Alex Marquez ist der große Verlierer des MotoGP-Saisonstarts, das zeigt ein Vergleich der ersten drei Rennwochenenden der Jahre 2025 und 2026 eindeutig. Neben dem kriselnden Gresini-Piloten gibt es aber auch noch einen weiteren Fahrer, der den Erwartungen in der laufenden Saison bislang deutlich hinterher hinkt: Franco Morbidelli.

Lediglich 14 Punkte sammelte der dreifache MotoGP-Rennsieger bisher und ganze acht davon gleich beim Saisonauftakt in Thailand. Dort hatte Morbidelli das Qualifying und speziell beide Rennstarts vermasselt, anschließend aber zumindest gute Rennpace offenbart. Knapp fünf Sekunden holte er in der zweiten Rennhälfte des Grands Prix noch auf Fabio Di Giannantonio und Francesco Bagnaia auf, war in dieser Phase schnellster Ducati-Pilot neben Marc Marquez. Was Hoffnung für das Heimspiel in Brasilien machte, verpuffte aber schnell. In Goiania und auch eine Woche später in Austin stimmten weder Qualifying- noch Rennpace. Die Plätze 15, 16, 12, 20, 13 und 14 sprechen Bände.

In Austin fuhr Franco Morbidelli weit hinten umher, Foto: VR46 Media
In Austin fuhr Franco Morbidelli weit hinten umher, Foto: VR46 Media

Franco Morbidelli in der MotoGP-Krise: Lösung nicht in Sicht

Die Enttäuschung im VR46-Lager ist daher groß - besonders, weil Morbidelli zwölf Monate zuvor noch so stark in die Saison gestartet war. 2025 lag er nach den ersten drei Rennwochenenden des Jahres mit 55 Punkten auf WM-Rang vier und hatte es in Argentinien bereits einmal auf das MotoGP-Podium geschafft. Nun könnte der 31-jährige Römer davon kaum weiter entfernt sein - und das, obwohl er weiterhin auf der Ducati GP24 sitzt. Auf das Aeropaket der GP25 wurde nach den Wintertests bewusst verzichtet, nur wenige Teile des Weltmeistermotorrads von Marc Marquez übernommen.

Offenbar genügen diese dezenten Veränderungen aktuell aber schon, um das Gefühl für die Desmosedici völlig zu verändern. "Das Motorrad fühlt sich deutlich schlechter an als letztes Jahr. Ich habe überhaupt keinen Grip mehr am Heck", ärgerte sich Morbidelli nach dem Grand Prix in den USA und fasste kurz und knapp zusammen: "Es war ein hartes Wochenende. Das einzig Positive ist, dass es von Tag zu Tag zumindest etwas besser wurde."

Eine Idee, wie es beim kommenden Rennwochenende in Jerez (24. bis 26. April) wieder nach vorne gehen soll, scheint es aber nicht zu geben. "Wir versuchen alles mit Franco", zeigte sich Teamdirektor Alessio Salucci in Austin bereits etwas ratlos. Der gute Kumpel von Teambesitzer Valentino Rossi gestand aber auch, dass auch das Team einige Fehler gemacht hätte und gab sich daher kämpferisch: "Wir werden das gemeinsam durchstehen."

Teamdirektor verrät: VR46 plant 2027 ohne Franco Morbidelli

Das Verhältnis ist teamintern also noch intakt, aber Morbidellis Formkrise scheint dennoch zu einem ganz schlechten Zeitpunkt zu kommen. Auch wenn die offiziellen Verkündungen weiter auf sich warten lassen, sind viele Würfel auf dem MotoGP-Transfermarkt in den vergangenen Wochen bereits gefallen. Und besonders brisant für Morbidelli: VR46 scheint sich ab 2027 die Dienste von Ducati-Toptalent Fermin Aldeguer gesichert zu haben. Damit bliebe bei den Neongelben nur noch ein Platz frei, und der scheint jetzt an Stallgefährte Di Giannantonio zu gehen.

"Wir sind an Fermin interessiert, das haben wir nie verheimlicht. Er ist ein fantastischer Fahrer und erst 21 Jahre alt. Wir mögen ihn sehr und 'Diggia' stand nie zur Debatte", verriet Salucci am Rennsonntag in Austin im Gespräch mit 'Sky Italia'. Die Nummer 49 überzeugt 2026 bislang auf ganzer Linie, fuhr bereits zwei Pole Positions und zwei Podien (je einmal Sprint und Grand Prix) ein. 50 Punkte und WM-Rang vier machen Di Giannantonio zum derzeit bestplatzierten Ducatisti. Kein Wunder also, dass Saluccio weiter kundtat: "Der Plan war es immer, mit ihm weiterzumachen. Wir werden ihm bald ein Angebot unterbreiten."

Fabio Di Giannantonio (re.) soll bei VR46 bleiben, Franco Morbidelli (li.) nicht, Foto: VR46 Media
Fabio Di Giannantonio (re.) soll bei VR46 bleiben, Franco Morbidelli (li.) nicht, Foto: VR46 Media

Schlechte Neuigkeiten für Morbidelli, denn dessen Zeit in der MotoGP könnte im Winter 2026 dann nach neun Jahren zu Ende gehen. Ein Interesse anderer Hersteller oder Teams ist aktuell nicht bekannt und mit der aktuellen Form betreibt der Vizeweltmeister von 2020 auch gewiss keine Eigenwerbung. In der MotoGP weitergehen könnte es für ihn wohl nur, wenn Di Giannantonio das VR46-Angebot ausschlagen sollte. Einen echten Grund dafür gibt es inzwischen aber nicht mehr. Denn Yamaha, denen ein Interesse am 27-Jährigen nachgesagt wurde, hat sich mittlerweile für Ai Ogura entschieden - und damit dürften sich auch die letzten Hoffnungen Morbidellis auf einen Verbleib in der Königsklasse zerschlagen haben, zumindest als Stammfahrer.

Womöglich könnte sich in diesen Tagen aber eine Tür als Vollzeit-Ersatzfahrer geöffnet haben. Hier forciert die MotoGP gerade nämlich eine neue Regel nach Formel-1-Vorbild. Mehr dazu im nachfolgenden Video! Was meinst Du: Sehen wir Franco Morbidelli 2027 noch in der Königsklasse? Sag uns deine Meinung in den Kommentaren!

MotoGP fordert neue Ersatzfahrerregel: Wer macht den Job? (08:34 Min.)