Die Formel 1 ist seit wenigen Tagen im Visier der italienischen Finanzpolizei. Der Grund für die Ermittlungen ist der Verdacht der Steuerhinterziehung bei Grands Prix auf italienischem Boden. Das berichtete die Bologneser Tageszeitung 'Il Resto del Carlino'.
Betroffen von den Untersuchungen sind nach bisherigen Kenntnissen alle nicht in Italien ansässigen Teams – also alle bis auf Ferrari und die Racing Bulls. Es soll um Summen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro gehen, die von den Teams widerrechtlich nicht an den italienischen Staat abgeliefert wurden.
Der Hintergrund: Laut dem italienischen Gesetz müssen ausländische Sportler, die bei Events innerhalb Italiens antreten, einen Teil ihres dort erhaltenen Einkommens an den Staat abgeben, auch wenn sich der Wohnsitz im Ausland befindet.
Im Fall von Formel-1-Fahrern liegt die Verantwortung, diesen Steueranteil bei der zuständigen Behörde abzuliefern, bei den Rennställen. F1-Piloten gelten rechtlich als selbstständig, die Teams sind Auftraggeber und fungieren damit als Steuerabzugsverpflichtete. Sie hätten die sogenannte Quellensteuer einbehalten und an den Staat abführen müssen.
Genau das steht nun im Verdacht, in den vergangenen Jahren unterlassen worden zu sein. Deswegen wurden verwaltungsrechtliche Prüfungen von der Finanz- und Wirtschaftspolizei Bologna eingeleitet. Schon im Vorfeld gab es Vorermittlungen.
Auch die Rechnungshöfe der Lombardei, Emilia-Romagna und Toskana haben bereits seit längerem steuerliche Untersuchungen aufgenommen. Das sind die drei Provinzen, in denen in den letzten Jahren Formel-1-Rennen in Italien stattfanden.
Alle Grands Prix in Italien in den letzten sechs Jahren
| Rennen | Ort | Provinz |
|---|---|---|
| Italien 2020 | Monza | Lombardei |
| Toskana 2020 | Mugello | Toskana |
| Emilia-Romagna 2020 | Imola | Emilia-Romagna |
| Emilia-Romagna 2021 | Imola | Emilia-Romagna |
| Italien 2021 | Monza | Lombardei |
| Emilia-Romagna 2022 | Imola | Emilia-Romagna |
| Italien 2022 | Monza | Lombardei |
| Italien 2023 | Monza | Lombardei |
| Emilia-Romagna 2024 | Imola | Emilia-Romagna |
| Italien 2024 | Monza | Lombardei |
| Emilia-Romagna 2025 | Imola | Emilia-Romagna |
| Italien 2025 | Monza | Lombardei |
Ermittlungen auch gegen Formel-1-Fahrer: Finanzpolizei will Einblicke in Verträge
Laut Informationen von 'RacingNews365' werden nicht nur die Teams untersucht, sondern auch alle aktiven und kürzlich ausgetretenen F1-Fahrer sowie weiteres F1-Personal. Die Finanzpolizei hätte alle Piloten per Brief kontaktiert und nach einer Steuererklärung aus dem Jahr 2025 gefragt. Die 'Guardia di Finanza' soll dabei sehr gründlich vorgehen. Um sich ein gutes Bild der Einkommenssituation zu machen, wolle sie Zugang zu Fahrer- und Sponsorverträgen.
Max Verstappen und Co. sei mitgeteilt worden, dass sie entweder persönlich oder vertreten durch einen Repräsentanten die zuständigen Behörden kontaktieren sollen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, könnten Italiens Behörden die Fahrer ordentlich zur Kasse bitten. Überschreiten die nicht abgeführten Steueranteile die Summe von 50.000 Euro, gilt das als Straftat. Neben den Steuernachzahlungen könnten dann beträchtliche Bußgelder verhängt werden.
Wie viele Jahre die Ermittlungen zurückgehen, ist nicht bekannt. Da auch das Rennen in Mugello, wo 2020 während der Corona-Pandemie einmalig der Toskana GP ausgetragen wurde, untersucht wird, bewegen sich die Ermittlungen wohl in einem Zeitraum von mindestens sechs Jahren. Laut 'RacingNews365' wolle der Staat die Betroffenen rückwirkend zur Verantwortung ziehen und, wo legal möglich, die unbezahlten Steuern von mehreren Jahren einfordern.
Italienischer Anwalt arbeitet an konsequenter Durchsetzung
Laut der 'Il Resto del Carlino' stehen die Ermittlungen noch am Anfang und befinden sich derzeit nicht auf strafrechtlicher Ebene. Das Gesetz zu ausländischen Sportlern gibt es schon länger, wurde von den Behörden aber bisher nicht konsequent durchgesetzt. Bereits 2020 war das ein Diskussionsthema im italienischen Parlament, damals gab es keine ernsthaften Konsequenzen.
Seit letztem Jahr nimmt sich der Bologneser Anwalt Alessandro Mei dieser Angelegenheit an, wie die italienische Tageszeitung berichtet. Er habe die Ermittlungen gegen die Formel 1 bereits im Juni 2025 losgetreten. Damals hätte er sich an die Rechnungshöfe der italienischen Formel-1-Orte gewandt, kürzlich folgte die Beschwerde bei der Finanzpolizei. Am 13. April habe er außerdem eine gleiche Beschwerde beim Rechnungshof der Provinz Latium gegen die Formel E eingereicht. Die Elektro-WM fuhr dort von 2021 bis 2023 den Rom ePrix.



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