Italien wartete seit Giancarlo Fisichellas Sieg im Jahr 2006 auf den nächsten Triumpf in der Formel 1. Mit Andrea Kimi Antonelli ist dieser Wunsch gleich doppelt in Erfüllung gegangen, denn nach seinem Debütsieg mit Mercedes in China folgte zwei Wochen später direkt der zweite Sieg in Japan. Mit nur 19 Jahren reiht er sich damit schon jetzt auf Platz sieben in der ewigen Bestenliste der italienischen F1-Fahrer ein. Welche Legenden hat er bereits hinter sich gelassen und zu wem kann er noch aufschauen? Motorsport-Magazin.com hat in den Geschichtsbüchern gewälzt und die erfolgreichsten Italiener der Formel 1 ausfindig gemacht.

Die Weltmeister

Von allen 16 Italienern, die in der Formel 1 siegen konnten, gelang nur zwei von ihnen der ganz große Coup. Emilio Giuseppe "Nino" Farina war der allererste Formel-1-Weltmeister und schrieb den Anfang der italienischen Formel-1-Geschichte.

Erst 1950, mit 44 Jahren, stieg er mit Alfa Romeo in die neu geschaffene Formel-1-Weltmeisterschaft ein, holte sich aber direkt beim ersten Rennen in Großbritannien die Pole-Position, die schnellste Rennrunde, für die es damals noch einen Punkt gab, und den Sieg. Zwei weitere Grand-Prix-Siege (Schweiz, Italien) brachten ihm 1950 den ersten Formel-1-Titel der Geschichte ein.

Nach ihm gab es nur noch einen weiteren italienischen Formel-1-Weltmeister: Alberto Ascari. Wie auch Kimi Antonelli holte er seine beiden ersten Siege im Doppelpack, jedoch deutlich später, denn er war bei seinem ersten Sieg bereits 33 Jahre alt. Mit insgesamt 13 Siegen für Ferrari und Lancia und zwei WM-Titeln mit der Scuderia ist Ascari seit 1953 der erfolgreichste unter den Formel-1-Italienern und die Messlatte für alle, die nach ihm kamen.

Alberto Ascari (links), Juan Manuel Fangio (mitte) und Nino Farina (rechts)
Alberto Ascari (l.), Juan Manuel Fangio (m.) und Nino Farina (r.), Foto: IMAGO / TT

Die Rekordstarter

Riccardo Patrese, Jarno Trulli, Giancarlo Fisichella und Michele Alboreto verbindet nicht nur ihre Nationalität, sondern auch ihre lange Präsenz in der Formel 1.

Riccardo Patrese war während seiner Formel-1-Karriere für seinen sehr aggressiven und rücksichtslosen Fahrstil bekannt und prägte eine ganze Ära - von den Saugmotoren bis zu den High-Tech-Boliden der 90er. 19 Jahre lang hielt er mit 256 Antritten den Rekord für die meisten Rennstarts. Auch heute noch findet man ihn in der weltweiten Bestenliste weit oben. Aus den Top-10 wurde er knapp von Daniel Ricciardo mit 257 Rennstarts verdrängt.

Riccardo Patrese im Gespräch mit Nigel Mansell 1988
Riccardo Patrese im Gespräch mit Nigel Mansell 1988, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Die italienische Rekordliste der F1-Starts führt Patrese vor Jarno Trulli an, der im Gegensatz zu seinem Landsmann nur einen Sieg in 252 Starts holen konnte. Dieser gelang ihm in Monaco 2004, von der Pole-Position aus.

Auf Platz drei der italienischen Rennstart-Rekordliste steht Dreifachsieger Giancarlo Fisichella. Sein erster Sieg in Brasilien 2003 bleibt dabei bis heute einer der ungewöhnlichsten der Formel-1-Geschichte. Nach einem chaotischen Regenrennen, das aufgrund des heftigen Unfalls von Fernando Alonso abgebrochen wurde, wurde zunächst Kimi Räikkönen zum Sieger erklärt. Einen Tag später stellte sich aber heraus, dass Fisichella zum entscheidenden Wertungszeitpunkt in Führung lag, woraufhin er nachträglich zum Sieger ernannt wurde. In den folgenden drei Jahren folgten zwei weitere Siege, die zugleich 20 Jahre lang die letzten für Italien blieben.

Giancarlo Fisichella in der Formel-1-Saison 2009
Giancarlo Fisichella blieb der Scuderia Ferrari nach seiner aktiven Karriere als Testfahrer erhalten, Foto: IMAGO / Andreas Beil

Mit fünf Siegen in 194 Grand-Prix-Starts liegt Michele Alboreto in der Liste auf Augenhöhe mit Farina. Der Mailänder galt 1985 als große WM-Hoffnung bei Ferrari, musste sich am Ende aber hinter Alain Prost anstellen und mit dem Vizeweltmeistertitel begnügen. Auch abseits des Formel-1-Zirkus war Alboreto erfolgreich: 1997 holte er sich gemeinsam mit Stefan Johansson und Tom Kristensen den Sieg bei den 24h von Le Mans. 2001 starb er unverhofft bei Testfahrten in der Lausitz für eben dieses Langstreckenrennen.

Der letzte Gentleman

Elio de Angelis ist jener Mann, den Kimi Antonelli mit seinen zwei Seriensiegen nun eingeholt hat und höchstwahrscheinlich in Kürze überholen wird. Der Römer wurde im Fahrerlager für sein akkurates Verhalten auf der Strecke geschätzt und deshalb oft als 'der letzte Gentleman' bezeichnet.

Mit 21 Jahren und 307 Tagen holte er sich in Brasilien 1980 sein erstes Podest und wurde damals zum jüngsten Rennfahrer mit einem Podium, bis Fernando Alonso kam und diesen Rekord zwischenzeitlich unterbot. Zwei Jahre später folgte de Angelis erster Sieg, den er mit 0,05 Sekunden Vorsprung auf Keke Rosberg in Österreich über die Ziellinie brachte. 1985 kam sein zweiter und letzter Sieg beim Grand Prix von San Marino dazu.

Elio de Angelis im Lotus Ford 1980 in Monte Carlo
'Der letzte Gentleman' im Lotus Ford 1980, Foto: IMAGO / Crash Media Group

Genau diese Marke hat Antonelli nun mit seinen zwei Siegen erreicht. Wen er als nächstes ins Visier nimmt, seht ihr in dieser Liste.

Christian Danners Plan gegen das Formel-1-Regel-Desaster 2026 (38:41 Min.)