Seit Monaten klagt die Formel 1 darüber, dass die Winterpause in diesem Jahr die kürzeste aller Zeiten ist. Obwohl die brandneuen 2026er-Regeln ein Umbruch in einem Umfang sind, wie ihn die Weltmeisterschaft seit langem nicht mehr gesehen hat. So fragte sich jeder insgeheim: Werden alle 11 Teams rechtzeitig fertig? Drei Tage vor Test-Beginn kommen schlechte Nachrichten.
Am Freitag, während die Konkurrenz sich bereits auf den Weg zum Test-Ort Barcelona machte, lieferte Williams per kurzer Stellungnahme eine Absage. Das Team "hat die Entscheidung getroffen, am Shakedown-Test in der nächsten Woche aufgrund von Verzögerungen im FW48-Programm nicht teilzunehmen, während wir weiter an der maximalen Auto-Performance arbeiten." Erst beim Bahrain-Test, beginnend am 11. Februar, wird das Auto auftauchen.
Dass Williams den kompletten Barcelona-Test auslässt, ist kein gutes Signal. Diese am 26. Januar beginnende Veranstaltung, offiziell 'Pre-Season Private Collective Test' genannt, ist eine für F1-Verhältnisse sehr lockere fünftägige Angelegenheit. Sie findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und jedes Team darf sowieso maximal an drei der fünf Tagen fahren.
Williams sagt Test-Auftakt komplett ab: Schlechtes Signal?
Mehrere Tage im Voraus schon die Teilnahme komplett abzusagen, deutet da unweigerlich auf größere Probleme hin. Wäre man nur leicht im Hintertreffen, könnte man schließlich einfach erst ab Mittwoch oder Donnerstag in den Test einsteigen. Die Weltmeister von McLaren ließen beispielsweise bereits wissen, dass sie aufgrund von straffen Zeitplänen frühestens am Dienstag am Start stehen, auch Ferrari beginnt erst am Dienstag.
Den kompletten Test zu verlieren könnte Williams teuer zu stehen kommen. Die 2026er-Autos sind von vorne bis hinten, von Motor bis Aerodynamik, neu. Es gilt potenziell unzählige Kinderkrankheiten auszusortieren, Systemchecks zu fahren und so weiter. Williams droht also bereits ein nennenswerter Rückstand, wenn das Auto dann am 11. Februar bei den Testfahrten in Bahrain erstmals auf die Strecke rollt.
Konkret soll es Berichten zufolge vor allem um einen nicht bestandenen Crashtest der Nasen-Einheit des Autos gehen. Williams versucht zu beruhigen: "Das Team wird stattdessen eine Serie an Tests mit dem 2026er-Auto durchführen, einschließlich eines VTT-Programms, um sich für den ersten offiziellen Test in Bahrain und das erste Rennen in Melbourne vorzubereiten."
VTT steht für 'Virtual Test Track', sprich es geht hier um Prüfstands-Arbeit mit dem vollständigen Auto. Eine echte Ausfahrt auf einer echten Rennstrecke ist das aber eben nicht. Auch sonst hat Williams kaum Optionen, den Rückstand bis zum Bahrain-Test aufzuholen.
Private Testfahrten sind in der Formel 1 verboten. Das Reglement erlaubt lediglich ein paar hundert Kilometer für Filmtage oder noch weniger für Promotion-Events. Das ist kein Vergleich zu drei ganzen Tagen in Barcelona, bei denen man nach Gutdünken fahren kann.
Williams einziges Formel-1-Team mit wiederholten Test-Blamagen
Für die mit hohen Ansprüchen in die Saison 2026 gehende Williams-Mannschaft ist die Affäre ein bitterer Reality-Check. In den letzten Monaten hatte Teamchef James Vowles eigentlich auch eine klare Ansage geliefert: Im Januar am Prüfstand, dann wenn möglich ein ganzer Filmtag, dann nach Barcelona.
Dabei darf schließlich nicht vergessen werden, dass Williams sich in den letzten Jahren wiederholt als Problemfall präsentierte. 2019 reiste das Team mit zweieinhalb Tagen Verspätung zum Test-Auftakt. 2023 bekam man zwar das Auto rechtzeitig fertig, hatte aber für die ersten Rennen nur zwei Chassis und fast keine Ersatzteile und musste in Australien schließlich nach einem Trainings-Unfall ein Auto zurückziehen.
Eigentlich hätte das alles der Vergangenheit angehören sollen. Diese Zwischenfälle waren Folgen des Niedergangs der späten 2010er-Jahre gewesen. Inzwischen hat Williams einen neuen Eigentümer, unter Teamchef James Vowles war alles umgekrempelt worden. 2025 hatte Williams unter Vowles' Führung das Auto sogar mit einem Live-Shakedown präsentiert, um zu zeigen, dass die Probleme der Vergangenheit angehören.
Wie es da ausgerechnet 2026 wieder zu diesem Rückschritt kommen konnte, ist noch unklar. Erst recht, wo doch Williams seit gut über einem Jahr sich zusätzlich damit brüstete, so früh wie kein anderes Team die Entwicklung auf das 2026er-Projekt verlagert zu haben.
Über die Hälfte der Formel-1-Teams ist - Stand 23. Januar - im Gegenzug schon Filmtage oder private Shakedowns gefahren: Racing Bulls, Cadillac, Audi, Mercedes, Alpine, und am Freitag gesellte sich Ferrari mit ein paar Installationsrunden des SF-26 durch Charles Leclerc und Lewis Hamilton auf der Hausstrecke in Fiorano dazu. Mehr dazu gibt es hier:



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