24 Prozent der Anteile des Formel-1-Teams von Alpine stehen zum Verkauf und die Interessenten dieser Anteile sind keine Unbekannten. Nicht nur Christian Horner hat jenen Teil des F1-Rennstalls, den bislang die US-Investmentfirma Otro Capital hält, im Visier, sondern auch niemand Geringeres als Mercedes.

Im März bestätigte Alpines de-facto-Teamchef Flavio Briatore das Interesse des achtfachen Weltmeister-Teams in einer Pressekonferenz. Bei der Konkurrenz würde eine potenzielle Übernahme aber auf nicht allzu viel Gegenliebe stoßen, da sie ein Problem aufwerfen würde, das an anderer Stelle seit Jahren regelmäßig für hitzige Diskussionen sorgt, nämlich die Unabhängigkeit von F1-Teams untereinander.

"Ich lehne das ab": Zak Brown reagiert deutlich auf Mercedes-Alpine-Idee

McLaren-CEO Zak Brown zeigte sich in der Vergangenheit als Hauptkritiker für geteilte Eigentumsverhältnisse und bleibt dieser Linie auch treu. Er stellt sich deshalb auch klar gegen eine Übernahme der Alpine-Minderheitsanteile durch den aktuell Führenden in der Konstrukteurs-Meisterschaft der Formel 1. "Gemeinsame Eigentümerverhältnisse von A- und B-Teams - unabhängig davon, wer es ist - lehne ich ab", stellte er im Rahmen einer Medienveranstaltung in Woking kategorisch klar, nachdem er konkret nach der Situation zwischen Mercedes und Alpine gefragt worden war.

"Von A- und B-Teams müssen wir so sehr wie möglich, so schnell wie möglich, wegkommen", ist für ihn glasklar und er verweist darauf, dass es in "fast allen, wenn nicht allen, großen Sportarten" nicht erlaubt sei, zwei konkurrierende Mannschaften gleichzeitig zu besitzen. "Alle elf Teams sollten so unabhängig wie möglich sein, denn ich denke, es besteht immer ein großes Risiko, dass die Integrität des Sports kompromittiert wird", warnt er.

Das eindeutigste Beispiel solch einer Abhängigkeit sind Red Bull Racing und die Racing Bulls, die beide vollumfänglich dem Energy-Drink-Konzern angehören. Mit dieser Partnerschaft hat Brown inzwischen seinen Frieden gefunden, darüber hinaus solle aber eine strikte Grenze gezogen werden. "Es [den Anteil an B-Teams, d. Red] auszubauen, wäre ein Fehler für den Sport", ist Brown überzeugt.

McLaren-CEO zieht rote Linie: Power Units sollten die Grenze sein

Neben Red Bull und den Racing Bulls steckt Brown auch andere Beispiele aus den letzten Formel-1-Jahren in dieselbe Schublade. Etwa Racing Point (heute: Aston Martin) und Mercedes 2020, als die Silverstone-Mannschaft mit einem 'pinken Mercedes' für Schlagzeilen sorgte, und für den Nachbau der Bremskühlung auch mit einem Punkteabzug bestraft wurde.

Oder aber an die Zusammenarbeit von Haas und Ferrari, im Zuge derer Brown eine hohe Personal-Fluktuation zwischen den beiden Teams ausgemacht habe. "Power-Unit-Lieferanten zu haben, ist die Grenze, bis zu der man gehen sollte", zieht der Vertreter des Mercedes-Kundenteams einen klaren Strich.

Der US-Amerikaner schoss in den letzten Jahren mehrmals scharf gegen die Red-Bull-Kooperation, als sich das Topteam der Bullen noch in der Hand von Christian Horner befand. Mit der aktuellen Teamführung hat Brown seiner eigenen Aussage zufolge aber auf einer guten Vertrauensbasis zusammengefunden. "Ich hatte sehr viele Gespräche mit Laurent [Mekies]. Er geht sehr offen und transparent damit um", stellte der McLaren-Vertreter fest.

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Aus historischen Gründen findet Brown deshalb, dass man den Status Quo in diesem Fall beibehalten könne, wobei auch das in der Vergangenheit in Frage stand. "Es gab Diskussionen im Rahmen des letzten Concord-Agreements, ob eines der Teams im Laufe der Zeit veräußert werden müsse", berichtete der McLaren-CEO, fügte aber hinzu: "Ich wertschätze, was sie für den Sport getan haben und das vor langer Zeit. Also solange es gut gemanagt und beobachtet wird [ist es in Ordnung]."

Red Bull hatte 2006 das italienische Traditionsteam Minardi übernommen, das sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation befand, und es anschließend zu einem eigenen Nachwuchsteam umfunktioniert, das aber am selben Standort blieb. Auch heute noch haben die Racing Bulls ihren Hauptsitz in Faenza, auch wenn einige Abteilungen von Großbritannien aus arbeiten.

Im Moment gibt es für McLaren ohnehin keinen Anlass, den Konflikt mit Red Bull Racing zu suchen. Denn das Team rund um Max Verstappen hat mit vielen eigenen Problemen zu kämpfen und hat mit der Spitze wenig zu tun. Auf eines davon reagierten die Bullen nun.