Ferrari rüstet sich für die Zukunft in der WEC sowie bei den 24 Stunden von Le Mans: Für die kommende Saison 2027 plant der Autobauer aus Italien ein größeres Update-Paket an seinem 499P-Hypercar. Es bahnen sich umfangreiche Änderungen an: Ferrari will sogar drei Performance-Joker ziehen, wie Technikchef Ferdinando Cannizzo an diesem Mittwoch in Le Mans verriet.
"Mehr als zwei, weniger als vier", scherzte der erfahrene Italiener während einer Medienrunde auf die Frage nach der konkreten Anzahl einzusetzender Joker. Zur Erklärung: Jedem Hypercar-Hersteller stehen bis 2027 insgesamt fünf Evo-Joker zur Verfügung, um die Leistung des Fahrzeuges in Bereichen wie dem Motor, der Aerodynamik oder Aufhängung zu verbessern. Das geschieht unter strenger Aufsicht der FIA.
Ferrari: Drei Joker für 2027 - kein komplett neues Auto
Ferrari hat seit dem WEC-Debüt 2023 erst einen einzigen Joker eingesetzt - 2024 nach Le Mans gab es ein Update für die Bremskühlung - und hätte damit sogar noch vier zur Verfügung. Beim 2027er-Ferrari handele es sich trotz größerer Anpassungen jedoch nicht um eine Neukonstruktion. Cannizzo: "Es wird kein komplett neues Auto sein. Wir werden dieselbe Homologation wie heute verwenden." In welchen Bereichen Ferrari konkret nachrüsten will, wurde noch nicht verraten.
Fast alle Hersteller hatten im Winter mindestens einen Joker verwendet, um die Aerodynamik weiterzuentwickeln. Das hatte sich im Zuge einer verpflichtenden Neuvermessung aller Autos im Windkanal von WindShear in den USA angeboten. Ferrari verzichtete hingegen zum zweiten Mal in Folge auf ein Evo-Paket. Im kommenden Jahr - Änderungen während der laufenden Saison sind nicht mehr erlaubt - wollen die Italiener nachziehen.
Warum Ferrari zwei Jahre lang auf Updates verzichtete
Laut Cannizzo hatte Ferrari für 2026 auch die Füße stillgehalten, weil Exklusivlieferant Michelin neue Slick-Reifen für die Hypercar-Klasse eingeführt hat. Das Verhalten der neuen Pneus gelte es zunächst zu verstehen, bevor neue Teile zusätzliche Fragen aufwerfen.
Der Technikchef mit Formel-1-Vergangenheit: "Unsere Entwicklungsphilosophie besteht darin, dass jedes System des Fahrzeugs eng mit den anderen verbunden ist. Wenn ich beispielsweise die Hinterradaufhängung ändere, beeinflusst das gleichzeitig das Getriebe, die Verbindung zum Motor und zahlreiche aerodynamische Eigenschaften. Deshalb entwickeln wir die verschiedenen Bereiche des Autos immer als integriertes Gesamtpaket."
Und weiter: "Auch bei den Jokern sind wir so vorgegangen. In den vergangenen Jahren haben wir analysiert, welche Faktoren unsere Performance begrenzen. Nachdem wir diese Bereiche identifiziert hatten, haben wir sie nicht isoliert betrachtet, sondern wieder als integriertes Gesamtpaket."
Ferrari-Chef: Auto auch 2026 konkurrenzfähig
Dass Ferrari der Konkurrenz mit ihren überarbeiteten Hypercars aktuell unterlegen ist, glaubte Ferrari-Sportwagenchef Antonello Coletta unterdessen nicht. Der 499P, der dreimal in Folge die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat und 2025 auch in der WEC-Weltmeisterschaft triumphierte, sei von Beginn an ein gutes Auto gewesen. Erst jetzt sei es an der Zeit für den nächsten technischen Eingriff.
"Wir haben immer gesagt, dass man zunächst das vorhandene Potenzial vollständig ausschöpfen sollte, bevor man über große technische Änderungen nachdenkt", erklärte Coletta. "Unsere zentrale Frage lautete: Nutzen wir bereits 100 Prozent dessen, was wir haben? Deshalb waren wir der Ansicht, dass das Auto für 2026 ohne weitere große Entwicklungsschritte konkurrenzfähig bleiben kann."
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