Monza 2025 wird in die Geschichte eingehen, und zwar als Wochenende der Speed-Rekorde. Max Verstappen und Lando Norris sorgen dafür, dass gleich drei große Geschwindigkeits-Rekorde der Formel 1 innerhalb von nur zwei Tagen gebrochen wurden. In Anbetracht von dem, was 2026 nun kommt, haben sie sich womöglich für viele Jahre einen Platz in den Rekord-Statistiken gesichert.

Das galt auch schon für ihre Vorgänger. Zwei der drei Rekorde, die 2025 in Monza gebrochen wurden, waren nämlich über 20 Jahre alt. Da kamen schon Zweifel auf, ob sie überhaupt irgendwann in naher Zukunft einmal fallen würden. Dass es in diesem Jahr passierte, kommt durchaus überraschend.

Max Verstappen fährt erstes Formel-1-Rennen mit über 250 km/h Schnitt

Verstappen komplettierte am Sonntag die Hatz mit dem vielleicht beeindruckendsten Rekord. Innerhalb von 1 Stunde, 13 Minuten und 24,325 Sekunden spulte er die kompletten 306,72 Kilometer Renndistanz ab. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 250,706 km/h für das ganze Rennen. Noch nie hatte vor Verstappen ein F1-Pilot ein Rennen über 250 km/h beendet.

Natürlich gab es kürzere Rennen in der F1-Geschichte, aber alle waren Abbruch-Rennen und endeten daher mit geringerer Durchschnitts-Geschwindigkeit. Verstappen löst Michael Schumacher als Rekordhalter ab. Der Deutsche hatte seinen Ferrari 2003 in Monza mit 247,585 km/h zum Sieg pilotiert.

km/hRennen
1250,7062025 Italien (Verstappen)
2247,5852003 Italien (Schumacher)
3247,0962005 Italien (Montoya)
4246,4312024 Italien (Leclerc)
5245,8142006 Italien (Schumacher)
6244,3742004 Italien (Barrichello)
7243,9302019 Italien (Leclerc)
8243,6262017 Italien (Hamilton)
9242,6201971 Italien (Gethin)
10241,3001970 Belgien (Rodriguez)

Lando Norris unterstrich das hohe Tempo des Rennens mit seiner schnellsten Rennrunde. Auf Soft-Reifen fuhr er in Runde 53 von 53 noch einmal 1:20,901 - diese einzelne Runde entspricht 257,781 km/h Schnitt und ist die schnellste je in einem Rennen gefahrene Runde. Norris nimmt den Rekord Rubens Barrichello ab, der 2004 eine Runde mit 257,320 km/h fuhr.

km/hRennen
1257.7812025 Italien (Norris)
2257.3202004 Italien (Barrichello)
3256.1002024 Italien (Norris)
4255.8742005 Italien (Räikkönen)
5255.0142019 Italien (Hamilton)
6254.8482003 Italien (Schumacher)
7252.7942018 Italien (Hamilton)
8252.6042006 Italien (Räikkönen)
9252.0332020 Italien (Hamilton)
10251.6532007 Italien (Alonso)

Max Verstappen entreißt Lewis Hamilton schnellste F1-Runde aller Zeiten

Noch höher war das Tempo im Qualifying. Natürlich, hier müssen die Fahrer nicht auf ihre Reifen Rücksicht nehmen und können alles aus dem Auto quetschen. Im Vorjahr schon war die Formel 1 in Monza sehr nah an den absoluten Rekord der schnellsten Qualifying-Runde herangekommen, nur 2 km/h hatten auf Lewis Hamiltons 2020 markierte Bestmarke von 264,362 km/h gefehlt.

Hier war es Verstappen, der die schnellste Qualifying-Runde aller Zeiten mit 264,681 km/h in den Asphalt brannte. Auch die Zeit des Zweitplatzierten Lando Norris hätte gereicht, um Hamiltons alten Rekord zu knacken.

km/hRennen
1264.6812025 Italien (Verstappen)
2264.3622020 Italien (Hamilton)
3263.5872018 Italien (Räikkönen)
4262.9622019 Italien (Leclerc)
5262.8962024 Italien (Norris)
6260.3952004 Italien (Barrichello)
7260.1612022 Italien (Leclerc)
8259.8272002 Italien (Montoya)
9259.7302023 Italien (Sainz)
10258.9831985 Großbritannien (Rosberg)

Der Bestwert für die absolute Höchstgeschwindigkeit bleibt der Formel 1 in Monza jedoch verwehrt. Alex Albon wurde im Rennen beim offiziellen Messpunkt mit "nur" 364,1 km/h geblitzt. Valtteri Bottas schaffte im Williams 2016 in Mexiko sogar 372,5 km/h. Das illustriert auch, warum das Rekord-Wochenende 2025 nicht ganz so zu erwarten war.

Formel 1 straft Speed-Zweifler einmal mehr Lügen

Als die Ground-Effect-Regelrevolution 2022 kam, war die Formel 1 schließlich deutlich langsamer geworden. Die Autos wurden damals zum einen erneut schwerer - die Hybrid-V6-Motoren, stets umfangreichere Sicherheits-Maßnahmen und nun auch noch 18-Zoll-Felgen addierten einfach zu viel Gewicht. Ein großer Grund, warum manche Streckenrekorde - wie in Monza - aus den 2000ern stammen. Seit 2003 wuchs das Minimum-Gewicht von 605 auf 800 Kilo.

Die Ground-Effect-Autos sind auch schwerfällig. Es ist ein Feature dieses Aero-Konzepts, dass es in langsamen Kurven Agilität vermissen lässt. Auch wenn die Autos bei hohen Geschwindigkeiten nur durch die Unterböden enorm viel Abtrieb produzieren, sind sie für die engen Monza-Schikanen nicht gebaut. Und Speed-Rekorde werden nun einmal in Monza, auf dem schnellsten Kurs des Kalenders, aufgestellt.

Hinzu kommt noch: Die Autos der 2000er waren nicht nur leichter, sondern auch schmaler, hatten also grundsätzlich eine deutlich kleinere Fläche und damit weniger Luftwiderstand. Mit den großflächigen modernen Autos waren Speed-Rekorde lange schwer. 2020 galt dann als ultimatives Rekord-Jahr zumindest im Qualifying. Zweifel bestanden, ob die Ground-Effect-Autos je dieses Niveau erreichen würden.

Im letzten Jahr der Regeln strafen die Regeln ihre Zweifler nun Lügen. 12 der bisher gefahrenen Strecken sind seit mindestens fünf Jahren, also seit vor der Ground-Effect-Einführung, unverändert. Bei 7 davon wurde dieses Jahr ein neuer Qualifying-Rekord aufgestellt. Wenngleich Monza trotzdem erst das zweite Rennen ist, in dem auch der Rennrunden-Rekord gefallen ist. Das macht die Sonntags-Rekorde von Verstappen und Norris doch überraschend.

Michael Schumacher führt das F1-Feld in Monza an
Michael Schumacher wurde 2003 von Juan-Pablo Montoya zum Rekord gejagt, Foto: IMAGO / Kräling

Formel 1 bleibt im Rennen relativ langsam

Die verschleißintensiven modernen F1-Pirellis und die Notwendigkeit des Spritsparens unterminieren schließlich seit Jahren Renn-Rekorde. So kam Monza 2025 entgegen, dass der erst vor einem Jahr neu gelegte Asphalt sehr viel Grip bei sehr wenig Reifenabbau bot. Das ermöglichte ein Einstopp-Rennen mit wenig Reifen-Management. Der Schlüssel zum Erfolg, wie der direkte Vergleich von Verstappen mit dem alten, 55 Sekunden langsameren Rekord-Rennen von Michael Schumacher zeigt.

Schumacher fuhr Verstappen zu Rennbeginn im direkten Vergleich davon - aber nicht vergessen: 2003 durfte nachgetankt werden. 2025 starten die Autos mit vollen Tanks und sind zu Beginn deutlich langsamer. 2003 absolvierte Schumacher zwei Stopps, um nachzutanken und Reifen zu wechseln. Verstappen musste nur einmal Reifen wechseln. Das sparte ihm gut 37 Sekunden. Hintenraus, mit leichtem Auto und sehr viel Grip, hatte er außerdem das Glück, dass er 2025 nur einem Überrundeten begegnete. Schumacher, in einem 2003 noch deutlich auseinandergezogenen Feld, hatte es nicht so einfach. Und nahm sowieso nicht raus, obwohl McLaren weit entfernt war.