Die Spekulationen um eine Neubesetzung der Teamchef-Position bei Aston Martin haben sich bewahrheitet - doch anstelle der gehandelten Teambosse von Christian Horner über Andreas Seidl bis zu Mattia Binotto übernimmt ein anderer Etablierter sämtliche Zügel in Silverstone. Adrian Newey hat sich im Formel-1-Machtkampf durchgesetzt und wird neben seiner Rolle als Technikboss auch den Posten des Teamchefs begleiten.
Damit reagiert Aston Martin nach gerade einmal gut einem Jahr auf die anhaltende Performance-Misere des baldigen Honda-Werksteams. Starfahrer Fernando Alonso äußerte zuletzt seine eigene Theorie zum Formtief seiner Truppe:
Adrian Neweys Herausforderung: Das neue F1-Reglement 2026
Der frühere Mercedes-Motorenchef Andy Cowell, der seit 14 Monaten das Amt des Teamchefs bei Aston Martin innehatte, erhält als Chief Strategy Officer einen neuen Titel. In dieser Position soll er seine Erfahrung im Bereich der Power Units einbringen und die Zusammenarbeit mit dem neuen Motorenpartner Honda sowie den Mineralölpartnern des Teams leiten.
Derweil laufen alle weiteren Fäden in Silverstone bei Adrian Newey zusammen. Der langjährige Stardesigner von Williams, McLaren und Red Bull Racing trat seinen Posten als Managing Technical Partner bei Aston Martin Anfang März 2025 an. Nun führt er nicht nur das technische Team in der Fabrik und an der Rennstrecke, sondern übernimmt ab 2026 zusätzlich auch die Rolle des Teamchefs.
"Ich freue mich darauf, diese zusätzliche Aufgabe zu übernehmen, während wir uns für 2026 in die bestmögliche Position bringen", sagte Newey. Dabei erwartet sein Team nicht nur der Beginn einer neuen Reglement-Ära, sondern auch die Zusammenarbeit mit dem neuen Motorenpartner Honda, der die Truppe aus Silverstone zu einem Werksteam macht. "Die Aufgabe von Andy, die sich auf die Integration der neuen PU mit unseren drei wichtigsten Partnern konzentriert, wird auf diesem Weg von entscheidender Bedeutung sein."
Erst kürzlich wurde bekannt, dass mehrere Mitarbeiter der Aerodynamik- und Designabteilung ihren Hut nehmen mussten. Darunter soll auch der Aerodynamikchef und frühere Mercedes-Mann Eric Blandin gewesen sein. Insgesamt sollen mindestens sieben Teammitglieder entlassen worden sein. Zudem sorgte Aston Martin mit einem Verstoß gegen die Budgetcap-Regeln für Ärger.
Andy Cowell: Aufs Motoren-Abstellgleis abgeschoben

In seiner neuen Funktion soll Cowell dazu beitragen, die technische Partnerschaft zwischen dem Team, Honda, Aramco und Valvoline zu optimieren und die nahtlose Integration der neuen Power Unit, des nachhaltigen Kraftstoffs und des Chassis sicherzustellen. "Nachdem wir die dringend notwendigen strukturellen Veränderungen im Zuge unseres Übergangs zu einem vollwertigen Werksteam umgesetzt und die Grundlagen für Adrian und die gesamte Organisation geschaffen haben, ist es für mich an der Zeit, die neue Rolle des Chief Strategy Officers zu übernehmen", wird Cowell in einer Pressemitteilung des Teams zitiert.
Teammitbesitzer und CEO Lawrence Stroll lobte seinen scheidenden Teamchef in den höchsten Tönen. Dennoch betont er: "Diese Führungsänderung ist eine gemeinsame Entscheidung, die wir im Interesse des Teams getroffen haben. Ich freue mich, dass Adrian Newey die Rolle des Teamchefs übernehmen wird. So kann er sein kreatives und technisches Know-how voll ausschöpfen."
Aston Martin tritt seit 2021 wieder als Werksteam in der Königsklasse des Motorsports an, damals noch mit Sebastian Vettel und Lance Stroll am Steuer der Boliden in British Racing Green. Seit 2023 hat mit Fernando Alonso der nächste Formel-1-Weltmeister das Cockpit neben Stroll übernommen. Mehr als ein Podium für Vettel und acht für Alonso sprangen seitdem nicht für das Team heraus. Die große Hoffnung: das neue F1-Reglement ab 2026 soll das Kräfteverhältnis auf den Kopf stellen.
Unser F1-Experte Christian Danner sieht das Problem des Teams jedoch nicht nur in der technischen Abteilung oder der Teamführung, sondern auch in einem der beiden Cockpits, wie er in unserem Video erklärt:
Redaktionskommentar - Zu viel Macht für Newey?
Motorsport-Magazin.com meint (Stephan Heublein): Die Gerüchteköche überschlugen sich mal wieder mit ihren feinsten Gerichten. Ein Formel-1-Comeback von Christian Horner - ausgerechnet beim Team von Adrian Newey! Jenem Stardesigner, der Red Bull Racing unter anderem wegen des angeschlagenen Verhältnisses zu Horner verlassen haben soll. Wie sollte das nur gutgehen?
Die Antwort gab Newey selbst: Es kommt erst gar nicht soweit. Stattdessen übernimmt Newey selbst - man möchte fast sagen Horner-Style - die komplette Macht im Team, mal abgesehen von Lawrence Stroll. Jetzt muss Newey beweisen, dass zu viele Ämter für eine Person auch in der modernen Formel 1 kein Problem darstellen. Mattia Binotto bekam die Mehrfachrolle als Technik-, Motoren- und Teamchef bei Ferrari bekanntlich nicht so gut. Lawrence Stroll setzt im besten Las Vegas Gambler Stil nun alles auf Newey.
Nächste verpatzte Saison, nächster Teamchef. Die Liste der geschassten Teammitglieder in Führungspositionen wird immer länger. Aston Martin schickt sich an, zum neuen Alpine zu werden. Für Andy Cowell hat sich das F1-Comeback als Teamchef wohl nur finanziell gelohnt. Sein neuer Aufgabenbereich im Motorensektor wirkt wie ein Rückschritt in alte Mercedes-Zeiten. Seine neue Rolle als "Chief Strategy Officer" klingt nach Abstellgleis - bis in einigen Monaten die Trennung bekanntgegeben wird. Adrian Newey dürfte dann höchstwahrscheinlich noch im Amt sein, immerhin hat er viele Positionen inne und hält zudem Anteile am Team. Aber ob dieses bis dahin in der neuen Ära sportlich so viel besser dastehen wird?
Jetzt bist du dran: Wie siehst du den Teamchefwechsel bei Aston Martin? Ist Adrian Newey der richtige Nachfolger? Und: Geht es mit dem Team jetzt endlich aufwärts? Verrate uns deine Meinung in den Kommentaren!



diese Formel 1 Nachricht