Mit Unfällen in Q3 und in der ersten Runde lieferte der WM-Führende Oscar Piastri in Baku das unrühmlichste Wochenende seiner Formel-1-Karriere ab. Teamchef Andrea Stella rückte danach zur Verteidigung aus: "Sogar bei den besten Fahrern der Geschichte, wie Michael Schumacher, habe ich solche Fehler gesehen." Grund genug, um mal eben die Geschichtsbücher zu bemühen.

Schließlich zeichnet es die großen Champions der Formel 1 an und für sich aus, dass sie sehr selten Fehler machen. Aber völlig fehlerlos? Das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Dass Stella übrigens Schumacher am Sonntagabend sofort bemühte, ist kein Zufall. Stella war einst bei Ferrari Performance-Ingenieur, als der Rekord-Champion seinen Total-Ausfall hatte.

Paradebeispiel Michael Schumacher: Der Bruchpilot von China 2004

2004 befand sich Michael Schumacher auf dem Zenit seines Schaffens in der Formel 1. Mit 12 Siegen in 15 Rennen war er als bereits gekrönter Weltmeister nach China gereist. Nach einem durchwachsenen Freitag schien mit einer Bestzeit im Abschlusstraining der Kurs wieder zu stimmen - doch auf seiner Qualifying-Runde passierte Schumacher ein völlig überraschender Dreher, er blieb ohne Zeit.

Dreher von Michael Schumacher im China-GP 2004
Schumacher in der falschen Richtung, Foto: IMAGO / HochZwei

Von der erwarteten Aufholjagd nach einem Boxengassen-Start war am Sonntag dann nichts zu sehen. Früh im Rennen kollidierte Schumacher schon mit dem Jaguar von Christian Klien. Es folgte wenige Runden später ein ungelenkter Dreher in Dirty Air, dann noch ein Reifenschaden. Ein zwölfter Rang mit einer Runde Rückstand war zu dem Zeitpunkt Schumachers schlechteste Zielankunft der Karriere. Immerhin: Auf der vorletzten Runde fuhr er mit 1:32,238 einen Renn-Rundenrekord, der heute noch gilt. Das nächste Rennen in Japan gewann Schumacher wieder.

Ungestümer Max Verstappen fabriziert in Monaco Kleinholz

Teenager Max Verstappen war in der Formel 1 jahrelang als ungestümer Fahrer verschrien, und es erscheint schon fast unfair, ihm Monaco 2016 vorzuhalten. Sein zweites Red-Bull-Rennen - andererseits hatte er den vorangestellten Grand Prix in Spanien gewonnen. Im Leitplankenkanal warf Verstappen aber die Nerven weg. Schon im Training hatte es sich in FP3 begonnen abzuzeichnen. Verstappen verbremste sich hoch zum Casino in Massenet und verbog sein Auto an der Leitplanke.

Max Verstappens beschädigter Red Bull nach dem Einschlag in der Schwimmbad-Schikane in Monaco
Verstappen im Schwimmbad, Foto: IMAGO / Thomas Melzer
Max Verstappen steigt nach Unfall am Casino aus seinem Red Bull
Verstappen am Casino, der Abschluss, Foto: IMAGO / HochZwei

Das war bloß ein Vorgeschmack. In Q1 versenkte Verstappen den Red Bull schon mit Ansage in der Schwimmbad-Schikane und musste nach Chassiswechsel aus der Box losfahren. Bei wechselhaftem Wetter arbeitete sich Verstappen im Rennen erst zwar langsam nach vorn, dann aber vertat er sich zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen in Massenet. Gleicher Fehler, noch schlimmeres Resultat: Diesmal brach die Aufhängung komplett, Verstappens Nuller mit Crash-Triple war perfekt.

Der jüngere Verstappen hatte gelegentlich noch ein paar kleinere Aussetzer. Mexiko 2019 war sicher nicht seine Sternstunde. Bei einer gelben Flagge ging er in Q3 nicht vom Gas, gab das unumwunden in der Pressekonferenz zu, und fand drei Plätze Grid-Strafe nicht gerechtfertigt. Auf der ersten Runde des Rennens geriet er erst mit Lewis Hamilton aneinander, dann schlitzte er sich im Duell mit Valtteri Bottas den Reifen auf, dann schoss er fast Kevin Magnussen ab. Der große Knall blieb aber aus.

Weltmeister können also durchaus einmal seltene Aussetzer haben. Wenngleich die Piastri-Leistung mit zwei so frühen Unfällen schon irgendwo für sich steht. Zumindest unter den Besten der Besten. Christian Danner würde dennoch für den Rest der Saison auf Nummer-1-Status für Piastri plädieren. Warum: