Seit Saisonbeginn wird es immer wahrscheinlicher, dass sich Max Verstappen eher früher als später von der Formel 1 verabschiedet. Der Red-Bull-Fahrer ist mehr als unzufrieden mit dem neuen Reglement, sein Team ist derzeit nicht konkurrenzfähig und sein langjähriger Renningenieur, GianPiero Lambiase, verkündete erst vor kurzem einen Wechsel zu McLaren spätestens mit 2028. Könnte die Königsklasse des Motorsports den Abgang einer ihrer größten Namen der letzten Jahre verkraften?
Im Rahmen eines Mercedes-Pressetermins wurde diese Frage ausgerechnet George Russell gestellt. Er und Verstappen haben eine explosive Rivalität, sowohl auf als auch abseits der Rennstrecke. Schon zu Saisonbeginn hatte Russell wenig Verständnis für Verstappens harte Kritik an den neuen Formel-1-Motoren und lud seinen Kontrahenten dazu ein, die Königsklasse gegen die Nordschleife einzutauschen. Mit seiner jetzigen Antwort schlägt Russell aber ganz neue Töne an. "Wir wollen Max nicht verlieren, weil wir es alle mögen, gegen ihn zu kämpfen", meinte der Mercedes-Pilot.
Eine doch eher überraschende Aussage, betrachtet man die Geschichte der beiden Streithähne. Nach einer Kollision in Baku 2023 beleidigte Verstappen Russell vor laufenden Kameras als "Arschloch" [original: "dickhead"; Anm. d. Red.]. In Katar 2024 hätte Verstappen nach Russells Aussagen gedroht, ihn absichtlich in die Wand zu crashen, während sie sich im Stewardsraum stritten. Verstappen bezeichnete ihn nach dem Rennen als doppelzüngig. Russell meinte vor dem Saisonfinale 2024, dass der Niederländer mit "unnötiger Wut und beinahe Gewalt um sich schlägt", wenn etwas nicht nach seiner Nase läuft.
George Russell: Verstappen kritisiert nur, weil er nicht gewinnt
2025 folgten versöhnlichere Aussagen. Mehrmals betonte Russell, dass Verstappen ein starker Rennfahrer sei. So zum Beispiel im Vorfeld des Spanien GP, im Rennen rammte der vierfache Weltmeister dann absichtlich seinen Mercedes. Das Kriegsbeil ist also keinesfalls begraben. Aber obwohl Russell Verstappen jetzt anscheinend nicht missen möchte, weiß er auch: "Die Formel 1 ist größer als ein einzelner Fahrer. Das [ein Fahrer geht] gehört einfach dazu."
Der Brite ist sich sicher, dass die laute Kritik des Red-Bull-Fahrers von der geringen Wettbewerbsfähigkeit seines Teams rührt. Russell kennt das aus eigener Erfahrung. "Ich habe es gehasst, die 2022er Autos mit dem Porpoising zu fahren, das allen den Rücken kaputtgemacht hat", erzählte der Mercedes-Pilot über seine Erfahrung zum Beginn der Ground-Effekt-Ära. Die schweren, steifen Autos, die zwischen 2022 und 2025 eingesetzt wurden, erfreuten sich wenig Beliebtheit unter den Fahrern. Vor allem die Silberpfeile waren große Gegner, da sie nicht stark in die neue Regelperiode starteten.
Verstappen kam mit drei WM-Titel und 51 GP-Siegen aus der Ära, war aber dennoch kein Freund der Autos. Auch ihm waren sie zu hart und zu wenig agil. "Er [Verstappen] hatte damals nicht die gleichen Beschwerden wie wir, weil er gewonnen hat", ist Russell jedoch überzeugt. "Er klagt jetzt über andere Sachen als Mercedes, Ferrari und McLaren, weil wir in der Hackordnung vorne sind. Aber das ist nur natürlich und ich verstehe die Frustration."
Auf Verstappens Spuren: Russell träumt auch von der Nordschleife
Russells Verständnis für seinen Rivalen betrifft auch dessen liebste Freizeitbeschäftigung: GT3-Rennen auf der Nürburgring Nordschleife. "Ich kann verstehen, warum ihm das Spaß macht. Ich würde auch gerne die Chance haben, auf der Nordschleife Rennen zu fahren. Ich bin dort schon hunderte Runden im Simulator gefahren. Hätte ich vier Titel, würde ich wahrscheinlich das Gleiche tun. Aber mein derzeitiges Ziel ist es, ein Formel-1-Weltmeister zu werden", so Russell, der in dieser Saison zum ersten Mal in seiner Karriere Anwärter auf den WM-Titel ist.
Verstappen hingegen hätte bereits alles erreicht, wovon die meisten Fahrer träumen. "Irgendwann kommst du an den Punkt, an dem du in der Formel 1 nichts mehr erzielen kannst. Er hat alles abgehackt. Sicher kann er noch Rekorde brechen, aber so wie ich ihn und andere Fahrer, die Ähnliches erreicht haben, kenne, willst du ab einem Punkt nur noch das machen, was dir Spaß macht", fuhr der Mercedes-Pilot fort. "Ich glaube, man würde es verstehen, wenn er bleibt, und man würde es verstehen, wenn er geht."
Dass ihm Verstappen das Cockpit wegschnappen könnte, befürchtet Russell nicht. In den letzten Jahren flirtete Toto Wolff offen mit dem Red-Bull-Fahrer. Der Mercedes-Teamchef machte nie ein Geheimnis aus seinem Interesse und seinem Bedauern, Verstappen nie als Nachwuchstalent unter Vertrag genommen zu haben. Doch wie Russell bestätigte, ist sein Deal mit Mercedes mehrjährig. Er wird mit Sicherheit auch 2027 für die Silberpfeile an den Start gehen.
Vergangenes Wochenende nahm Verstappen an den 24h Qualifiers auf der Nürburgring Nordschleife teil. Der vierstündige Prolog verlief nicht gut für ihn und seinen Teamkollegen Lukas Auer. Hier geht es zum Rennbericht zum Sonntagsrennen:



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