Francesco Bagnaia schreibt in Le Mans die zweite Grand-Prix-Nullnummer in Serie. Wie schon in Jerez vor zwei Wochen sieht er das MotoGP -Ziel nicht. Sein bis dahin starkes Rennen endet in der 16. Runde auf Platz zwei liegend in Kurve drei. Was folgt, sind Szenen, wie man sie vom besonnenen Italiener eigentlich nicht kennt.
Francesco Bagnaia: Wutanfall nach Le-Mans-Sturz
Auf Amateurvideos ist zu sehen, wie Bagnaia beim Verlassen der Auslaufzone nach seinem Sturz zunächst Arbeitsmaterialien der Streckenärzte und dann auch noch eine Pylone per Fußtritt aus dem Weg befördert. Später zeigte das offizielle TV-Bild der MotoGP noch eine wutentbrannten Bagnaia, der wild gestikulierend aus der Ducati-Box stürmt. Da suchte sogar Team-Manager Davide Tardozzi, selbst Experte für Gefühlsausbrüche, das Weite.
Eine auf den ersten Blick nicht wirklich angemessene Reaktion Bagnaias, die sich aber durch seine Ausführungen in der später abgehaltenen Medienrunde durchaus erklärte. "Ich hatte eine gute Pace, konnte nach einem schlechten Start viele Fahrer überholen und dachte darüber nach, wie ich 'Bezz' knacken könnte. Ich habe im Rennen aber zunehmend das Vertrauen verloren. Ein Problem am Motorrad hat mich gebremst, ich habe versucht meine Pace zu halten und die Konsequenz war, dass ich das Vorderrad verloren habe."
Verständlicher Ärger bei Francesco Bagnaia: Jerez-Defekt wiederholt sich
Dass es ein Problem am Motorrad gab, war aber nicht der eigentliche Auslöser für Bagnaias Wutanfall. Was den Ducati-Star derart erzürnte, war die Tatsache, dass es sich um das exakt gleiche Problem handelte, das ihn schon vor zwei Wochen in Jerez zum Aufgeben zwang. "Ja. Ja. Ja", antwortete auf die Frage, ob es sich um dasselbe Problem handelte. Nach dem Spanien-GP hatte Bagnaia einen Defekt am Bremssystem als Grund für sein Ausscheiden angeführt. "Ich will nicht ins Detail gehen, aber es war kein menschlicher Fehler und hatte nichts mit uns zu tun", erklärte Bagnaia am Sonntag in Le Mans.
Sorgen, dass dieser Defekt nun auch am kommenden Wochenende in Barcelona auftreten könnte, machte er sich keine: "Wir haben die Ursache jetzt verstanden und ist bin zuversichtlich, dass wir für den nächsten Grand Prix eine Lösung haben werden." Was nach Bagnaias erstem Ärger blieb, war die Freude über deutliche Fortschritte in Le Mans: "Wir können aus diesem Wochenende viel Positives mitnehmen. Ich bin mit unserer Arbeit sehr zufrieden. Wir haben uns von Session zu Session gesteigert, die Pole Position geholt, hatten im Sprint eine sehr gute und auch im Rennen eine gute Pace. Ich glaube nicht, dass ich in der Schlussphase mit Jorge (Martin) mithalten hätte können, aber das Podium war definitiv möglich. Ich habe das Rennen heute trotz des Sturzes sehr genossen. Ich konnte endlich wieder pushen und kämpfen."
Francesco Bagnaia verliert in WM weiter an Boden
Die Belohnung für seine Fortschritte blieb aber freilich aus. Durch die erneute Nullnummer liegt Bagnaia in der Weltmeisterschaft wie vor dem Le-Mans-Wochenende nur auf dem neunten Rang. Sein Rückstand auf WM-Leader Marco Bezzecchi ist von 67 auf 83 Punkte angewachsen.
Im Kampf um die MotoGP-Krone 2026 muss Bezzecchi nun in erster Linie Teamkollege Jorge Martin fürchten. Das Aprilia-Duo trennt nach Martins perfektem Le-Mans-Wochenende nur noch ein Punkt. Die Mannschaft aus Noale beschwört den Teamfrieden, doch das gesamte Paddock fragt sich, wie lange dieser halten kann:



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