Mit seinem Sieg in Monza brach Max Verstappen nicht nur mehrere Geschwindigkeitsrekorde, sondern drückte auch dem aktuellen Reglement seinen Stempel auf. Seit 2022 befindet sich die Formel 1 in der Ära des Ground-Effekts. Mit der nächsten Saison startet die Königsklasse des Motorsports in ein neues Autokonzept, doch schon jetzt steht fest: Verstappen dominierte diesen Regelzyklus wie kein anderer.

Seit dem Bahrain Grand Prix 2022 gewann Verstappen insgesamt 46 Rennen, seine Konkurrenz schlug ihn 38-mal. Mit noch acht Grands Prix in der Saison 2025 hat der Weltmeister die Hälfte aller Rennen in dieser Zeit für sich entschieden. Zur Siegquote von 50 Prozent kommen drei Weltmeisterschaften, 13 Podien, 32 Pole-Positionen und 1.696 WM-Punkte (Stand: Italien Grand Prix 2025).

Ground-Effekt-Ära: Verstappen siegt, ist aber kein Fan

Verstappen startete 2022 als amtierender Weltmeister ins neue Reglement und musste seinen Titel nur anfangs gegen Charles Leclerc verteidigen. Der RB18 von Design-Genie Adrian Newey gewann in Verstappens Händen 15 von 22 Rennen. Der Star-Ingenieur konnte die Herausforderungen der technischen Vorgaben besser meistern als die anderen Teams. Anders als bei Mercedes war Porpoising - ein aerodynamisches Phänomen, bei dem Autos durch plötzlichen Downforce-Verlust hüpfen - kein Problem beim Red-Bull-Boliden.

Der Erfolg zementierte sich im Folgejahr, 2023 stand Verstappen nur dreimal nicht auf dem obersten Podestplatz. Mit 19 ersten Plätzen - 10 davon in Folge - hält er den Rekord für die meisten Grand-Prix-Siege in einer Saison. Doch die Konkurrenz holte auf und verdrängte Verstappen immer öfter vom Siegertreppchen. 2024 gewannen alle vier Top-Teams mindestens vier Rennen, die Red-Bull-Dominanz war vorbei. In der diesjährigen Saison fährt Verstappen den McLarens hinterher und hat nur in mathematischer Hinsicht noch Chancen auf den WM-Titel.

Trotz der ansehnlichen Statistik ist Verstappen kein Fan der Ground-Effekt-Autos. "Im Hinblick auf Erfolge war [diese Ära] gut zu mir. Im Hinblick aufs Fahren hat es nicht den größten Spaß gemacht", sagte er vor dem Beginn der Saison 2025. "Es ist nicht angenehm, über den Kerb zu fahren. Jede Strecke muss superglatt sein, das ist schade. Ich habe gute Resultate erzielt, aber ich möchte Dinge nicht an Resultaten bewerten. Fahrtechnisch war es durchwachsen. Es ist noch immer ein schnelles Formel-1-Auto, aber ich finde, die Autos von 2020 und 2021 waren agiler."

Ground-Effekt: Eine verbotene Philosophie kommt zurück

Beim Ground-Effekt wird der Luftstrom durch Venturi-Kanäle am Unterboden verengt und dadurch beschleunigt. Das generiert Downforce, die das Auto zum Boden saugt. Je geringer der Abstand zum Asphalt, desto besser funktioniert der Effekt. Die Boliden sind aber auch empfindlich für jede Veränderung der Bodenoberfläche. Entsteht zu viel Abstand zwischen Venturi-Kanal und Asphalt - wie beim Überfahren eines Kerbs oder einer Schwelle - reißt der Anpressdruck plötzlich ab und das Auto wird instabil.

Der Lotus 78 war das erste Formel-1-Auto, das Abtrieb über den Unterboden generierte, Foto: Sutton
Der Lotus 78 war das erste Formel-1-Auto, das Abtrieb über den Unterboden generierte, Foto: Sutton

Das erste Mal wurde der Ground-Effekt 1977 in der Formel 1 angewandt. Der Aerodynamiker Peter Wright baute beim Lotus 78 Seitenschützen an, um Downforce zu generieren. Das Designkonzept war so erfolgreich, dass es bald alle Teams übernahmen. Durch den enormen Abtrieb wurden die Autos aber zu schnell für die damaligen Strecken- und Sicherheitsbedingungen. Die Technik wurde zu Beginn der 1980er-Jahre von der FIA verboten.

2022 führte man den Ground-Effekt wieder ein, um das Problem mit der Dirty Air zu verbessern und Überholmanöver zu erleichtern. Mit dem neuen 2026er-Reglement bleibt die Formel 1 zwar beim Prinzip des Ground-Effekts, doch die Unterböden werden teilweise wieder flach. Durch weitere Veränderungen verlieren die Autos insgesamt rund 30 Prozent Abtrieb.

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