Mit 44 Jahren ist Fernando Alonso der älteste Formel-1-Pilot im Feld. Der Spanier ist seit 2001 - mit Unterbrechungen - in der Königsklasse des Motorsports aktiv. Vor fast 20 Jahren, im Jahr 2006, gewann Alonso seinen zweiten und letzten Formel-1-Titel. Ayao Komatsu, der heutige Haas-Teamchef, war damals Reifeningenieur bei Renault und erinnert sich noch genau daran, wie es war, mit dem Weltmeister zusammenzuarbeiten.

"Ich begann 2006 mit Fernando zu arbeiten. Als ich zu Renault kam, war das für mich eine ganz neue Dimension. Als Reifeningenieur treffen wir gemeinsam mit den Testfahrern eine Vorauswahl, aber die endgültige Abnahme erfolgt in der Regel durch die Stammfahrer - insbesondere durch Fernando", sagte Komatsu. "Das war einfach ein anderes Level. Völlig außergewöhnlich."

Komatsu: "Wow, das ist ein Weltmeister!"

Der Große Preis von China in Shanghai 2006 ist Komatsu besonders in Erinnerung geblieben. Nach einem taktischen Fehler beim ersten Boxenstopp - Renault wechselte bei Alonso nur die Vorderreifen - setzte der Spanier bei seinem zweiten Stopp trotz wechselhafter Bedingungen auf Slicks. "Wir dachten alle, es sei viel zu früh. Doch er brachte die Reifen sofort auf Temperatur und machte daraus einen Vorteil", erzählte Komatsu.

In der Schlussphase des Rennens war der Spanier der schnellste Mann im Feld und konnte seinen Rückstand auf Michael Schumacher noch auf 3,1 Sekunden verkürzen. Zum Vergleich: Sein damaliger Renault-Teamkollege Giancarlo Fisichella blieb länger draußen und als er auf Slicks wechselte, hatten sich die Bedingungen gebessert. "Aber er war zu vorsichtig und kam nicht in den Rhythmus. Das kostete ihm enorm viel Zeit", erklärte Komatsu.

Shanghai war für Komatsu nur eines von vielen Rennen, in denen Alonso ein unglaubliches Reifengespür bewies. Dieses Gespür sei auch ein entscheidender Faktor für seine beiden WM-Titel gewesen. "Wenn man ihm einen Reifensatz gibt und sagt: 'Fahr bitte einen Stint über 18 Runden, aber die letzten drei Runden sollst du noch einmal Topspeed fahren', dann setzt er das perfekt um", erzählte Komatsu, der ebenso anfügte, dass Alonso's späterer Teamkollege bei McLaren - Jenson Button - dafür weniger Gespür hatte.

Alonso wusste genau, wieviel Potenzial noch im verbliebenen Reifen steckte und konnte die Reserven perfekt ausnutzen. "In den letzten drei Runden konnte er plötzlich aufdrehen: Sektorzeiten 'bang, bang, bang' - einfach eine Augenweide", erinnerte sich Komatsu. "Da habe ich mir gedacht: 'Wow, das ist ein Weltmeister.' Für mich war das ein riesiger Augenöffner und ein Privileg, mit ihm arbeiten zu dürfen."

Was Alonso von anderen unterscheidet

Die Überzeugung von den eigenen Fähigkeiten und das Selbstvertrauen heben den Spanier von allen anderen ab. So kündigte Alonso einmal über Funk ein Safety Car an, noch bevor das Team an der Boxenmauer überhaupt bemerkt hatte, dass es auf der Strecke zu einem Unfall gekommen war. "Obwohl er damals in Führung lag, hatte er noch genug Kapazitäten in seinem Kopf frei, um das Renngeschehen parallel zu verfolgen", staunt Komatsu noch heute.

Diese zusätzliche Kapazität, wie Komatsu es beschreibt, haben nur sehr wenige Fahrer. Genau deshalb war und ist Alonso für ihn einfach etwas Besonderes.

Alonso's Saison-Highlights 2006

  • Zweiter Fahrer-WM-Titel
  • Zweiter Konstrukteurstitel mit Renault
  • 7 Siege bei 18 Rennen
  • 14 Podiums
  • 6 Pole-Positions
  • 5 schnellste Rennrunden
  • 463 Führungsrunden
  • 17 aus 18 Rennen führte Alonso die Weltmeisterschaft an
  • 5337 km fuhr der Spanier in der Saison 2006