Aprilia gelang am Sonntag in Le Mans Historisches. Als erst vierter Hersteller in der MotoGP-Geschichte nach Honda, Yamaha und Ducati erzielten sie einen Dreifachsieg. Beim Blick auf das Rennen sollte der Konkurrenz im WM-Kampf Angst und Bange werden, denn die RS-GPs dominierten das Geschehen, obwohl sie alles andere als eine perfekte Vorstellung an den Tag legten.

Fantastische Aprilia: Jorge Martin braucht gar keinen Wunderstart für MotoGP-Sieg

Sieger Jorge Martin feierte eine emotionale Rückkehr auf das oberste Treppchen. Doch der 'Martinator' ist im Qualifying immer noch nicht der Alte. Mit einem Wunderstart von acht auf eins im Sprint bügelte er dieses Manko am Samstag sofort aus, aber im Grand Prix sah es zunächst nicht nach einem Erfolg aus: "Im Sprint lief alles perfekt. Ich stürmte auf Platz eins und kontrollierte das Rennen. Heute war ich Achter [nach dem Start, Anm. d. Red.] und hätte nicht daran geglaubt, um den Sieg kämpfen zu können."

WM-Duell Bezzecchi vs. Martin! Aprilia beschwört Team-Harmonie (07:55 Min.)

Aber es kam anders. Der 'Martinator' ließ die Konkurrenz Runde für Runde hinter sich: "Ich habe nie aufgegeben und Schritt für Schritt die anderen Fahrer eingeholt. Mit manchen von ihnen habe ich etwas Zeit verloren, aber acht Runden vor Schluss glaubte ich dann an den Sieg." Nurmehr Teamkollege Marco Bezzecchi lag vor ihm, doch auch diesen schnappte sich der Spanier noch: "Marco hatte Probleme mit dem Hinterreifen. Ich habe alles reingelegt und bis zum Schluss daran geglaubt. Es hat sich gelohnt. Ich bin überglücklich. Die Aprilia hat mir enorm geholfen, um diesen Sieg kämpfen zu können. Dieses Motorrad ist fantastisch."

Marco Bezzecchi zufrieden: Schwaches Wochenende heißt zweimal Podest

Der Italiener war nach dieser Niederlage nicht im Geringsten angefressen, denn er betrachtete sie auch nicht als solche. "Es war ein hartes Rennen und insgesamt ein hartes Wochenende für mich. Ich habe mich nie wohl auf dem Motorrad gefühlt und hätte nicht erwartet, so lange zu führen", gab er im Nachhinein zu, nicht auf dem bisherigen Niveau der Saison agiert zu haben.

Jorge Martin überholt Marco Bezzecchi in Le Mans
Bezzecchi (l.) musste Martin (r.) ziehen lassen, Foto: IMAGO / CordonPress

Mit Blick auf die Meisterschaft nahm 'Bezz' einfach mit, was ging: "Nachdem Jorge auch Pedro [Acosta] überholt hatte, wusste ich, dass die Lücke immer kleiner werden würde. Ich setzte mich nicht unter Druck, denn ich wollte keine Fehler begehen und alles wegwerfen. Ich bin zufrieden, denn ich habe mein Bestes gegeben, um an diesem Wochenende ein Podium in Sprint und Grand Prix mitzunehmen. Das war das Maximum, das ich schaffen konnte." Am Ende ergab das 27 Punkte an einem Wochenende, an dem er sich einmal nicht wohl auf seiner geliebten Aprilia fühlte. Auch das sollte der Konkurrenz eher Sorgen bereiten.

Ai Ogura endlich auf dem MotoGP-Podium, trotz der üblichen Schwächen...

Und dann war diesmal auch noch der dritte im Bunde zur Stelle. Das erste Podium von Ai Ogura schien längst überfällig. Doch der Japaner machte sich das Leben mit schlechten Qualifyings und schwachen Startphasen auch immer wieder selbst schwer. Das war in Le Mans nicht anders: "Ich hatte Probleme im ersten Teil [des Rennens, Anm. d. Red.]. Besonders als ich Fabio [Quartararo] überholen wollte und dabei weit ging. In dem Moment hatte ich kein gutes Gefühl für den Vorderreifen."

Ohne den misslungenen Angriff auf den Yamaha-Piloten hätte er zum Rennende mit überragenden Rundenzeiten vielleicht sogar noch Bezzecchi angreifen können. "Das Rennen war nicht einfach, aber über meine Pace spät im Rennen bin ich glücklich", stellt der Trackhouse-Fahrer fest. Ausreden für die eigenen Schwächen sucht der Moto2-Weltmeister von 2024 keine. Ihm ist klar, dass er aus seinem Paket trotz des ersten Podestplatzes noch nicht alles herausholt: "Unsere Schwächen sind das Qualifying und die ersten Runden des Rennens. Wir stimmen das Motorrad nicht speziell für das Rennende ab. Es ist einfach so und wir müssen jetzt daran arbeiten."

Ai Ogura vor Joan Mir und Enea Bastianini im Frankreich GP
Ai Ogura musste sich wieder einmal durchs Feld kämpfen, Foto: IMAGO / PsnewZ

Massimo Rivola bleibt auf der Hut: Lücke zu Ducati ist 'nichts'

Im Endeffekt lief es also für keinen der drei Piloten perfekt und trotzdem steht da ein Dreifachsieg, dem die Konkurrenz besonders in der Schlussphase des Rennens nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Diese RS-GP ist - zumindest im Renntrimm - eindeutig das beste Bike des Feldes, das muss mittlerweile sogar Massimo Rivola zugeben. "Jetzt glauben wir das auch", meint der Aprilia-Boss.

Doch dann erschien es fast so, als sei ihm klar geworden, was er da gerade von sich gegeben hat. Schnell fügte der 54-Jährige noch an: "Aber wir sprechen im Endeffekt wohl über eine halbe Zehntel oder eine Zehntel. Die Lücke zu Ducati und KTM ist im Prinzip nichts." Letztlich ist das auch eines der Erfolgsrezepte des Italieners: Immer auf dem Boden bleiben und ja nie abheben. Die Fakten auf der Strecke lassen nach dem erneuten Triumph aber keinen anderen Schluss mehr zu. Der Titel 2026 scheint nur über die Aprilia-Piloten zu führen.

Aprilia mit Genesungswünschen an Marc Marquez: Wollen gegen den besten Fahrer kämpfen!

Noch eindeutiger wird diese Favoritenstellung, da der wohl größte Konkurrent derzeit außen vor ist. Marc Marquez wurde nach einer erneuten Verletzung in Le Mans mittlerweile erfolgreich operiert. Der Titelverteidiger wird in Barcelona kommende Woche definitiv fehlen, wodurch sich sein ohnehin schon beträchtlicher Rückstand in der Fahrerwertung noch vergrößern wird. Aktuell fehlen bereits 71 beziehungsweise 70 Zähler auf das fast punktgleiche Spitzen-Duo aus Noale.

Aprilia hofft auf die Rückkehr von Marc Marquez, Foto: Ducati Media
Aprilia hofft auf die Rückkehr von Marc Marquez, Foto: Ducati Media

Bei Aprilia ist darüber niemand glücklich. "Zuerst möchte ich Marc meine Unterstützung wissen lassen. Du willst nie, dass ein anderer Fahrer sich verletzt. Das war ein ekliger Sturz, aber wir alle wissen, dass Marc stärker zurückkommen wird. Das ist sicher", wendet sich Jorge Martin in Richtung der Nummer 93. Marco Bezzecchi stimmt zu: "Wie Jorge richtig sagt, ist es schade, Marc verletzt zu sehen. Er hatte einen heftigen Unfall und das ist nie schön anzusehen. Wir erwarten ihn zurück." Damit treffen beide den Sportsgeist ihres Bosses, denn Massimo Rivola will einen Wettbewerb auf höchstmöglichem Niveau: "Ich wünsche Marc das Beste. Ich hoffe er kommt mit 100 Prozent zurück, denn wir wollen gegen das beste Motorrad und den besten Fahrer kämpfen." Das beste Motorrad steht allerdings derzeit bei ihm in der Garage.

Auch der andere Ducati-Werkspilot kann Aprilia derzeit nicht schlagen. Francesco Bagnaia spielte die Technik in Le Mans erneut einen Streich. Der Italiener war stocksauer: