Schon nach dem ersten Wochenende der Formel 1 2026 hatte Audi öffentlich Position bezogen: Der Großteil der aktuellen Lücke zur Spitze kommt von der ersten selbst gebauten Power Unit. Am Rande des dritten Wochenendes in Japan geht Teamchef Mattia Binotto nun deutlich mehr ins Detail, wo genau dieses Defizit hängt. Dabei macht er Hoffnung auf eine vielleicht einfachere Lösung.

Denn ein reines Leistungs-Defizit durch die Power Unit ist in der modernen Formel 1 sehr schwer aufzuholen. Es gibt strenge Entwicklungs-Beschränkungen, und zwar gibt es im Reglement einen Mechanismus - genannt "Additional Development and Upgrade Opportunities" (ADUO) -, der Teams mit signifikantem Defizit mehr Upgrades zugesteht. Aber das ist sehr beschränkt.

Je nach Rückstand erlaubt sind ein oder zwei zusätzliche Motor-Upgrades pro Jahr. Aber das muss man aus einer Liste an insgesamt 84 verschiedenen Komponenten wählen, in denen das Technische Reglement die Upgrade-Bereiche unterteilt. Mit einem aus 84 möglichen Upgrades wird man keine gigantischen Sprünge machen.

Audi-Motor kostet eine Sekunde - aber wie viel davon ist Leistung?

Gegenüber 'Formula1.com' liefert Binotto nun aber wichtige Details zu den Hintergründen des Motor-Defizits: "Es ist nicht bloß Leistung. Es ist Energie-Effizienz, Energie-Deployment, aber auch die Fahrbarkeit des Motors selbst. Wenn du zur Fahrbarkeit kommst, auch mit den Gangwechseln, dann ist das im Moment ziemlich hart für uns."

Christian Danner: Die Problemliste bei Audi wird nicht kleiner (03:20 Min.)

Schon auf den Onboard-Aufnahmen ist in Ansätzen zu erkennen, was Binotto meint. Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto bekommen nicht die sanftesten aller Gangwechsel. In langsamer Fahrt sieht das auf Kühl- und Warmup-Runden im Qualifying oft besonders dramatisch aus. Doch auch wenn der Audi R26 am Limit bewegt wird, hinterlässt das Spuren.

"Das Auto ist auf der Bremse und beim Beschleunigen wegen der Härte der Gangwechsel instabil", erklärt Binotto. Die Aprilpause nutzt man zur Ursachenforschung: "Vielleicht ist die Anordnung der Getriebeübersetzung nicht richtig."

Natürlich baute das ehemalige Sauber-Team in den letzten Jahren schon ein eigenes Getriebe - aber für die bekannte Größe des Ferrari-Motors. Erstmals ein Getriebe für eine völlig neu entwickelte Power Unit zu bauen, ist da eine andere Hausnummer. Es ist nicht verwunderlich, dass Probleme hier erst bei den ersten Einsätzen unter realen Bedingungen auf der Strecke gefunden werden.

Gabriel Bortoleto am Samstag bei der Formel 1 in China im Kies
Gabriel Bortoleto drehte sich in China im Qualifying von der Strecke, Foto: IMAGO / NurPhoto

Wie viel Zeit kann Audi kurzfristig aus dem Motor holen?

Wenn es wirklich nur eine simple Frage der Übersetzung wäre, so könnte Audi hier potenziell noch 2026 einen Schritt vorwärts machen. Denn grundsätzlich sind Getriebe und Übersetzungen wie auch der Motor während der Saison eingefroren. 2026 aber erlaubt das Technische Reglement einen Joker. Einmal während der Saison dürfen die Übersetzungen geändert werden.

Natürlich ist es nicht nur die Fahrbarkeit des Motors. Es fehlt auch an absoluter Leistung, keine Frage. Aber Binotto schätzt: "Es steckt genauso viel in der Fahrbarkeit wie in der reinen Performance." Macht zusammengezählt? "Bis zu einer Sekunde pro Runde allein dadurch. Das Auto selbst, auf Chassis-Seite, da haben wir einen guten Job gemacht. Der Großteil des Deltas kommt von der Power Unit."

Eine Sekunde von der Power Unit hätte den R26 in Japan im Qualifying vom unteren Ende der Top-10 bis in den Bereich von Ferrari und McLaren katapultiert. Vielleicht sogar noch weiter, denn Gabriel Bortoleto beklagte am Ende eine schlechte Runde. Das würde das Chassis potenziell zu einem der besten im Feld machen.

Mattia Binotto kündigt großes Audi-Update an

Dass es an Leistung und Fahrbarkeit fehlt, ist bei einem brandneuen Motorprojekt aber keine Überraschung, das hält Binotto einmal mehr fest. Deshalb hatte er schon vor Ewigkeiten das Ziel 2030 als realistischen Endpunkt der Aufbau-Arbeit ausgegeben. Doch das gute Chassis und die soliden ersten Rennen lassen die Zuversicht aktuell wachsen.

"Mit unserem Auto und dem Projekt läuft nichts fundamental falsch, das ist das Wichtigste", meint Binotto. Die Aprilpause kommt Audi da sehr gelegen. Die Testfahrten und die ersten drei Rennen waren in sehr kurzer Abfolge dahergekommen, für ein neues Projekt herausfordernd: "Seit den Wintertests haben wir uns so auf unsere ganzen Probleme fokussiert, um sicherzustellen, dass wir für das nächste Rennen bereit sind."

"Die Rennvorbereitung war für uns sehr zeitintensiv, und wenn du komplett von der Rennvorbereitung eingenommen wirst, dann kannst du nicht so viel entwickeln", erklärt Binotto. "Mit der Aprilpause, die für uns natürlich keine Pause ist, können wir uns sortieren und neu auf unsere nächsten Entwicklungen fokussieren, und sicherstellen, dass wir nicht nur Probleme lösen."

So kündigt Binotto jetzt schon das erste große Aero-Update an: "Die Entwicklungsrate mit diesen neuen Autos ist noch sehr hoch. Wir werden auf jeden Fall ein Paket bringen, und es ist signifikant basierend auf dem, was wir in der Vergangenheit genutzt haben." Auch mit dem Motor-Defizit sollte das dann reichen, um sich im vorderen Mittelfeld zu halten: "Da bin ich zuversichtlich."