als in der Vergangenheit. Bei der alten Motorengeneration galt es am Start im Drehzahlbereich bei rund 9.500 Umdrehungen zu sein, nach dem Kommen der Kupplung sank die Drehzahl teilweise auf unter 4.000 Umdrehungen pro Minute.

Die neue Motorengeneration braucht mehr Drehzahl, um nicht ins Turboloch zu kommen. Vor dem Einkuppeln drehen die Aggregate zwischen 11.000 und 12.500 Mal pro Minute. Nur der Honda-V6 dreht deutlich niedriger. Kurz nach dem Losfahren sacken die Drehzahlen auf rund 5.000 Umdrehungen ab.

Bei den schlechten Starts von Verstappen und Lawson sackte die Drehzahl noch weiter ab, sodass womöglich der Anti-Stall-Modus getriggert wurde und den Leerlauf einlegte, um ein Abwürgen des Motors zu verhindern. Das kostet extrem viel Zeit - und wird durch große Geschwindigkeitsunterschiede schnell gefährlich.

Die Gefahr wurde in Australien sichtbar. Nur um Haaresbreite konnte Franco Colapinto eine Katastrophe verhindern. Beinahe wäre der Alpine-Pilot dem fast stehenden Lawson ins Heck gekracht. Deshalb verstummen die Stimmen nicht, weitere Änderungen am Startprozedere vorzunehmen.

Formel-1-Starts 2026 zu gefährlich? Ferrari sauer

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert", meint etwa Sergio Perez. Vor dem Saisonstart führte die FIA eine zusätzliche Sequenz vor dem eigentlichen Beginn des Startprozederes ein. Sobald das letzte Auto in der Startaufstellung steht, blinken die Grid-Leuchten für fünf Sekunden. Erst dann beginnt die normale Start-Sequenz.

Die zusätzliche Vorbereitungszeit hilft den Piloten, aber offensichtlich gibt es noch immer Probleme. Der Vergleich mit den Starts 2025 zeigt deutlich, wie unterschiedlich die Piloten in der neuen Formel 1 losfahren. Hier gilt es natürlich auch zu beachten, dass ein schwacher Start das Feld dahinter stark durcheinanderbringt.

Die ersten drei Starts der F1-Saison 2025 zeigen, wie homogen das Feld beschleunigte:

Weitere Regeländerungen schließt Ferrari-Teamchef Fred Vasseur aber trotz der großen Start-Varianz aus. "Wir haben schon den ganzen Start mit den fünf Sekunden verändert", schimpft der Franzose.

Ferraris Ärger ist verständlich. "Vor einem Jahr haben wir auf das Thema aufmerksam gemacht", erklärt Vasseur. "Damals hieß es, man muss die Autos dem Reglement anpassen und nicht das Reglement an die Autos." Die guten Ferrari-Starts sind kein Zufall, sondern die Folge bewusster Entscheidungen.

Beim Meeting zwischen F1, FIA und den elf Teamchefs nach dem China GP kam das Thema erneut auf. Allerdings sah man keine Dringlichkeit, vor dem nächsten Rennen in Suzuka etwas zu ändern. Sollte die FIA aber Sicherheitsbedenken haben, kann der Automobilweltverband jederzeit eingreifen, auch ohne die sonst nötigen Regelungsprozesse.

F1 2026 erklärt: Startprobleme und Ferraris Raketenstarts (17:10 Min.)