Die renommierte britische Tageszeitung 'The Guardian' findet sich schon zum zweiten Mal in diesem Jahr im Zentrum eines medialen Streits mit einem Formel-1-Weltmeister. Nach einem Eklat rund um Max Verstappen am Rande des Japan-GPs kommt es nun zu einem kontroversen Interview mit dem amtierenden Champion Lando Norris, ausgelöst durch ein Frageverbot.

Ein Journalist des Guardian hatte Norris am Rande von dessen Gewinn des 'Laureus World Breakthrough of the Year'-Awards interviewt, doch schon vor und schließlich auch während dieses Interviews schritten Vertreter von Norris' Management bei gleich mehreren kritischen Themen ein. Anstatt dies unter den Tisch fallen zu lassen, machte der Guardian es im Gegenzug sogar zur großen Story.

Christian Danners Plan gegen das Formel-1-Regel-Desaster 2026 (38:41 Min.)

So habe Norris' Management schon Stunden im Voraus angeblich drei Sperrzonen klar abgesteckt: Keine Fragen zu den neuen F1-Regeln, die Norris in den letzten Wochen wiederholt scharf in der Öffentlichkeit kritisierte. Und keine zu Max Verstappen und George Russell - eigentlich zwei Fahrer, mit denen Norris dem Vernehmen nach gut auskommt.

Lando Norris sind Fragen egal - dem Management nicht

Der Journalist setzte sich darüber hinweg - was bereits bei der Frage nach den Regeln bei noch zehn verbleibenden Minuten des anberaumten Termins erst einen Einwurf des per Telefon mithörenden Managers von Norris provozierte, dann auch einen eines anwesenden Management-Vertreters: "Die Zeit ist um."

Norris sei es augenscheinlich egal gewesen: "Ist in Ordnung. Ich beantworte die Frage gerne." Doch der Management-Vertreter beharrte, was Norris schließlich mit "Ich bin nicht der Boss" hinnahm. Kurz darauf folgte bei einer Frage nach der Chance, Mercedes 2026 noch einzuholen, der nächste Einwurf, der auch Norris ("Warum? Sag ja.") zu verwirren schien.

Eine Abschlussfrage, wie er denn die Chancen auf einen F1-Rücktritt von Max Verstappen sehe, beantwortete Norris schließlich noch mit: "Keine Ahnung. Max kann tun, was er will." Gefolgt von einem letzten Einschreiten des Managements: "Er ist ein toller Typ. Max ist die beste Person überhaupt und wir lieben ihn. Zitat."

Bizarres Norris-Interview wirft Fragen auf

Die Geschichte mutet insgesamt bizarr an. Formel-1-Fahrer sind nämlich ohnehin an jedem Wochenende zu mehreren Presserunden verpflichtet, darunter ein zehnminütiger Donnerstags-Termin, der allen Journalisten im Fahrerlager offensteht. Fragen und Antworten sind dort kaum ein Problem. Abseits des Fahrers ist meist nur ein Vertreter der Pressestelle des jeweiligen Teams anwesend.

Ähnliche Fragen mit Gefahrenpotenzial hat Norris - der insgesamt für ausführliche Antworten bekannt ist - in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren oft beantwortet. Bei solchen Presserunden hatte er sich dieses Jahr auch wiederholt unmissverständlich kritisch zum neuen Formel-1-Reglement geäußert. Seine Meinung, wie auch die vieler anderer Fahrer, ist kein Geheimnis, sondern umfangreich öffentlich dokumentiert.