Über viele Jahre war Ducati zuletzt die bestimmende Kraft in der MotoGP. Zwischen 2023 und 2025 gewannen die Motorräder aus Borgo Panigale unfassbare 105 der insgesamt 123 ausgetragenen Rennen. Ende April 2026 wartet Ducati nun aber schon fünf Grands Prix in Folge auf einen Sieg - so lange, wie seit dem Portugal-GP Anfang 2021 nicht mehr. Es sei also die Frage erlaubt: Was lief da in den vergangenen Monaten schief beim langjährigen Dominator?
In der letzten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins äußerte unser Experte Tom Lüthi bereits einen brisanten Verdacht. Der 125ccm-Weltmeister von 2005 vermutete, dass Ducati eventuell den gleichen Fehler wie Honda zum Ende der 2010er-Jahre gemacht haben könnte und sich vom Talent eines Marc Marquez blenden lies. "Vielleicht hat Marc wirklich viel kaschieren oder überfahren können", analysierte er und scheint damit wohl einen guten Riecher gehabt zu haben.
Ducati-Piloten kritisieren: Motorrad nur noch für Marc Marquez fahrbar
Denn am Donnerstag vor dem Spanien-GP sprachen nun auch zwei aktuelle Ducati-Piloten erstmals offen darüber, dass da womöglich auf das falsche Pferd gesetzt wurde. Fabio Di Giannantonio, der 2026 bislang die besten Leistungen aller Desmosedici-Fahrer hinlegte, wurde am deutlichsten. Er klagte in seiner Medienrunde: "Es stimmt, dass die Entwicklung seit letztem Jahr etwas mehr in Richtung der Marc-Seite ging."
Dass ihm diese Tendenz nicht passt, offenbarte ausgerechnet ein Versprecher. Ehe Di Giannantonio im Englischen die "Marc-Side" [Marc-Seite, Anm.] anführte, sprach er von der "Dark-Side" - übersetzt also von der "dunklen Seite". Egal ob bewusst gewählt oder tatsächlich schlicht versprochen, diese Formulierung passt ins Bild. Seit der Ankunft Marc Marquez' im Ducati-Werksteam zum Saisonstart 2025 waren nur ihm konstant starke Leistungen auf der aktuellsten Version der Desmosedici gelungen. "Pecco, ich und die anderen Ducatis haben seither ein bisschen damit zu kämpfen", unterstrich auch Di Giannantonio nochmals.
Anschließend gab der VR46-Pilot zu, seit dieser Saison bewusst einen entgegengesetzten Weg zu gehen. Denn: "Wenn ich mit diesem Setup [von Marc Marquez] fahre, wenn ich mit diesem Ding fahre, dann bin ich nicht konkurrenzfähig. Ich bin nicht schnell, ich kann nicht sicher fahren und ich habe kein vorhersehbares Motorrad." Es fehle speziell an Gefühl für das Vorderrad - also genau jener Bereich, der im Vorjahr auch Francesco Bagnaia zur Verzweiflung trieb und 2026 für den schwachen Saisonstart von Alex Marquez verantwortlich ist. Bei 'Diggia' laufe es in dieser Saison nur deshalb besser, weil er und das VR46-Team nun bewusst andere Entscheidungen treffen würden: "Wir haben unseren eigenen Weg entwickelt, und der geht entgegen von Marc."

Francesco Bagnaia klagt: Ducati hat nicht mehr meine DNA!
Ducati scheint also tatsächlich in die 'Marquez-Falle' getappt zu sein. Das ließ am Donnerstag nämlich auch Bagnaia durchklingen. "Es ist eindeutig, dass die DNA der letzten beiden Motorräder nicht mehr zu meinen Ideen passt", übte der MotoGP-Weltmeister von 2022 und 2023 klare Kritik an Ducatis Entwicklungsabteilung um Technikguru Gigi Dall'Igna. "Dieses Jahr habe ich immerhin ein etwas besseres Gefühl für die Front, aber es ist schon merkwürdig. In der Vergangenheit war ich der Sonntagsmann und jetzt bin ich am Samstag mit dem kleinen Tank konkurrenzfähiger als mit dem großen einen Tag später. Das ist schwer zu verstehen."
Weil die Ducati-Piloten durch das fehlende Gefühl für die Front nicht hart genug bremsen und Geschwindigkeit in die Kurven mitnehmen können, müssen sie dieses fehlende Turning aktuell mit dem Heck kompensieren. Der Hinterreifen wird dabei jedoch so stark beansprucht, dass er über längere Distanzen jeglichen Grip verliert. Genau deshalb waren Di Giannantonio, Bagnaia und Co. zuletzt speziell am Sonntag so chancenlos gegen die Aprilias um Marco Bezzecchi. Das ist jedenfalls die Erkenntnis unserer umfangreichen Analyse nach dem USA-GP:
Doch was kann da nun getan werden, um wieder aus diesem Schlamassel herauszukommen? "Ducati muss hart arbeiten und verstehen, was passiert ist. Denn unser Motorrad war eigentlich immer ein super Motorrad, dass zu super Leistungen im Stande war. Das haben wir durch ein paar Veränderungen zuletzt aber etwas verloren", schickte Di Giannantonio erneut einen Seitenhieb in Richtung der Garage mit der Nummer 93. Für den Italiener ist klar: "Wir müssen wieder etwas zurückgehen und in die entgegengesetzte Richtung entwickeln."



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