Der Große Preis von Aserbaidschan in einem Wort zusammengefasst? "Außergewöhnlich!" Williams-Teamchef James Vowles war nach dem Podestplatz von Carlos Sainz in Baku im Freudentaumel. "Ich hatte das Vergnügen, in meiner Karriere viele Podiumsplätze zu erreichen, und dieser wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Er bedeutet mir sehr viel [...] von der Position, an der das Team stand, bis zu unserem Weg zu unserem Ziel."
Das frühere Top-Team der Formel 1 - denn Williams ist nach Ferrari und McLaren der dritterfolgreichste Rennstall nach Siegen - scheint sein Hinterbänkler-Dasein hinter sich gelassen zu haben. Fast vergessen ist der Negativrekord von vier letzten Plätzen in der Konstrukteurswertung in fünf Jahren (2018-2022). Doch Performance in der Formel 1 ist kein Schalter, den man einfach umlegt, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses, bei dem die richtigen Leute eingestellt werden, um eine Siegerkultur zu etablieren, und die passenden Werkzeuge bereitgestellt werden, um diese Vision umzusetzen.
- Statistik Williams:
- Gründung: 1977
- Erster GP: Spanien 1977
- GP-Starts: 856
- Konstrukteurstitel: 9
- Fahrertitel: 7
- Siege: 114
- Podestplätze: 245
Williams: Infrastruktur von vor 20 Jahren
All das ist bei Williams in den letzten Jahren passiert. 2020 gab Williams in einer 41-zeiligen Presseaussendung den Verkauf an die private Investmentfirma Dorilton Capital bekannt. Ende 2022 trat Jost Capito zurück, und Dorilton Capital holte James Vowles, den Chefstrategen von Mercedes, zu Williams. Doch was er in Grove vorfand, war alles andere als F1-tauglich. "Die Infrastruktur war 20 Jahre hinter der Zeit. Sie reichte gerade, um zwei Autos an den Start zu bringen. Es gab keinerlei Software, in der die Teile des Autos, ihre Lebensdauer und ihre Geschichte registriert waren", erzählte Vowles in einem früheren Interview.
Der 46-jährige Brite musste erst eine Struktur schaffen, in der alle Bereiche - Aerodynamik, Fahrdynamik, etc. – miteinander kommunizierten. Als Verstärkung holte er F1-Urgestein Pat Fry ins Boot. "Wir haben damit aufgeräumt, Feuerwehr zu spielen, um Brände zu löschen, die irgendwo auftauchen. Und aufgehört, an das Heute zu denken. Morgen ist entscheidend", so Vowles. Genau diese Aufbruchsstimmung überzeugte auch Carlos Sainz, nach seinem Aus bei Ferrari zu Williams zu wechseln. "Dieses Team hat den richtigen Plan, eine starke Führung, die motiviert und den unbedingten Willen hat nach vorne zu kommen", erklärte Sainz 2024, als er seinen Wechsel zu Williams bekannt gab.
- Bedeutende Jahre in der Williams-Geschichte
- 1977: Erste Formel-Saison
- 1980: Erster Fahrer- und Konstrukteursweltmeistertitel
- 1991/92: Dominanz mit Nigel Mansell und Alain Prost
- 1997: Letzter Fahrer- und Konstrukteurstitel, 100. Sieg (Großbritannien GP, Villeneuve)
- 2014: Williams-Mercedes dritte Kraft & 300. Podium (Deutschland GP, Bottas)
- 2018-2020: Letzter in der Konstrukteurswertung
- 2020: Verkauf an Dorilton Capital
2025 ist Williams hinter McLaren, Mercedes, Ferrari und Red Bull in der Konstrukteurswertung "Best of the Rest". Mit 101 WM-Zählern holte Williams in 17 Rennen fast sechsmal so viele Punkte (17) wie 2024 insgesamt. Trotzdem ist und bleibt 2025 für Vowles ein Übergangsjahr. Der Fokus liegt ganz klar auf 2026. "Wir haben kein Jahr festgelegt, in dem wir Weltmeister sein möchten", so Vowles. Stattdessen geht es ihm um die Beantwortung von Prozess-Fragen: "Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Teil? Wie effizient arbeiten wir? Wie hoch ist die Qualität? Wie viele Millisekunden holen wir pro Woche raus?" Denn Vowles ist sich sicher: "Wer das im Griff hat, gewinnt automatisch Titel."
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