Die MotoGP-Saison begann 2026 ganz anders als im Vorjahr. Damals dominierte Marc Marquez die ersten Rennen als schnellster Mann im Feld und stellte damit klar: Der WM-Titel führt nur über ihn. Ein Jahr später ist nun Aprilia vorn, während der Titelverteidiger mit sich selbst zu kämpfen hat. Für den Experten von Motorsport-Magazin.com ist dies aber nicht nur eine Frage der Fitness.

Marc Marquez hatte nach dem Rennwochenende in Austin davon berichtet, nicht mehr den Unterschied machen zu können. Der Superstar führte vor allem körperliche Gründe an. Die Folgen seiner schweren Verletzung von Indonesien 2025 sind immer noch zu spüren und er nehme beim Fahren eine Art 'Schonhaltung' ein. Eine Erklärung, die unser Experte Tom Lüthi für plausibel hält. Allerdings sieht er in der neuesten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins auch noch ein anderes Problem beim Weltmeister. Hier könnt ihr euch die Folge ansehen:

Bezzecchi unterschätzt? Lüthi: Vor ihm muss man den Hut ziehen! (24:10 Min.)

Tom Lüthi: Marc Marquez verkrampft, aber auch übermotiviert gestürzt

Die körperliche Einschränkung des Weltmeisters sei als Beobachter von außen nicht zu erkennen, aber dennoch ein entscheidender Faktor: "Auf dem Motorrad muss man mit dem Oberkörper relativ locker sein. Logischerweise muss Körperspannung da sein, aber man muss dann doch das Gewicht verlagern, nach links und rechts. Man muss ständig in Bewegung sein. Und wenn jetzt irgendwo eine Verletzung vorhanden ist oder Schmerzen da sind, dann kommt natürlich eine gewisse Steifigkeit in den Körper und man ist ein bisschen verkrampft. Eine gewisse Schonhaltung ist dann da. Und das kann die Fahrtechnik schlussendlich einschränken."

Die Nummer 93 hatte davon berichtet, wie schwer ihr die schnellen Richtungswechsel im ersten Sektor ihrer Paradestrecke in den USA gefallen waren. Dies passt mit Lüthis Einschätzung zusammen, doch sieht der Schweizer darin nicht die einzige Baustelle. Marc Marquez war wohl übermotiviert: "Ich glaube nicht nur an die körperlichen Probleme. Es sieht schon so aus, dass der Marc auch mit der Einstellung nach Austin ging: Das ist meine Strecke! Wenn nicht dort, wo dann? Mit dem Sturz im FP1 direkt am Anfang hat er sich weit zurückgeworfen. Da musste er erst mal wieder den Rhythmus finden über das Wochenende. Den hat er dann nie wirklich gefunden."

Marc Marquez fuhr nach seinem Sturz bandagiert, Foto: IMAGO / Newscom World
Marc Marquez fuhr nach seinem Sturz bandagiert, Foto: IMAGO / Newscom World

Diggia abgeräumt: Marc Marquez wollte Erfolg auf Paradestrecke Austin erzwingen

Für Lüthi stellte das keine Überraschung dar. Es sei ein üblicher Vorgang im Kopf eines Motorradfahrers: "Wenn man als Fahrer auf eine Strecke kommt, wo man Erfolge hatte und weiß, man ist stark auf dieser Strecke, dann ist da natürlich eine gewisse Extra-Motivation und man will wieder gewinnen. Wenn dann das Paket nicht passt oder irgendwas funktioniert nicht ganz, dann versucht man es vielleicht doch ein bisschen zu erzwingen. Das ist wirklich eine Gratwanderung, denn dann sind sehr schnell Fehler passiert und Stürze da, die einen umso weiter zurückwerfen." Tatsächlich gestand Marquez nach seinem heftigen Abflug im 1. Freien Training, dass er die jedes Jahr weiter ausgeprägten Bodenwellen des Circuit of the Americas noch nicht richtig eingeschätzt hatte und trotzdem pushte.

Marc Marquez stürzt und räumt Fabio Di Giannantonio mit ab
Marc Marquez räumte Di Giannantonio ab, Foto: IMAGO / PsnewZ

Zur Zurückhaltung führte das Erlebnis des Abflugs aber nicht. Im Sprint sah der Spanier dann wohl auch seine Stellung als Ducati -Speerspitze gefährdet. "Er musste dann die Brechstange auspacken und im Sprint war dann eigentlich interessant zu beobachten, dass 'Diggia' [Fabio Di Giannantonio] ihn überholt hat. In Kurve 7 ist er ihm da wirklich sehr sauber reingestochen, hat ein schönes Manöver gezeigt. Marc hat ihn dann in seinen Kopf gelassen, wollte daraufhin sofort attackieren und einen Konter setzen. Und das war dann einfach zu viel", interpretierte Lüthi den Vorfall im Sprint, der Marquez völlig zurecht eine Longlap für den Grand Prix einbrachte.

Tom Lüthi warnt den MotoGP-Weltmeister: Brechstange führt zu mehr Fehlern!

Es zeigt sich ein Gesamtbild: Marc Marquez scheint schwer akzeptieren zu können, dass er derzeit nicht der bestimmende Fahrer ist. Die Aprilias sind schneller und auch Fabio Di Giannantonio forderte ihn zuletzt zweimal in Folge heraus. Für Lüthi macht es sich der Titelverteidiger damit aber nur noch schwerer. "Es war wirklich so zu beobachten: Er will es mit der Brechstange. Er muss dann das Motorrad auf gewisse Art und Weise überfahren und dadurch passieren einfach mehr Fehler", meint der Schweizer.

Während Tom Lüthi also zu viel Brechstange bei Marc Marquez sieht, so befürchtet Ex-Rivale Andrea Dovizioso , dass der körperliche Zustand des Weltmeisters noch schlimmer ist, als dieser zugeben möchte: