Die Wachablösung in der MotoGP scheint gekommen. Nach jahrelanger Ducati-Dominanz hat nun Aprilia die ersten drei Rennen der Saison 2026 gewonnen und die klare Führung in allen WM-Wertungen inne. Das ist auch dem Experten von Motorsport-Magazin.com nicht entgangen.

Lange haben sich die neuen Spitzenreiter aus Noale in der Rolle des Außenseiters wohlgefühlt, doch nun haftet ihnen die Favoritenrolle fest an. Das stellt Tom Lüthi glasklar fest. "Ich glaube, das können sie nicht mehr abstreiten und von sich schieben. Sie haben definitiv aufgeholt und Ducati überholt. Das kann man jetzt wirklich sagen. An einem Rennwochenende in Austin mit Marc Marquez auf der Ducati hat Aprilia einen Doppelsieg geholt", äußerte sich der Schweizer in der neuesten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins. Hier könnt ihr sie euch ansehen:

Bezzecchi unterschätzt? Lüthi: Vor ihm muss man den Hut ziehen! (24:10 Min.)

Tom Lüthi: Erster Sektor in Austin zeigt überlegenes Handling der Aprilia

Doch was macht die Aprilia RS-GP derzeit so stark, dass ihre Piloten selbst den Ducatis im Rennen davonfahren können? "Es ist das Handling des Motorrads. Also das Turning in den Kurven, das funktioniert sehr gut. Und es ist natürlich immer die Balance des Motorrads. Die kommt nicht nur von der Aerodynamik oder nur von der Elektronik, sondern es ist immer ein Zusammenspiel", lobt Lüthi das Gesamtpaket des neuen Spitzenbikes.

Besonders der Auftritt in den USA beeindruckte. In einem besonderen Streckenteil wurde der Vorteil klar ersichtlich: "Das hat man in Austin gut beobachten können. Der erste Sektor dort ist sehr speziell. Ab Kurve 3 bis Kurve 7 gibt es jeweils schnelle Richtungswechsel. Es geht von links nach rechts, dann wird verlangsamt während diesen Richtungswechseln und danach wieder durchbeschleunigt. Es ist spezieller Sektor, der sehr schwierig zu fahren ist. Das neutrale Turning der Aprilia war dort sehr gut."

Die Aprilia besticht im Handling, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
Die Aprilia besticht im Handling, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Da konnte selbst der große Meister auf dem Circuit of the Americas nicht mehr mithalten: "Es gab ein Video, in dem Marco Bezzecchi mit Marc Marquez auf der Ducati übereinandergelegt wurde. Dort war es deutlich zu sehen, dass die Aprilia viel besser gedreht hat. So konnte Bezzecchi auch engere Linien fahren und schneller durch dieses Geschlängel durchkommen." Fairerweise sollte dabei erwähnt werden, dass Marc Marquez derzeit nicht bei vollen Kräften ist. Das ändert jedoch nichts daran, dass auch die anderen Ducati-Piloten davon berichten, wie viel besser die Aprilias um die Kurven kommen. Mehr zur Analyse aus Borgo Panigale gibt es hier:

Ducati zu spät aufgewacht? Lüthi: Marc Marquez hat viel kaschieren können!

Für Tom Lüthi drängt sich die Vermutung auf, dass diese Machtverschiebung schon länger im Gange war. Sie wurde nur durch den überragenden Fahrer der Königsklasse überdeckt: "Vielleicht hat Marc wirklich viel kaschieren oder überfahren können. Er hat auch gegen Ende des letzten Jahres noch so viele Erfolge geholt. Die Entwicklung ging natürlich schon früher los Richtung 2027 mit den ganzen Regeländerungen, aber trotzdem ist das Jahr 2026 für Ducati auch wichtig und sie wollten da sicherlich vorne dabei sein. Möglichst natürlich nicht nur mit einem Fahrer, sondern am besten mit allen. Und das gelingt ihnen zurzeit einfach nicht."

Sieger Marc Marquez (Ducati Lenovo Team)
Die Erfolge von Marc Marquez haben Ducati in Sicherheit gewogen, Foto: Tobias Linke

Gigi Dall'Igna und seine Leute haben sich also wohl etwas zu sehr vom Können ihres Superstars blenden lassen. Nur reicht dieses nun nicht mehr aus. "Ich glaube, dass Marc Marquez da lange viel überfahren konnte und jetzt ist das in Austin auch ihm nicht mehr gelungen. Jetzt sind sicher die Alarmglocken losgegangen in den Reihen von Ducati", stellt der Experte daher fest.

Sinnbild für Ducatis Probleme ist Marcs Bruder Alex Marquez. Der Vizemeister kam in der neuen Saison bisher noch nicht in Fahrt. Mehr dazu hier: