Zum ersten Mal seit Silverstone steht in Monza wieder Max Verstappen im Red Bull auf der Pole. Und von McLarens starken letzten Qualifying-Auftritten ist beim Italien-GP nicht mehr viel zu sehen, auch wenn Lando Norris und Oscar Piastri innerhalb von zwei Zehnteln an Verstappen dran waren. Das Ergebnis ist für Teamchef Andrea Stella eine akkurate Reflexion des Kräfteverhältnis. Aufgrund ungewöhnlicher Umstände.
"Es ist keine Überraschung", ordnet Stella nach dem Qualifying die Niederlage ein. Obwohl Verstappen zuletzt in Belgien dreieinhalb Zehntel vom besten McLaren entfernt gewesen war, in Ungarn dreieinhalb, und in Zandvoort zweieinhalb. Doch man muss, so hebt Stella hervor, nur bis zur letzten Verstappen-Pole in Silverstone zurückgehen.
Der Zusammenhang: Sowohl in Silverstone als auch in Monza fuhr Red Bull mit dem kleinstmöglichen Heckflügel. Das galt auch für das Sprint-Qualifying von Spa, wo Verstappen zumindest einen McLaren schlug und nur an einer perfekten Runde von Oscar Piastri scheiterte. Stella stellt fest: "Wenn wir das Abtriebslevel reduzieren, dann behält der Red Bull eigentlich sehr viel aerodynamische Effizienz."
In Monza, wo man die kleinstmöglichen Flügel fährt, ist das besonders auffällig: "Wenn wir bei diesem Abtriebslevel fahren, dann ist der Red Bull womöglich das beste Auto." Mit kleinen Flügeln ist der RB21 einfach gesagt schneller als der MCL39, ohne einen allzu großen Grip-Nachteil mitzuschleppen.
McLaren bleibt schneller in den Kurven - aber die sind in Monza zu kurz
Sicher, der McLaren ist in den Kurven immer noch schneller. Das zeigte sich auch im Qualifying klar. Über eineinhalb Zehntel nahm Norris etwa Verstappen auf dem letzten Versuch in den beiden Lesmos ab. Doch solche Kurven gibt es in Monza nicht in Massen, hält Stella fest: "Die Kurven sind recht kurz, es gibt praktisch nur sechs, und das Auto ist auf den Geraden nicht das Schnellste. Also gewinnen wir ein bisschen in den Kurven, und verlieren recht viel auf den Geraden."
"Außerdem ist das Grip-Niveau sehr hoch", erklärt Stella. Vor einem Jahr wurde neu asphaltiert, seitdem ist Monza völlig eben und richtig griffig. Das ermöglichte es Verstappen am Samstag auch, einen neue Rekord-Runde zu fahren. "Das heißt, es sind nicht nur wenige Kurven, aber die dauern nicht lange, weil du so spät bremst und so früh beschleunigst, dass die sogenannte 'Grip-limitierende Zone' sehr beschränkt ist."
Genau in diesen Bereichen ist der McLaren aber besonders gut. Weniger Haftung beeinflusst den MCL39 nicht so stark wie andere Autos. Daher rührt auch oft der Rennpace-Vorteil. Ein Detail, dass auch Pirelli gelegentlich anmerkte: Reifen, die auf einem McLaren waren, werden nicht unbedingt in besserem Zustand zurückgegeben. Aber das Auto verlor trotz dieses Verschleißes weniger Pace als die Konkurrenz. Denn selbst wenn die Reifen abbauen und der Grip fällt, bleibt der MCL39 in einem guten Arbeitsfenster.
Wenn ein Großteil der Runde jedoch auf Geraden mit Vollgas gefahren wird, negiert das den Vorteil. "So, wie wir unser Auto designen, erreicht es seine höchste Effizienz auf Strecken mit größeren Heckflügeln", sagt Stella. "Wenn wir das Heckflügel-Level reduzieren, verlieren wir relativ zur Konkurrenz ein bisschen aerodynamische Effizienz."
F1-Kurven werden in Monza im Rennen länger: Schlägt McLaren zurück?
Interessanterweise sind Kurven in der Formel 1 im Qualifying und im Rennen aber nicht gleich lang. Im Rennen muss jeder auf die Reifen achten, weniger aggressiv auf die Bremse, weniger aggressiv aufs Gas. "So wird die Grip-limitierende Zone größer, und das macht unser Auto automatisch wettbewerbsfähiger", sagt Stella.
Nun aber gilt es, den absoluten und für alle Teams gleichen Grip der Strecke zu bedenken. Wie bereits angesprochen ist der noch recht neue Monza-Asphalt 2025 äußerst gut. "Ich denke, viel Reifenverschleiß wird es wohl nicht geben, und dann haben wir nicht diese natürliche Charakteristik mit einem bei wenig Grip sehr guten McLaren", prognostiziert Stella.
Pirelli rechnet fest mit einem Stopp. Der harte Reifen soll ohne Probleme 80 Prozent der Renndistanz absolvieren können. "Also schätze ich, dass das Feld nicht nur im Qualifying, sondern auch im Rennen kompakter sein wird", meint Stella. Perfekt für Max Verstappen. Auf dem ebenfalls unverhältnismäßig griffigen Asphalt in Japan konnte er von Pole gewinnen. Mit seiner Rekord-Runde könnte er den Grundstein also schon gelegt haben.



diese Formel 1 Nachricht