In der Woche vor dem Formel-1-Wochenende in Japan hielt McLaren einen TPC-Test auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya ab. Das amtierende Weltmeisterteam ließ dabei erstmals seinen Juniorfahrer Leonardo Fornaroli ans Steuer eines F1-Boliden. Der amtierende Formel-2-Champion pilotierte den MCL60 rund um die spanische Rennstrecke. Also den drei Jahre alten Boliden aus Woking.

Wie McLaren am Dienstagabend bekanntgab, absolvierte Fornaroli bei diesem Test am Montag und am Dienstag insgesamt 110 Runden, was einer Distanz von 512,2 Kilometern entspricht. Das Team spricht davon, dass Fornaroli sowohl Runs mit geringer als auch mit hoher Spritmenge durchführte.

Leonardo Fornaroli (McLaren) bei einem TPC-Test in Barcelona (Circuit de Catalunya) im MCL60 aus der Formel-1-Saison 2023.
Fornaroli beim Test in Barcelona, Foto: McLaren Mastercard Formula 1 Team

Erste Formel-1-Kilometer für den F2-Champion

Für Fornaroli war es das Debüt in einem Boliden der Königsklasse, nachdem er im Januar offiziell von McLaren zum Reservefahrer ernannt worden war - eine Rolle, die er sich mit IndyCar-Fahrer Pato O'Ward teilt. Der Test erfüllt also die Funktion, dass er Fornaroli für alle Fälle besser auf einen potenziellen F1-Einsatz vorbereitet, falls aus welchen Gründen auch immer ein Stammfahrer gezwungen sein könnte, ein Rennen zu verpassen. Da er in diesem Jahr neben dieser Funktion in keiner Rennserie an den Start geht, wäre Fornaroli terminlich flexibler als O'Ward.

"Es ist ein unglaubliches Gefühl, einen F1-Wagen auf der Rennstrecke zu fahren. Die letzten beiden Tage waren fantastisch, und ich habe in vielen verschiedenen Bereichen des F1-Fahrens enorm viel gelernt", freute sich Fornaroli über diese Ausfahrt, die etwas mehr als eineinhalb Grand-Prix-Distanzen umfasste. Grundsätzlich bot der Test eine Gelegenheit, sich mit den wirkenden Kräften und Geschwindigkeiten eines F1-Autos sowie der Arbeit mit dem Team vertraut zu machen. Technisch liegen selbstverständlich trotzdem Welten zwischen dem 2023er-Modell und den aktuellen Boliden.

"Auch wenn sich diese Wagen deutlich von denen der aktuellen Generation unterscheiden, ist es für mich als Ersatzfahrer nach wie vor unerlässlich, Zeit hinter dem Steuer zu verbringen. Außerdem hilft es mir, das Gefühl des realen Fahrens mit der Arbeit am Simulator in Einklang zu bringen", betonte Fornaroli.

Alessandro Alunni Bravi, der bei McLaren zuständig für das Nachwuchsprogramm ist, meinte, dass man sehr zufrieden mit der Vorstellung des 21-Jährigen sei: "Er machte durchweg fantastische Fortschritte, fand unglaublich schnell den Dreh mit dem F1-Wagen und stellte weiterhin jene Eigenschaften unter Beweis, die wir bereits während seiner erfolgreichen Juniorenkarriere an ihm schätzen gelernt haben: Beständigkeit, sowie seine Fähigkeit, schnell zu lernen und Leistung zu bringen."

Leonardo Fornaroli: Wenig F1-Interesse trotz Titeldouble

Leonardo Fornaroli gewann 2024 und 2025 in direkt aufeinanderfolgenden Jahren die Formel 2 und die Formel 3, nachdem er zuvor in seiner Nachwuchskarriere kaum für Schlagzeilen sorgen gekonnt hatte.

Trotz seiner Leistungssteigerung erhielt der Italiener von Seiten der Formel-1-Teams wenig Beachtung. Das lag auch daran, dass es auf dem Fahrermarkt der Königsklasse kaum Bewegung gab. Cadillac bevorzugte arrivierte Piloten mit viel Erfahrung und Red Bull zog lieber den eigenen Junior Arvid Lindblad zu den Racing Bulls hoch.