McLaren strahlte nach dem Teamorder-Drama kurz vor dem Ende des Formel-1-Rennens in Italien Ruhe aus. Jedenfalls nach außen. Die beiden Fahrer spielten bei der Pressekonferenz die Entscheidung herunter, nach dem letzten Boxenstopp nochmal Positionen zu wechseln, und Teamchef Andrea Stella betonte, dass man sich an allgemeine interne Absprachen gehalten habe.

Doch viele Beobachter der Formel 1 und auch andere Fahrer oder Teamleiter brachten kein Verständnis für jene Entscheidung auf, bei der sich McLaren auf Fairnessgründe bezogen hatte. Vor allem angesichts dessen, dass sich Piastri und Norris im Duell um die Weltmeisterschaft befinden. Mercedes' F1-Boss Toto Wolff sprach etwa von einem "gefährlichen Präzendenzfall."

Bernie Ecclestone versteht McLaren nicht: Ist das fair für Piastri? Nein!

Auch der ehemalige Formel-1-Chef Bernie Ecclestone kann den McLaren-Entschluss nicht nachvollziehen. Gegenüber dem Blick bezweifelte er die Begründung und erklärte, dass von Fairness nicht die Rede sein könne. "Die reden dauernd von Fairness. Aber ist es für Piastri fair, wenn er für einen Fehler des Teams bestraft wird? Nein", störte sich der Brite an dem Platztausch.

Ecclestone hat den Verdacht, dass ein anderer und weit pikanterer Grund eigentlich für den Platztausch verantwortlich gewesen sein könnte. Er zweifelt an der Unvoreingenommenheit von McLaren im WM-Kampf. "Man bekommt langsam das Gefühl, dass McLaren lieber einen Weltmeister namens Lando Norris bevorzugt", so Ecclestone.

Norris lag in Monza bis zu seinem letzten Boxenstopp auf der (netto) zweiten Position hinter dem dominanten Rennsieger Max Verstappen. Oscar Piastri folgte mit mehreren Sekunden Abstand dahinter und war bis dahin zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für seinen Teamkollegen gewesen. Um gegen Charles Leclerc abzudecken, der einige Runden zuvor gestoppt hatte, holte McLaren den Australier aber zuerst an die Box, und lieferte den schnellsten Reifenwechsel der Saison ab.

Formel 1: McLaren-Skandal?! Piastri muss Norris Platz machen (09:54 Min.)

Bernie Ecclestone: Fehler gehören zum Sport

Bei Lando Norris ging der Boxenstopp eine Runde später schief, wodurch er nun doch noch hinter Piastri auf die Strecke zurückkam. Anders als McLaren sieht Ecclestone in diesen Umständen keine Rechtfertigung für einen Platztausch. "Fehler wie verpasste Boxenstopps oder Motorschäden sowie Aufhängungsbrüche sind zwar seltener geworden, gehören aber zum Sport", so der ehemalige Formel-1-Eigentümer.

Wie genau die Details von McLarens internen Absprachen lauten, ist nicht bekannt. Teamchef Andrea Stella erklärte im Nachgang an Monza, dass der langsame Stopp nicht der ausschlaggebende Punkt für den Platztausch gewesen sei, sondern vielmehr die allgemeine Entscheidung Piastri trotz einer schlechteren Platzierung im Rennen zuerst reinzuholen.

Mit derselben Begründung hatte man schon in Ungarn 2024 die Positionen getauscht, damals zugunsten von Piastri. Im Unterschied zu Monza war in Budapest aber absehbar gewesen, dass der frühere Boxenstopp einen Positionsgewinn mit sich bringen würde, in Monza war das nie der Plan. Damals befanden sich auch die McLaren-Fahrer nicht im Kampf um die Formel-1-WM.

Piastri zuerst reinzuholen, war notwendig geworden, da McLaren sehr lange auf eine Renn-Neutralisation gepokert hatte, und deshalb Charles Leclerc zu einer Gefahr wurde. Alle Details dazu könnt ihr in unserer Renn-Analyse nachlesen: