Wenn es um die Profiteure der Formel-1-Transferwelle geht, fällt sofort der Name McLaren. Das Team rund um Andrea Stella und Zak Brown agierte zuletzt als "Staubsauger" für Top-Talente. Red Bull Racing musste hingegen in den vergangenen 24 Monaten einen heftigen Aderlass verkraften.

Jüngstes Mahnmal der Bullen-Krise: Max Verstappens engste Vertrauensperson am Funk, Gianpiero Lambiase, folgt dem Ruf aus Woking. Ein herber Schlag für die Stabilität beim Weltmeisterteam. Doch wie sieht es bei den anderen Rennställen aus? Motorsport-Magazin.com versucht, Licht ins Dunkel zu bringen.

Mercedes

Bei Mercedes zog es nicht nur Lewis Hamilton nach Maranello, sondern auch Loic Serra und Jerome D’Ambrosio. Chef-Aerodynamiker Gioacchino Vino zog es zu Aston Martin. Den wohl größten personellen Tiefschlag versetzte dem Team zuletzt John Owen. Der langjährige Schlüsselarchitekt der Silberpfeil-Erfolge zieht ab der Saisonmitte 2026 den Stecker und nimmt sich eine Auszeit von der Königsklasse.

Ferrari

Ferrari wilderte gezielt bei Mercedes und Red Bull ab, musste aber auch selbst schmerzhafte Verluste hinnehmen. Technikdirektor Enrico Cardile wanderte zu Aston Martin ab. Audi bediente sich bei den Motoren-Experten und schnappte sich Wolf Zimmermann (Head of PU) und Lars Schmidt (Chief Combustion Eng). Auch Windkanal-Experte Ioannis Veloudis zog es zu Audi. Enas Tas, Spezialist für Antriebskühlung, und Simone Resta schlugen ihre Zelte in Brackley auf.

Racing Bulls

Die internen Beben bei Red Bull schüttelten auch Racing Bulls ordentlich durch. Früher Racing-Bulls- und jetzt Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies ist wohl das prominenteste Gesicht der Personalrochade. Besonders bitter: Das Team aus Faenza verlor mit Ben Waterhouse (2017) und demnächst Andrea Landi (Juli 2026) gleich zweimal ihren stellvertretenden Technik-Direktor an Red Bull Racing. Immerhin: Mit der Rückkehr von Dan Fallows (Aston Martin) konnte man die technische Struktur zuletzt wieder etwas konsolidieren.

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Aston Martin

Durch personelle Raubzüge bei der Konkurrenz versuchte Lawrence Stroll den Erfolg zu erzwingen. Mit Adrian Newey, Enrico Cardile und Andy Cowell leistet er sich eines der teuersten technischen Führungstrios der F1-Geschichte, wobei hinter Cowell nach seiner Degradierung vom CEO zum Chief Strategy Officer ein Fragezeichen steht. Sollte der Architekt der dominanten Mercedes-Hybridmotoren tatsächlich das Handtuch werfen, wird er nicht lange auf Job-Angebote warten müssen. Wie man wichtige Stellen nachbesetzt, hat Aston Martin bei den Abgängen von Eric Blandin (Aerodynamikdirektor) und Akio Haga (Chefdesigner) gelernt.

Williams

Während es bei den Mittelfeldteams rotiert, blieb Williams von Abgängen in den letzten 24 Monaten nahezu verschont. Stattdessen gab man das Geld von Besitzer Dorilton Capital klug aus: Unter anderem holte man Matt Harman und Richard Frith von Alpine, Juan Molina von Haas, Fabrice Moncade von Ferrari und zuletzt Dan Milner von Mercedes. Auffällig ist James Vowles' Fokus auf Spezialisten für Datenanalyse und IT-Infrastruktur.

Alpine & Audi

Während Alpine als Krisen-Dauergast fungierte, hat 2026 Audi den Staffelstab übernommen. Steve Nielsen ist bereits der achte (oder je nach Zählweise gar neunte) Leiter des Renault-Werksteams seit dem F1-Comeback 2016. Kontinuität sucht man auch bei Audi: Jonathan Wheatley warf nach nur zwei Rennen als Teamchef hin. Offiziell aus persönlichen Gründen, inoffiziell gab es Unstimmigkeiten mit Mattia Binotto, der nun die Doppelrolle der Projektleitung und Teamführung ausführt.

Cadillac

Beim F1-Neuling lag der Fokus verständlicherweise auf dem Strukturausbau. Dazu schnappte sich Cadillac unter anderem Laura Sturland (Finanzchefin) und Chris Green (IT-Direktor) von Mercedes.