Ferrari startet 2026 ohne gigantisches Launch-Event in die neue Ära. Per kurzem Video und Presseaussendung wurde am 23. Januar um 11:30 Uhr der SF-26 für die Formel-1-Saison 2026 enthüllt, zeitgleich fuhr das Auto auf der Haus-Strecke in Fiorano ein kurzes Rollout. Technisch bestätigt Ferrari dabei gleich die schon seit dem Vorjahr kursierenden Gerüchte über die Aufhängung des neuen Autos.

In Sachen Lackierung knüpft der SF-26 dafür am Vorjahr an und versucht, das mit dem klassischen Ferrari-Rot eher schwierig in Einklang zu bringende Blau des Titelsponsors HP mit mehr Weiß abzufedern. Populär war die Vorjahres-Lösung nicht gewesen. So versuchen die Lackierungs-Designer für 2026 neue Formen.

Angelehnt haben sie sich dabei an der Spezial-Lackierung des Teams beim Italien-GP 2025. Diese war wiederum inspiriert gewesen von den 1970er-Designs der Scuderia, mit denen unter anderem Niki Lauda Siege und Titel gefeiert hatte.

Die Präsentation des Ferrari-F1-Autos 2026 im Stream verfolgen (01:00 Min.)

Der SF-26 weckt definitiv Erinnerungen an diese alten Designs. Rot als Hauptfarbe, eine weiße Airbox und Cockpit-Umfassung, die Trennung zwischen Rot und Weiß wird durch einen zusätzlichen roten Strich hervorgehoben. Außerdem verzichtet Ferrari erstmals seit sieben Jahren bei der Formel-1-Lackierung wieder auf matte Farben und setzt stattdessen auf Hochglanz.

Ferrari bestätigt Spekulationen um Aufhängungs-Konzept

Weil Ferrari-Kunde Haas sein Auto schon präsentierte, war das Aufhängungskonzept bei Ferrari keine große Überraschung mehr. Dennoch, jetzt gibt es Gewissheit: Nach einem mäßig erfolgreichen Experiment 2025 mit Pullrods an der Vorderachse wechselt Ferrari zurück auf Pushrods.

Der neue SF-26
Die Frontpartie des neuen Ferrari SF-26, Foto: Ferrari

Außerdem interessant an der Vorderachse: Der obere hintere Querlenker wandert weit nach unten. Eine ähnlich extreme Variante konnte man in der Vorsaison bei McLaren sehen. Dadurch entsteht ein starkes Anti-Dive-Verhalten. Das Auto federt beim Bremsen vorne kaum ein.

Auch an der Hinterachse gibt es einen Wechsel: Dort verabschiedet sich die Scuderia aber erstmals seit 15 Jahren von Pullrods und wechselt wie vorne auf Druckstreben. An der Hinterachse war Ferrari zuletzt der einzige Hersteller, der noch auf Zugstreben setzte.

Aerodynamisch auffällig ist die kantige Nase und die langen Pylonen, die das Hauptblatt des Frontflügels mit der Nase verbinden. Die Floorboards verbindert Ferrari gleich über zwei kleine Streben mit dem Chassis. Das dürfte nicht nur strukturelle Gründe haben.

Der neue SF-26
Die Heckpartie des neuen Ferrari SF-26, Foto: Ferrari
Der neue SF-26
Der neue Ferrari SF-26 von oben, Foto: Ferrari

Die Seitenkästen wirken recht unspektakulär. Die Einlässe sind hoch, sodass eine starke Unterschneidung möglich ist. Die Seitenkästen fallen nach hinten zwar ab, führen die Luft aber nicht komplett bis an den Unterboden.

Spannender ist es eine Etage höher: Die Motorabdeckung fällt sehr eng aus, die Airbox bleibt im Vergleich mit der Konkurrenz winzig. Durch das Verbot der variablen Ansaugtrichter ist dieser Bereich nun extrem schmal. Dadurch wirkt die Finne auf der Motorabdeckung, die oben gezackt ist, gigantisch.

Viele Ressourcen für neuen Ferrari - aber was kann der Motor im SF-26?

Die Erwartungen in den SF-26 könnte man durchaus höher ansetzen. Schließlich hatte Ferrari im Vorjahr schon sehr früh die Ressourcen auf 2026 verschoben, als klar geworden war, dass 2025 nicht mehr viel zu holen sein würde. Andere Teams hatten noch deutlich länger am Vorjahresauto entwickelt.

Doch natürlich hängt 2026 vieles auch von der Power Unit ab, nicht nur vom Chassis. So bleibt Ferrari öffentlich bei der Präsentation sehr zurückhaltend. "Die 2026er-Saison ist eine riesige Herausforderung für alle, und für mich wohl die größte Regeländerung, die ich in meiner Karriere erlebt habe", meint Lewis Hamilton.

Implodiert Ferrari 2026? Danner: Neuer Teamchef reicht nicht! (04:45 Min.)

Die einzigen offiziellen Ziele sind also: testen, Auto verstehen, Basis schaffen, Fortschritte machen. Der nach dem durchwachsenen Vorjahr unter Feuer gekommene Teamchef Fred Vasseur versichert: "Das Team zieht an einem Strang und im Hinblick auf die neue Saison geeinter denn je."

Einige von Ferraris Konkurrenten haben in den letzten Tagen schon präsentiert. Darunter Mercedes - mit ihrem kolportierten Motoren-Trick? Alles zum Mercedes-Launch gibt es hier: