Williams ist auf dem falschen Fuß in das Formel-1-Jahr 2026 gestartet. Das britische Team verpasst die ersten Testfahrten in Barcelona komplett, nachdem das Auto nicht rechtzeitig fertig wurde. Seitdem machte eine Reihe von Meldungen die Runde, die in ihrer Tonalität auf ein noch tiefergehendes Problem beim Start der Mannschaft in die neue Ära hindeuteten. So solle der Williams bis zu 30 Kilogramm zu schwer sein, hieß es in Gerüchten. In der italienischen Presse war sogar davon die Rede, dass man den ersten offiziellen Test in Bahrain komplett verpassen könnte.
Teamchef James Vowles meldete sich am Mittwoch zu Wort und dementierte diese Meldungen in aller Deutlichkeit. "Ich freue mich sagen zu können, dass wir alle nötigen Tests bestanden haben und bereit sind, in Bahrain zu fahren", stellte Vowles unmissverständlich klar. "Wir werden davor einen Filmtag durchführen", fügte er außerdem hinzu.
Williams am Limit: Auto dreimal so kompliziert - Crashtests alle bestanden
Schmerzhaft sei das Verpassen des Formel-1-Shakedowns allemal, aber die Auswirkungen bei weitem nicht so gravierend wie in manchen Berichten dargestellt. "Es war natürlich nicht unser Plan und es ist unglaublich schmerzhaft. Aber ich möchte, dass anerkannt wird, dass dies das Ergebnis unserer Entschlossenheit ist, die Grenzen der Performance unter dem neuen Reglement auszureizen", stellte der Teamboss klar.
Vowles erklärte, dass die Verspätung bei der Produktion des Autos auf die Komplexität der Formel-1-Autos 2026 zurückzuführen sei: "Es ist etwa dreimal so kompliziert wie alles, was wir bisher in unserem Unternehmen umgesetzt haben. Und wir sind dabei ein bisschen zurückgefallen und bei einigen Teilen in Rückstand geraten und als Resultat daraus muss man gewisse Kompromisse eingehen." Die Produktion in Grove erwies sich als zu langsam für den aggressiven Zeitplan, merkte Vowles selbstkritisch an.
Er bestätigte aber etwas verklausuliert, dass man tatsächlich ursprünglich an einem Crashtest gescheitert sei. "Wir haben die Grenzen in einigen Gebieten voll ausgelotet, und eines davon zeigte sich in den dazugehörigen Tests", sagte der Brite. Daraus habe sich aber nur eine kleine Verzögerung ergeben. Konkret soll die Naseneinheit des Autos bei einem Crashtest durchgefallen sein. Wie schon eingangs erwähnt, betonte der ehemalige Mercedes-Mann aber, dass das inzwischen schon gelöst sei.
James Vowles widerspricht: Gewichtsproblem? Alles nur Gemurmel
Doch auch von einem Gewichtsproblem könne in Wahrheit nicht die Rede sein, bekräftigt Vowles. Jedenfalls nicht in dem kolportierten Ausmaß von 20 bis 30 Kilogramm. Eine genaue Zahl zu nennen, sei zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht möglich, behauptet Vowles: "Es gibt kein Wissen über das Gewicht bis zum zweiten Test in Bahrain, wenn man versteht, wo man steht."
"Man muss zunächst mal alle Sensoren herunternehmen, um das zu verstehen. Davor ist es unmöglich zu wissen, denn man braucht das zusammengebaute Auto ohne Sensoren in der richtigen Form und das gibt es heute noch nicht." Vowles betont, dass sich diese Unwissenheit in einem kleinen Rahmen bewegt und dementierte damit die Berichte über das angeblich monströse Übergewicht des FW48. "Alles, was man im Moment in den Medien sieht, ist Gemurmel", sagte er weiter.
Williams hätte Barcelona-Test schaffen können - aber nicht um jeden Preis
"Wir hätten es zu den Testfahrten in Barcelona schaffen können", betonte Vowles erneut die allgemeine Williams-Linie, aber man wollte eben nicht um jeden Preis zum Shakedown: "Wir hätten den Einfluss auf die Ersatzteile, auf Komponenten und Updates bis nach Bahrain, Melbourne und darüber hinaus auf den Kopf stellen müssen."
"Anstatt in einem nassen und kalten Barcelona zu testen […] ist es die beste Entscheidung, dass wir in Bahrain richtig vorbereitet ankommen, und in Melbourne genauso", unterstrich er. Zwischen Barcelona und dem ersten offiziellen Test der Formel-1-Saison 2026 auf dem Sakhir International Circuit liegt mehr als eine ganze Woche. In dieser Zeit findet auch am 3. Februar auch die offizielle Präsentation des Williams FW48 statt. Das war bereits seit längerem so geplant.
Carlos Sainz und Alex Albon 'testen' in Grove
Anstelle des Formel-1-Shakedowns in Barcelona, der in dieser Woche läuft, führt Williams in seinem Werk in Grove einen sogenannten 'VTT' durch. Dabei handelt es sich um einen virtuellen Test, bei dem man auf dem Prüfstand die Bedingungen einer realen Testsession bestmöglich mit einem bereits aus Chassis, Getriebe, Motor und Bremsen bestehenden Auto simuliert. Nur die Aerodynamik lässt sich dabei nicht ausloten. Die entsprechenden Elemente sind auch nicht am Auto angebracht.
Daraus erhofft man sich viele Lehren. Unter anderem steht das Kühlsystem im Fokus, denn dieses änderte sich seit der letzten Saison maßgeblich. Außerdem sollen damit Zuverlässigkeitsprobleme, wie sie letztes Jahr in der ersten Saisonhälfte mehrfach aufgetreten sind, präventiv verringert oder verhindert werden. Carlos Sainz und Alex Albon sitzen analog dazu schon im Simulator.
Einen echten Test ersetzt der VTT aber natürlich nicht vollständig. Für Williams erweist es sich aber als positive Fügung, dass man nicht selbst Motoren herstellt, sondern diese genauso wie das Getriebe von Mercedes bezieht. Neben dem Werksteam testen auch Alpine und McLaren bereits fleißig den Antrieb der Silberpfeile, der sich an den bisherigen drei Testtagen gut bewährt hat. Unter anderem deshalb gibt sich Vowles optimistisch: "Ich bin zuversichtlich, dass wir in Bahrain unser komplettes [Test-]Programm durchbringen."
Neben Williams verliert auch Aston Martin in Barcelona wichtige Testzeit. Das Silverstone-Team, das seit diesem Jahr exklusiv mit Honda-Motoren unterwegs ist, wird erst am Donnerstag oder Freitag in den Test einsteigen. Hier alle Infos:



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