Weil Hersteller und MotoGP sich immer noch nicht auf einen neuen Fünfjahresvertrag geeinigt haben, bleiben die geschlossenen Verträge der Piloten weiter unbestätigt. Doch hinter den Kulissen geht es weiter rund auf dem Fahrermarkt. Die neueste Entwicklung kommt aus dem Nichts, passt aber in eine Karriere voller mutiger Entscheidungen.
Nicht Marini oder Di Giannantonio: Yamaha sichert sich die Dienste von Ai Ogura!
Wie der stets gut informierte Kollege Oriol Puigdemont von 'Motorsport.com' erfahren hat, ist Yamaha ein Coup gelungen. Für den Platz neben der bereits feststehenden Starverpflichtung von Jorge Martin waren in der Gerüchteküche die Namen Luca Marini und Fabio Di Giannantonio hoch im Kurs. Keiner von beiden wird es werden. Stattdessen wurde ein Pilot vom derzeit besten Bike auf das klar schwächste - inklusive V4-Dramen noch und nöcher - gelockt. Wie es um Yamaha steht, lest ihr hier:
Dass Ai Ogura als Japaner für die beiden Hersteller aus dem Land der aufgehenden Sonne interessant ist, war seit jeher klar. Doch der Moto2-Weltmeister von 2024 hatte in seiner Karriere bereits mehrere überraschende Entscheidungen getroffen, die klar suggerierten, dass bei ihm Erfolg über der Verbindung zur Heimat steht. Nun überrascht er erneut, wenn er Aprilia-Kunde Trackhouse verlässt und sich ab 2027 dem schwächelnden Yamaha-Werksteam anschließt.
MotoGP-Aufstieg mit Honda abgelehnt: Ai Oguras ungewöhnlicher Karriereweg
Ogura ist dafür bekannt, seinen eigenen Weg zu gehen - und nicht den des kleinsten Widerstands. Ursprünglich war der 25-Jährige ein Honda-Mann. Er durchlief die Nachwuchsklassen im Honda Team Asia und kämpfte 2022 um den Titel in der Moto2. Bereits damals hätte er es in die Königsklasse schaffen können. Den Platz als Nachfolger von Takaaki Nakagami bei LCR Honda lehnte er jedoch ab.

Nach einer - aufgrund einer im Training gebrochenen Hand - schwierigen Saison 2023, traf er die nächste Entscheidung gegen den Strom. Er verließ das Honda Team Asia und ging zu MSi. Ein doppelter Wechsel: Vom asiatischen in ein europäisches Team und von Kalex auf Boscoscuro. Ogura traf damit voll ins Schwarze und sicherte sich auf Anhieb den Titel der mittleren Klasse.
Ogura pfiff auf Japan-Connection: Bewusst für besseres Motorrad entschieden
Die erfolgreiche Saison öffnete wieder die Tür in die MotoGP. Und erneut ging Ogura den überraschenden Weg. Die roten Teppiche bei Honda waren immer noch ausgerollt, doch er unterschrieb bei Trackhouse Racing. Sportlich gesehen wieder die richtige Entscheidung. Das erste Podium auf der Aprilia ist nur eine Frage der Zeit, während die Honda mittlerweile zwar etwas verbessert, aber definitiv kein Spitzenmotorrad ist.
2024 begründete er seine Abkehr von Honda dezidiert mit der sportlichen Aussicht: "Um in die MotoGP aufzusteigen, musste ich meine Entscheidung auf der Grundlage dessen treffen, was ich sehe – also der Tabellenstände. Das ist mein einziges Kriterium, und Aprilia liegt vorne. Aus der Sicht eines Fahrers trifft man seine Entscheidung immer unter Berücksichtigung der Frage, welches Motorrad stärker ist. So bin ich zu meiner Entscheidung gekommen."

Keine Aufstiegschance bei Aprilia: Warum Oguras Yamaha-Wechsel sich lohnen kann
Nun scheint er diesen Grundsatz aber zu verwerfen, denn niemand glaubt wirklich daran, dass Yamaha unter dem neuen Regelwerk von 2027 sofort ein besseres Paket als Aprilia auf die Beine stellen kann. Als viel zu groß erwiesen sich bisher die Probleme mit dem neuen V4-Motor. Dieser gewaltige Erfahrungsrückstand wird in ein paar Monaten nicht aufzuholen sein. Ai Ogura muss sich kurz- und mittelfristig auf einen klaren sportlichen Abstieg einstellen.
Langfristig kann diese Entscheidung für die Karriere des Japaners aber dennoch Sinn ergeben. Bei Aprilia gibt es im Werksteam keinen Platz. Marco Bezzecchi ist gesetzt und Francesco Bangnaia wird an seine Seite geholt. Da ginge die Tür frühestens 2029 auf. So hat der Japaner nun einen der begehrten Werksplätze inne, inklusive deutlich höherem Gehalt als beim Kundenteam. In gewisser Weise bleibt sich Ai Ogura damit sogar treu. Er wählt nicht den offensichtlichen Weg, sondern sucht seine Chance mit Weitblick. Allein diese Vorgehensweise hat ihn überhaupt in die Position gebracht, nun ein MotoGP-Werksfahrer zu werden. Ob er damit erneut richtig liegt, wird die Zeit zeigen. Bisher war seine Trefferquote allerdings hervorragend.
Was meint ihr? Ist Ai Oguras Wechsel zu Yamaha eine große Chance oder ein zu großes Risiko? Sagt es uns in den Kommentaren.



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