In Hollywood lieben sie Drama, doch dieses hätten sich die Fans in den USA wohl gerne erspart. Ai Ogura pflügte im Grand Prix von Austin mit der Stars-and-Stripes-Speziallackierung von Heimmannschaft Trackhouse durch das Feld. Das Podium war fast schon gebucht, doch dann gab seine Aprilia den Geist auf. In gewaltiger Enttäuschung aufgelöst, blieb dennoch eines festzuhalten: Der erste Pokal für den Japaner ist einzig mehr eine Frage der Zeit.
Trost von Diggia: Ai Ogura nach Defekt in Austin niedergeschlagen
"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es tut mir so leid für mein Team. Alle bei Trackhouse haben so hart gearbeitet an diesem Wochenende. Dass es auf diese Art endet, haben wir nicht verdient. Es ist schade", dachte der Betroffene im Interview zuerst an den zerstörten Traum seiner Mannschaft. Das ehrt ihn, doch auch Ogura selbst war am Boden zerstört. Sogar Ducati-Konkurrent Fabio Di Giannantonio fühlte sich genötigt, ihn aufzumuntern. "Du bist fantastisch gefahren, ich habe großen Respekt vor dir", richtete sich der Italiener an den 25-Jährigen.
Doch nichts konnte ihn in diesem Moment aufheitern. "Fragt mich nicht, was passiert ist. Als Fahrer weiß ich das nicht", teilte uns Ogura sofort mit, den Grund für seinen Ausfall nicht zu kennen. Auch Tage später ist die genaue Ursache unter Verschluss. Ein Sensor erkannte ein Motorproblem und die Software schaltete daher in einen Sicherheitsmodus zum Schutz des Aggregats. Damit war die Leistung abgedreht und alle Chancen dahin. Ogura tuckerte zur Box zurück.
Sensation beim Heimrennen geht verloren: Aprilia-Boss entschuldigt sich bei Trackhouse
Dort hingen die Köpfe. "Wir sind ziemlich niedergeschlagen und versuchen nun, weiterzumachen. Ai Ogura ist ein fantastisches Rennen gefahren. Er fuhr die schnellste Runde des Rennens, holte vom 10. Startplatz auf und ich glaube, wir hätten es auf's Podium schaffen können", meinte Teamchef Davide Brivio.

Das Drama ging so weit, dass es selbst Aprilia-Boss Massimo Rivola für nötig hielt, sich nach einem Doppelsieg des eigenen Werksteams zuallererst bei der Kundenmannschaft zu entschuldigen: "Wir können nicht völlig zufrieden sein mit diesem Wochenende. Was bei Ai Ogura passierte, ist einfach enttäuschend. Es tut mir sehr leid für ihn, für das Team, für Justin [Marks, der Teambesitzer, Anm. d. Red.] und für Davide. Es zeigt, dass es immer noch Verbesserungsbedarf gibt. Wir hatten die Chance auf drei Aprilias auf dem Podium. Wenn du eine solche Möglichkeit hast, dann musst du sie auch ergreifen können." Mehr zur aktuellen Stärke der RS-GP gibt es in unserem Video zum US-Grand-Prix:
Auch Ogura ist sicher, dass er seinen ersten Pokal beim Heimspiel seines Teams eingesammelt hätte: "Ja, wenn man sich das Resultat ansieht. Pedro [Acosta, am Ende Drittplatzierter, Anm. d. Red.] hat mehr als vier Sekunden auf Bezz [Sieger Marco Bezzecchi, Anm. d. Red.] verloren. Unsere Pace hätte ausgereicht, um es auf das Podium zu schaffen." Sein Niveau erreichte einen neuen Höhepunkt: "Es war vermutlich das erste Mal, dass meine Pace der des Siegers entsprach. Also war das wohl meine beste Leistung bisher."
Erstes MotoGP-Podium für Ogura nur Frage der Zeit: Alex Marquez beeindruckt
Das führt uns zu dem Gedanken, der bei aller Enttäuschung zählt. Im Paddock hat Keiner mehr einen Zweifel: Die Frage lautet nicht mehr ob, sondern wann der Japaner seinen ersten Podestplatz in der Königsklasse einfahren wird. Dass es noch nicht passiert ist, kann neben dem Pech in Austin vor allem mäßigen Qualifyings zugeschrieben werden, denn im Rennen gibt es für Ogura immer nur eine Richtung: Nach vorn - und das oft in riesigen Schritten.
"Ich habe viel Zeit auf der Bremse rausgeholt", berichtet er, warum ihm Überholmanöver scheinbar so viel leichter fallen als vielen seiner Kollegen. Aber auch am Kurvenausgang und im Reifenmanagement besticht der Moto2-Weltmeister von 2024. "Er überholte mich und ich pushte für die nächsten drei Kurven. Dann hob ich den Kopf und dachte mir: Wo ist der denn hin? Da wusste ich: Wenn der so eine Lücke sofort rausfährt, dann schlägt der auch die Jungs an der Spitze. Das war beeindruckend", berichtete Vizemeister Alex Marquez davon, wie er komplett stehengelassen wurde. Seiner Prognose kam dann der Defektteufel zuvor.

Doch wann ist es so weit? Davide Brivio meint, wohl nicht mehr lange warten zu müssen: "Ich spüre, dass es kommen wird. Schaut euch die Leistung an, die Ai in diesen ersten drei Rennen gezeigt hat. Er war immer unter den Top-Fünf. Diesmal hätte es sogar noch besser sein können. Wir machen jetzt einfach weiter. Das Motorrad ist konkurrenzfähig und Ai ist in guter Form." Und auch Ogura selbst ist bewusst, dass er hier zwar eine herbe Enttäuschung erlebte, aber eben nicht eine einmalige Chance verlor. "Das Bike gibt mir viel Vertrauen", weiß er um künftige Gelegenheiten. Nach Marco Bezzecchi, Jorge Martin und Raul Fernandez wird auch die vierte der starken Aprilias wohl bald an der Siegerehrung teilnehmen.
Was sagt ihr? Holt sich Ai Ogura bald sein erstes Podium? Sagt es uns in den Kommentaren.



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