Diesen Sprung ins kalte Wasser hätte Jonas Folger kaum mehr erwarten dürfen, doch in Le Mans war dem Bayer nach drei Jahren Abwesenheit doch noch ein erneutes MotoGP-Comeback vergönnt. Da kam der Rennfahrer wieder durch, denn für den nächsten Einsatz gibt es bereits einiges zu tüfteln.
Jonas Folger hadert nach Comeback-Rennen: 2 Sekunden pro Runde verloren
"Das war der Plan: Das gesamte Rennen fahren und nicht schon in Runde zwei stürzen", scherzte der Ersatzmann von Maverick Vinales bei Tech3, nachdem er den Frankreich Grand Prix im Gegensatz zum Sprint beendet hatte. Der Sturz vom Samstag war damit abgehakt und blieb der einzige des Wochenendes. Was sonst so am Sonntag in der MotoGP passierte, erfahrt ihr in unserem Video:
So richtig zufrieden zeigte er sich aber auch mit seiner Zielankunft nicht. Zu groß war am Ende der Rückstand ausgefallen: "Bis zum Qualifying habe ich gute Fortschritte erzielt und das Motorrad in einigen Punkten verstanden. Im Rennen konnte ich die Runden aus dem Training und Qualifying nicht regelmäßig wiederholen. Ich bekam Probleme und verlor sehr viel, ich glaube so zwei Sekunden pro Runde." Der Mangel war schnell erklärt: "Ich bekam Probleme mit den Armen. Vor allem in der linken Schulter ging mir die Kraft aus. Deswegen konnte ich selbst meine Pace nicht halten."
Verkrampft auf der KTM: Lösung für MotoGP-Einsatz in Barcelona in Sicht?
Doch auch daraus kann Folger etwas Positives ziehen: "Es war trotzdem schön, ein ganzes Rennen zu fahren. Jetzt wissen wir, woran wir arbeiten müssen. Und auch für mich selbst weiß ich, wo der nächste Schritt am nächsten Wochenende erfolgen muss." Richtig gelesen: Jonas Folger geht davon aus, dass er auch in Barcelona wieder am Start stehen wird. "Es sieht so aus, als wäre ich dort, ja", meint der 32-Jährige. Das deckt sich mit der Einschätzung von Teamchef Günther Steiner, der ebenfalls nicht von Maverick Vinales' Rückkehr ausgeht.

Doch wie kann der Deutsche das Kraftproblem innerhalb einer Woche lösen? Das Gute scheint, dass die Fitness wohl gar nicht das zentrale Hindernis darstellt. "Die Ergonomie ist ein Riesenthema. Sie entzieht einem Fahrer viel Energie, wenn sie nicht stimmt, oder kann dir ein gutes Gefühl und gute Balance auf dem Bike geben. Im Rennen habe ich nach so vielen Runden gemerkt, dass ich Muskelpartien beanspruche, die ich gar nicht beanspruchen sollte. Das ist ein Zeichen, dass ich verkrampft auf dem Bike sitze. Und das könnten wir vielleicht mit der Ergonomie in den Griff bekommen, denn ich bin doch ein wenig größer als der Rest [des Feldes, Anm. d. Red.]. Da könnten wir eine Lösung finden, beispielsweise mit einer anderen Sitzposition", erklärt der Ersatzpilot.
Richtige Sitzposition gesucht: Die Aufgabe für Jonas Folger und Tech3

Die Position auf dem Bike ist für jeden Rennfahrer essenziell. Auch Stammpilot Vinales hat stets viel an ihr experimentiert. Folger sieht in ihr eine Grundvoraussetzung, die nun geschaffen werden muss: "Ich hoffe, da einiges rauszuholen, wenn wir die Zeit dafür haben. Ich hoffe natürlich, dass wir da schnell etwas finden für das nächste Wochenende. Aber ich denke, das ist der nächste Schritt. Bevor wir etwas am Setup ändern, um mir in bestimmten Punkten ein besseres Gefühl zu geben, müssen wir erstmal die Ergonomie in den Griff bekommen." Alte Referenzwerte bringen übrigens wenig ein. Die letzten Ausfahrten Folgers fanden 2023 statt. Seitdem hat sich die KTM stark verändert.
Helfen können da nur weitere Sessions in Barcelona. 'Trockenübungen' sind nutzlos: "Es gibt keine Möglichkeit. Sich einfach nur draufzusetzen, bringt nicht viel. Ich muss das Motorrad bewegen und unter Last spüren." Rein technisch sollten aber genügend Lösungswege vorhanden sein: "Zum Beispiel Lenker, Sitz oder Tank verändern." Auch drei Jahre Abwesenheit ändern also nichts daran: Rennfahrer bleibt Rennfahrer, also wird jetzt gearbeitet in der Tech3-Box.
So wie Folger könnte wohl bald auch Fabio Di Giannantonio in orangener Lederkombi am Start stehen. Es sieht alles nach einem Wechsel des Italieners zu KTM aus:



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