Austin sollte die Trendwende für Ducati werden, stattdessen verkam das dritte Rennwochenende der MotoGP-Saison 2026 aber endgültig zum Weckruf. Aprilia ist die neue Messlatte in der Königsklasse und Marc Marquez bei Weitem noch nicht wieder in Topform. "Ich kann den Unterschied nicht mehr ausmachen", hatte er nach Platz fünf im USA-Grand-Prix sogar selbst zugegeben. Aber ist die Lage um den 33-Jährigen aus Cervera vielleicht sogar noch viel dramatischer als öffentlich bekannt?

Andrea Dovizioso befürchtet: Marc Marquez geht's viel schlechter als gedacht

Ja, glaubt zumindest Marquez' langjähriger Titelrivale Andrea Dovizioso. "Meiner Meinung nach ist Marc's Situation viel ernster als gedacht", kommentierte der heutige Yamaha-Testfahrer in einem Interview mit dem italienischen Portal 'Moto.it' und begründete seine besorgniserregende Botschaft mit den Ereignissen vom vergangenen Wochenende: "Austin hat das endgültig bestätigt. An einem Ort, wo er den Unterschied hätte ausmachen sollen, konnte er das nicht."

Marc Marquez schaffte in Austin nur Platz fünf, Foto: Ducati Media
Marc Marquez schaffte in Austin nur Platz fünf, Foto: Ducati Media

Tatsächlich zählt der Circuit of the Americas neben dem Sachsenring und dem Motorland in Aragon zu den drei Paradestrecken von Marc Marquez. 2013 gewann er in Austin sein erstes MotoGP-Rennen überhaupt und ließ seither sechs weitere Siege folgen. Dreimal stürzte der Ducati-Werkspilot außerdem in Führung liegend - unter anderem im Vorjahr, als er nach acht Runden bereits 2,2 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Francesco Bagnaia herausgefahren hatte. Zur Einordnung: Marco Bezzecchi lag - die letzte Runde ausgenommen - am vergangenen Sonntag nie mehr als 1,3 Sekunden vor seinem ersten Verfolger Jorge Martin.

Dass Marquez nun zugeben musste, dass es 2026 auch ohne Longlap-Penalty bestenfalls zu einem Platz auf dem Podium, nicht aber dem Sieg gereicht hätte, treibt Dovizioso Sorgenfalten auf die Stirn. Der dreimalige MotoGP-Vizeweltmeister vermutet, dass die rechte Schulter Marquez größere Probleme bereiten könnte, als dieser öffentlich zugeben mag: "Marc ist einer der Fahrer, die sich nie beschweren und Ausreden suchen. Es ist also nicht ganz klar, wie es ihm wirklich geht und wie groß seine Probleme sind. Ich denke, dass die Lage viel ernster ist als gedacht."

Ducati auch in Austin machtlos! Aprilia zementiert MotoGP-Macht (09:18 Min.)

MotoGP-Sturz in Indonesien mit fatalen Folgen für Marc Marquez?

Ob Dovizioso richtig vermutet, könnte sich in knapp einem Monat zeigen. Bis zum nächsten MotoGP-Rennen in Jerez (24. bis 26. April) bleiben Marquez durch die Verschiebung des Katar-GPs in den November nun nämlich drei rennfreie Wochen, um sich zu rehabilitieren. Geht er dann auch beim Spanien-GP noch nicht in Topform auf die Strecke, könnte ihm tatsächlich eine harte und lange Saison bevorstehen. Denn beginnend mit dem Frankreich-GP folgen nach Jerez bis zur Sommerpause gleich sechs Grands Prix in acht Wochen.

Um dort nicht noch mehr Boden auf die Aprilias um Bezzecchi und Martin zu verlieren, sollte Marquez also möglichst in Bestform aus der aktuellen Rennpause zurückkommen. Tut er das nicht, sieht Dovizioso schwarz: "Er wurde letztes Jahr noch Weltmeister, aber ich glaube, dass er schon damals nicht mehr bei 100 Prozent war. Er hat körperlich noch viel aufzuholen. Vermutlich hat der Sturz in Indonesien die Limitierung in seinem Arm noch weiter verschlimmert. Und dafür gäbe es dann auch keine Lösung mehr."

Wie schätzt ihr die Lage um Marc Marquez ein? Sagt es uns in den Kommentaren! Wir haben derweil unseren Experten Tom Lüthi nach seiner Meinung zum aktuellen Zustand des Ducati-Stars befragt. Wie kritisch er die Situation einschätzt, erfahrt ihr in unserer neusten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins:

Bezzecchi unterschätzt? Lüthi: Vor ihm muss man den Hut ziehen! (24:10 Min.)